{"id":939,"date":"2015-10-15T08:14:14","date_gmt":"2015-10-15T08:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=939"},"modified":"2015-10-15T08:14:14","modified_gmt":"2015-10-15T08:14:14","slug":"jugendliche-fluechtlinge-zwischen-allen-stuehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/jugendliche-fluechtlinge-zwischen-allen-stuehlen\/","title":{"rendered":"Jugendliche Fl\u00fcchtlinge: Zwischen allen St\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">Mit etwas Gl\u00fcck auch zum Abitur: Leistungsstarke Fl\u00fcchtlingskinder verlieren Zeit, bis sie richtig gef\u00f6rdert werden. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">F\u00fcr Nuura kam die Flucht aus Syrien zugleich um ein Jahr zu fr\u00fch und um zwei Jahre zu sp\u00e4t. Zu fr\u00fch, weil der 17-J\u00e4hrigen noch ein Jahr fehlte, bis sie daheim, nach zw\u00f6lf Schuljahren, mit der Schule fertig gewesen w\u00e4re. Dann h\u00e4tte sie einen vergleichbaren Abschluss zum deutschen Abitur gehabt und h\u00e4tte sich um einen Studienplatz in ihrem Wunschfach Medizin bewerben k\u00f6nnen \u2013 irgendwo, wo gerade nicht Krieg ist, vielleicht in Deutschland.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Flucht in die neue Heimat Berlin kam zu sp\u00e4t, weil die junge Syrerin bereits mehr als zehn Schuljahre hinter sich hatte, als sie mit ihrer Familie vor einem Jahr in Berlin ankam. Laut Schulgesetz haben Jugendliche wie Nuura damit die allgemeine Schulpflicht erf\u00fcllt \u2013 und werden nicht mehr automatisch in das System Oberschule integriert.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Wer trotzdem weiter zur Schule gehen will, sollte zwar kein Problem haben, genau das auch zu tun: Laut der Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung sollen die Schulaufsichten der Bezirke in \u201eEinzelfallpr\u00fcfungen\u201c dar\u00fcber entscheiden, ob die Jugendlichen fit genug sind f\u00fcr die Oberstufe.<\/p>\n<p class=\"article even\">Wer tats\u00e4chlich ein Zeugnis im Fluchtgep\u00e4ck hat, k\u00f6nnte sich alternativ auch das anerkennen lassen: \u201eAber das haben die wenigsten dabei oder k\u00f6nnen es schnell aus ihren Herkunftsl\u00e4ndern beschaffen\u201c, sagt Daniel Jasch vom der Beratungs- und Betreuungszentrum f\u00fcr junge MigrantInnen in Moabit.<\/p>\n<div class=\"article rack no4\">\n<div id=\"\" class=\"first last odd sect sect_quote \">\n<div class=\"sectbody quote obj\">\n<p>Die junge Syrerin f\u00fchlte sich auf dem Oberstufenzentrum unterfordert<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"article odd\">Bei Nuura lief das mit der \u201eEinzelfallpr\u00fcfung\u201c so ab: Ein Mitarbeiter der regionalen Schulaufsicht in Charlottenburg-Wilmersdorf habe ein paar Worte mit ihr gewechselt, erz\u00e4hlt die junge Frau. \u201eDas war alles.\u201c Nuura fand sich dann an einem beruflichen Oberstufenzentrum wieder. Dort sollte sie in einer Lerngruppe f\u00fcr Neuzug\u00e4nge ohne Deutschkenntnisse \u2013 vulgo: Willkommensklasse \u2013 erst mal die Sprache lernen.<\/p>\n<h6>Unterfordert am Oberstufenzentrum<\/h6>\n<p class=\"article even\">Doch die junge Frau f\u00fchlte sich unterfordert: Deutsch habe sie kaum gelernt, im begleitenden fachlichen Unterricht habe sie sich gelangweilt. Das Niveau an den Oberstufenzentren, die in drei Jahren zum Abitur f\u00fchren, gilt gemeinhin als niedriger als an \u201enormalen\u201c Gymnasien.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Bei Nuura hat das Prinzip der individuellen Pr\u00fcfung nicht funktioniert. Sicher gebe es Einzelf\u00e4lle, sagt die Senatsverwaltung f\u00fcr Bildung auf Anfrage. Sicherlich nicht, sagt Berater Jasch. Ein Problem sei, dass es f\u00fcr die Einzelfallpr\u00fcfungen keine festgelegten Standards gebe. \u201eWir erleben es zunehmend, dass Jugendliche, die \u00e4lter sind als 16 und ihren Bildungsstand nicht formal nachweisen k\u00f6nnen, pauschal in die berufliche Bildung gelenkt werden.\u201c Das sei f\u00fcr viele aber keine sinnvolle Fortsetzung ihrer bisherigen Schullaufbahn.<\/p>\n<p class=\"article even\">Stimmt nicht, sagt eine Sprecherin der zust\u00e4ndigen Senatsverwaltung. Die Entscheidung, in welcher Lerngruppe jemand Deutsch lernt, verbaue niemandem den Weg zum Abitur. Daf\u00fcr soll die n\u00e4chste \u201eEinzelfallpr\u00fcfung\u201c sorgen: Sobald die Sch\u00fclerInnen in den Lerngruppen ein gewisses Sprachniveau erreicht haben, sei es Sache der LehrerIn und der Schulaufsicht \u00fcber die geeignete Schule zu entscheiden: das k\u00f6nne ein Gymnasium sein oder eine berufliche Schule.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Sch\u00fclerinnen wie Nuura profitierten freilich davon, schaute man gleich genau hin und integriere sie dort, wo sie auch nach der Willkommensklasse sinnvoll zur Schule gehen k\u00f6nnen \u2013 auch wenn sie formal schon die Schulpflicht erf\u00fcllt haben. Nuuras Familie musste umziehen, weil sie in Mitte eine Wohnung zugewiesen bekam. Nun geht sie auf eine Lerngruppe auf einem Gymnasium, dort f\u00fchle sie sich \u201erichtig\u201c, sagt sie. Sie hofft, dass sie bleiben kann.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\n<p class=\"article odd\">\n<p class=\"article odd\"><strong><span style=\"font-size: 18pt;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Jugendliche-Fluechtlinge\/!5237651\/\" target=\"_blank\">Quelle: taz<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit etwas Gl\u00fcck auch zum Abitur: Leistungsstarke Fl\u00fcchtlingskinder verlieren Zeit, bis sie richtig gef\u00f6rdert werden. &nbsp; &nbsp; F\u00fcr Nuura kam die Flucht aus Syrien zugleich um ein Jahr zu fr\u00fch und um zwei Jahre zu sp\u00e4t. 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