{"id":885,"date":"2015-08-12T05:32:40","date_gmt":"2015-08-12T05:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=885"},"modified":"2015-08-12T05:32:40","modified_gmt":"2015-08-12T05:32:40","slug":"nach-23-jahren-in-berlin-familie-von-abschiebung-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/nach-23-jahren-in-berlin-familie-von-abschiebung-bedroht\/","title":{"rendered":"Nach 23 Jahren in Berlin Familie von Abschiebung bedroht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Vor allem Menschen aus Serbien und Bosnien werden derzeit aus Berlin abgeschoben. Viele sind Roma. Dieses Schicksal droht auch der Familie Pavlovic.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Demo-gegen-Abschiebeknast-am-BBI.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-689\" src=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Demo-gegen-Abschiebeknast-am-BBI.jpg\" alt=\"Demo-gegen-Abschiebeknast-am-BBI\" width=\"450\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Demo-gegen-Abschiebeknast-am-BBI.jpg 450w, https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Demo-gegen-Abschiebeknast-am-BBI-300x207.jpg 300w, https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Demo-gegen-Abschiebeknast-am-BBI-80x55.jpg 80w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"article first odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">BERLIN <em>taz<\/em> | Eigentlich sieht es bei den Pavlovics in Neuk\u00f6lln an diesem Nachmittag ganz normal aus, sogar ziemlich gem\u00fctlich. Der Kaffee ist lecker, der Pflaumenkuchen selbst gemacht, der f\u00fcnfj\u00e4hrige Predrag schaut mit gro\u00dfen Augen, die bald einj\u00e4hrige Natalia quietscht freundlich. Doch die junge Familie sitzt auf hei\u00dfen Kohlen. Ihr droht die Abschiebung \u2013 nach 23 Jahren in Deutschland.<\/span><\/p>\n<p class=\"article even\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">1992 flohen die heutigen Gro\u00dfeltern Pavlovic vor dem B\u00fcrgerkrieg im zerfallenden Jugoslawien aus ihrer Heimat Serbien. Miodrag, Vater von Predrag und Natalia, war damals neun. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Seither k\u00e4mpft die Familie um einen sicheren Aufenthalt in Deutschland.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Das war f\u00fcr Miodrag, besch\u00e4ftigt als Geb\u00e4udereiniger, so lange kein Problem, solange er keine Familie hatte. Doch mit der Heirat mit Frau Rabija und den zwei Kindern reichten seine 1.100 Euro netto nicht mehr, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Da Rabija, die 2008 durch die Heirat mit Miodrag nach Deutschland kam, erst sechs Jahre sp\u00e4ter eine Arbeitserlaubnis erhielt, beantragte die Familie Sozialhilfe. Dies f\u00fchrte zu dem Abschiebebescheid. Und der wiederum dazu, dass Miodrag Pavlovic der Job gek\u00fcndigt wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Neue Regelung diskutiert<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Von den 374 im laufenden Jahr aus Berlin abgeschobenen Personen stellen SerbInnen mit 167 die gr\u00f6\u00dfte Gruppe: fast 45 Prozent. Zweitgr\u00f6\u00dfte sind mit 68 Personen die BosnierInnen, dann kommen Menschen aus dem Kosovo. Insgesamt betreffen 75 Prozent der Abschiebungen mittlerweile Menschen aus den Balkanl\u00e4ndern, die die Bundesregierung 2014 zu \u201esicheren Herkunftsl\u00e4ndern\u201c erkl\u00e4rt hat, und dem Kosovo, f\u00fcr den diese Regelung derzeit ebenfalls diskutiert wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">So forderte am Montag der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf, Albanien, Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten einzustufen. Graf sieht darin ein Mittel, besser mit den steigenden Fl\u00fcchtlingszahlen umgehen zu k\u00f6nnen. Die CDU m\u00f6chte seit Langem, dass sich Berlin in einer Bundesratsinitiative daf\u00fcr einsetze, so Graf. Mit der Berliner SPD sei dies bisher aber nicht zu machen gewesen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Bis 2012 hatten Vietnamesen die Berliner Statistik angef\u00fchrt. Deren Abschiebezahl sinkt seither, w\u00e4hrend die Gesamtzahl von Abschiebungen von 453 im Jahr 2011 auf \u00fcber 600 in 2014 gestiegen ist. Dieses Jahr werden es noch mehr werden. Und in den meisten F\u00e4llen handelt es sich um sogenannte Direktabschiebungen, bei denen die Menschen auf der Stra\u00dfe aufgegriffen oder aus ihren Wohnungen geholt werden. W\u00e4hrend das 2011 lediglich in 7 F\u00e4llen geschah, waren 2014 rund 77 Prozent Direktabschiebungen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Und man m\u00fcsse \u201ewohl angesichts der L\u00e4nderliste nicht zweimal hinschauen\u201c, um zu erkennen, dass sich die Abschiebewut der Beh\u00f6rden derzeit vor allem gegen Roma richte, sagt Miodrag Pavlovic\u2019 gro\u00dfer Bruder Milan. Auch die Familie Pavlovic geh\u00f6rt zu dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe. Der 38-j\u00e4hrige Milan leitet das Roma-Informationscenter in Neuk\u00f6lln, eine unter anderem vom Senat finanzierte Einrichtung f\u00fcr Beratung, Aufkl\u00e4rung und Kulturveranstaltungen von und \u00fcber Roma.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>Falsches Bild der Roma<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u201eWir haben uns immer f\u00fcr diese Gesellschaft engagiert\u201c, sagt Milan Pavlovic. \u201eDoch die Gesellschaft sieht nicht die Roma wie uns\u201c, erg\u00e4nzt er: \u201eSie sieht nur, was sie sehen will: die, die auf der Stra\u00dfe betteln.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Rabija Pavlovic ist ungl\u00fccklich. Die 29-J\u00e4hrige f\u00fcrchtet um die Zukunft ihrer Kinder, wenn sie in Serbien aufwachsen m\u00fcssen. Auf dem Arbeitsmarkt, in den Schulen, bei der Gesundheitsversorgung w\u00fcrden Roma dort diskriminiert, sagt ihr Schwager Milan. \u201eUnd wir haben nichts dort\u201c, sagt Rabija. Deutsch hat sie gut gelernt in den sieben Jahren hier, einen Kurs als Altenpflegehelferin absolviert: \u201eH\u00e4tten sie uns nur sechs Monate mehr Zeit gegeben, dann h\u00e4tte Natalia in den Kindergarten und ich arbeiten gehen k\u00f6nnen\u201c, sagt sie. Dann h\u00e4tte das Einkommen der Familie wieder ausgereicht. Jetzt ist ihre einzige Hoffnung, dass sich der Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses ihres Falls annimmt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Nach-23-Jahren-in-Berlin\/!5219140\/\" target=\"_blank\">Taz<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor allem Menschen aus Serbien und Bosnien werden derzeit aus Berlin abgeschoben. Viele sind Roma. 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