{"id":823,"date":"2015-06-24T08:23:12","date_gmt":"2015-06-24T08:23:12","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=823"},"modified":"2015-06-24T08:23:12","modified_gmt":"2015-06-24T08:23:12","slug":"graeber-auf-der-reichstagswiese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/graeber-auf-der-reichstagswiese\/","title":{"rendered":"Gr\u00e4ber auf der Reichstagswiese"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">5.000 Demonstranten nehmen an der Bestattungsaktion des \u201eZentrums f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit\u201c teil \u2013 und st\u00fcrmen das Feld vor dem Bundestag.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">BERLIN <em>taz<\/em> | Der Zaun f\u00e4llt, als w\u00e4re er eine Streichholzkonstruktion. Kein Wunder, schlie\u00dflich handelt es sich nicht um eine Polizeiabsperrung, sondern um einen Schutzzaun des Gr\u00fcnfl\u00e4chenamts f\u00fcr den Rasen vor dem Reichstag. Wenig sp\u00e4ter ist die Wiese vor dem Parlament bunt vor Menschen. Die ersten Demonstranten heben mit kleinen Schaufeln symbolische Gr\u00e4ber aus, stellen Holzkreuze und Kerzen auf \u2013 als mahnende Erinnerung an Tausende Fl\u00fcchtlinge, die auf der Flucht nach Europa sterben.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Polizei schaut zun\u00e4chst zu. Gut 5.000 Demonstranten sind ihrer Sch\u00e4tzung nach an diesem Sonntagnachmittag quer durch das Regierungsviertel bis vor das Kanzleramt gezogen, angef\u00fchrt von dem Leichenwagen eines muslimischen Bestatters. Die Demonstration auf der Wiese sei \u201enicht vorgesehen und nicht zul\u00e4ssig\u201c, sagt ein Polizeisprecher. Aber sie zu r\u00e4umen sei angesichts der gro\u00dfen Menschenmenge \u201enicht machbar\u201c. Nur das \u201eBuddeln\u201c symbolischer Gr\u00e4ber wolle man unterbinden &#8211; \u201esoweit es machbar ist\u201c. Aber: Auch das gelingt vorerst nicht. Stattdessen entstehen Dutzende \u201eGrabst\u00e4tten\u201c auf der Wiese.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Am fr\u00fchen Abend schreiten die Beamten doch ein. Die Polizei fordert die Demonstranten auf, die Bundestagswiese zu r\u00e4umen. Die allermeisten kommen der Aufforderung nach, andere aber bilden Sitzblockaden. Die Beamten stellen den Zaun wieder auf, umzingeln die letzten Protestierenden und r\u00e4umen nach und nach das Feld. Ein Polizeisprecher spricht von \u201eeinigen\u201c Festnahmen, wegen Landfriedensbruch oder Sachbesch\u00e4digung.<\/p>\n<p class=\"article even\">Urspr\u00fcnglich hatten Aktivisten des \u201eZentrums f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit\u201c ein symbolisches \u201eFriedhofsfeld der Superlative\u201c auf dem Vorplatz des Bundeskanzleramts errichten und dort tote Fl\u00fcchtlinge bestatten wollen. Diesen provokanten Plan hatten die Berliner Beh\u00f6rden \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 nicht genehmigt.<\/p>\n<h6>Eingriff in die \u201eKunstfreiheit\u201c<\/h6>\n<p class=\"article odd\">\u201eAus Gr\u00fcnden der \u00f6ffentlichen Sicherheit\u201c wurden mehrere Auflagen erlassen: Der Protestmarsch durfte nicht bis auf den Vorplatz des Kanzleramts gehen, sondern musste kurz davor stoppen. Untersagt wurden der Einsatz eines Baggers und das \u201eMitf\u00fchren von Leichen\u201c. Wer einen Sarg zur Demo mitbringen wollte, musste diesen vorher in der Gerichtsmedizin \u00fcberpr\u00fcfen lassen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Tats\u00e4chlich lie\u00dfen die Organisatoren vom Zentrum f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit mehrere Holzs\u00e4rge dort untersuchen. Ein Gerichtsmediziner habe sie inspiziert, versicherte der Polizeisprecher: \u201eDa waren keine Leichen drin.\u201c Die Initiative kritisierte die Beh\u00f6rdenauflagen als Eingriff in die \u201eKunstfreiheit\u201c.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Am vergangenen Dienstag erregte die Initiative in Berlin schon einmal Aufmerksamkeit, als sie zur Begr\u00e4bnisfeier auf einen Friedhof lud: Dort wurde nach Angaben der Organisatoren die Leiche einer im Mittelmeer ertrunkenen Syrerin beerdigt.<\/p>\n<h6>\u201e\u00dcberschreiten moralischer Grenze\u201c<\/h6>\n<p class=\"article even\">Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck rief die Deutschen am Samstag zu mehr \u201eOffenheit f\u00fcr das Leid des Anderen\u201c auf. Am ersten deutschen Gedenktag f\u00fcr die Opfer von Flucht und Vertreibung warb er um mehr Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Bei der zentralen Gedenkfeier im Historischen Museum in Berlin sagte Gauck: \u201eIch w\u00fcnschte, die Erinnerung an die gefl\u00fcchteten und vertriebenen Menschen von damals k\u00f6nnte unser Verst\u00e4ndnis f\u00fcr gefl\u00fcchtete und vertriebene Menschen von heute vertiefen. Auf eine ganz existenzielle Weise geh\u00f6ren sie n\u00e4mlich zusammen \u2013 die Schicksale von damals und die Schicksale von heute.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Die Bundesregierung hatte im vergangenen Jahr den 20. Juni zum Gedenktag f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Vertriebene erkl\u00e4rt. Er ist zugleich Weltfl\u00fcchtlingstag.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\n<p class=\"article odd\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Protest-gegen-Fluechtlingspolitik\/!5205543\/\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Quelle: taz<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5.000 Demonstranten nehmen an der Bestattungsaktion des \u201eZentrums f\u00fcr Politische Sch\u00f6nheit\u201c teil \u2013 und st\u00fcrmen das Feld vor dem Bundestag. &nbsp; BERLIN taz | Der Zaun f\u00e4llt, als w\u00e4re er eine Streichholzkonstruktion. Kein Wunder, schlie\u00dflich handelt es sich nicht um eine Polizeiabsperrung, sondern um einen Schutzzaun des Gr\u00fcnfl\u00e4chenamts f\u00fcr den Rasen vor dem Reichstag. 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