{"id":783,"date":"2015-05-21T07:29:58","date_gmt":"2015-05-21T07:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=783"},"modified":"2015-05-21T07:29:58","modified_gmt":"2015-05-21T07:29:58","slug":"fluechtlinge-in-libyen-die-vergessene-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/fluechtlinge-in-libyen-die-vergessene-katastrophe\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge in Libyen: Die vergessene Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">In Nordafrika sorgen die EU-Pl\u00e4ne, mit Schleuserschiffen rabiat umzugehen, f\u00fcr Kopfsch\u00fctteln. Die Helfer dort haben andere Sorgen.<\/span><\/p>\n<p class=\"article\">TRIPOLIS <em>taz<\/em> | Im B\u00fcrogeb\u00e4ude des Roten Halbmonds herrscht f\u00fcr das Libyen dieser Tage ungewohnte Stille und Betriebsamkeit. Dutzende Freiwillige packen Kartons und planen Eins\u00e4tze. Doch die ansonsten vorherrschenden Diskussionen \u00fcber die politische Spaltung im Land fallen aus. \u201eWir sind strikt neutral in diesem B\u00fcrgerkrieg, der mittlerweile sogar unsere Familien spaltet\u201c, sagt die Chefin Hania Adieg.<\/p>\n<p class=\"article even\">Drei Jeeps sind ihren Teams f\u00fcr die Zweimillionenstadt Tripolis geblieben. Der Rote Halbmond sammelt die angeschwemmten Leichen von den Str\u00e4nden und besucht die vier gro\u00dfen Aufnahmelager f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Mit den steigenden Temperaturen wird die Lage f\u00fcr die mehr als 5.000 dort Inhaftierten immer dramatischer. \u201eSchwangere Frauen und auf der Reise durch ganz Libyen Erkrankte oder Verletzte m\u00fcssen meist ohne \u00e4rztliche Versorgung auskommen\u201c, sagt Adieg. Dem Roten Halbmond geht das Geld aus, selbst f\u00fcr Matratzen suchen ihre Mitarbeiter an Wochenenden nach Sponsoren. \u201eBei mir hat in den letzten zwei Jahren niemand aus Europa angerufen\u201c, sagt die 43-J\u00e4hrige verst\u00e4ndnislos.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Seit die ausl\u00e4ndischen Diplomaten und Hilfsorganisationen Tripolis im Sommer 2014 aus Angst vor \u00dcbergriffen verlassen haben, sind die Helfer den zahlreichen Milizen schutzlos ausgeliefert. Nur \u00fcber pers\u00f6nliche Kontakte k\u00f6nne man noch halbwegs sicher arbeiten, sagt der 28-j\u00e4hrige Ahmed al-Giasch. Mit Warnsch\u00fcssen hatten Unbekannte am Vorabend versucht, den Medizinstudenten und vier Kollegen zu hindern, drei angeschwemmte Tote vom Strand zu bergen. \u201eDie Schmugglermilizen schie\u00dfen auf jeden, der sich ihnen n\u00e4hert\u201c, kommentiert er die EU-Pl\u00e4ne, deren Boote an Land zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"article even\">Auch Colonel Taufik al-Skir von der K\u00fcstenwache in Misrata macht sich Sorgen. Zunehmend w\u00fcrden selbst die Marinesoldaten angegriffen. \u201eWenn wir Fl\u00fcchtlingsboote zur\u00fcck an den Strand bringen, fordern die Schmuggler mit vorgehaltener Waffe die je 3.000 Euro teuren Motoren zur\u00fcck\u201c, so al-Skir.<\/p>\n<h6>Menschenhandel ist Haupteinnahmequelle<\/h6>\n<p class=\"article odd\">In Zeiten leerer Staatskassen verschwimmen die Grenzen zwischen Miliz und Mafia. Rund 7.500 Libysche Dinar \u2013 aktuell etwa 3.700 Euro \u2013 verdient ein Fahrerteam aus jungen Tobu und Tuareg pro Jeep-Tour, von Agadez im Niger bis Sebha im S\u00fcden Libyens. Jeden Montag startet ein Konvoi aus rund 40 Jeeps mit bis zu 30 Migranten pro Auto. Seit der \u00d6lexport stagniert, ist der Handel mit Waffen, Drogen und Menschen die Haupteinnahmequelle der Milizen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Freiwilligen vom Roten Halbmond k\u00fcmmern sich nicht nur um diesen Menschenstrom aus der Sahara, sondern auch um die 400.000 Libyer, die seit dem Sommer ihre Heimat verlassen haben. \u201eWir ben\u00f6tigen keine Kriegsschiffe aus Europa, sondern erst einmal humanit\u00e4re Hilfe\u201c, sagen der Marinekommandant und die Leiterin der Freiwilligen \u00fcbereinstimmend.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Nur ein Fischer im Hafen von Tripolis kann den EU-Schiffen etwas Positives abgewinnen. Das Seegebiet vor der Stadt ist Umschlagplatz f\u00fcr Drogen und Waffen, auch der Islamische Staat aus Sirte sei dort aktiv, sagt der Fischer. \u201eVielleicht sollte Europa damit anfangen, den Schmuggel nach Libyen zu stoppen, mit dem der Konflikt angeheizt wird.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">\n<p class=\"article odd\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Fluechtlinge-in-Libyen\/!160120\/\" target=\"_blank\">taz<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Nordafrika sorgen die EU-Pl\u00e4ne, mit Schleuserschiffen rabiat umzugehen, f\u00fcr Kopfsch\u00fctteln. Die Helfer dort haben andere Sorgen. TRIPOLIS taz | Im B\u00fcrogeb\u00e4ude des Roten Halbmonds herrscht f\u00fcr das Libyen dieser Tage ungewohnte Stille und Betriebsamkeit. Dutzende Freiwillige packen Kartons und planen Eins\u00e4tze. 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