{"id":245,"date":"2014-01-01T09:42:19","date_gmt":"2014-01-01T09:42:19","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=245"},"modified":"2014-06-21T09:48:59","modified_gmt":"2014-06-21T09:48:59","slug":"fehlende-versorgung-langes-warten-auf-den-pflegebuggy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/fehlende-versorgung-langes-warten-auf-den-pflegebuggy\/","title":{"rendered":"Fehlende Versorgung; Langes Warten auf den Pflegebuggy"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Pflegebed\u00fcrftige Fl\u00fcchtlingskinder m\u00fcssen oft monatelang auf die Hilfen warten, die sie brauchen. Unterbesetzte \u00c4mter sind ein Grund.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Es f\u00e4llt Frau Z. sichtlich schwer, Kritik zu \u00fcben an dem Land, das sie und ihre Kinder aufgenommen hat. \u201eBedanken\u201c m\u00f6chte sie sich zuerst bei Deutschland, sagt die Enddrei\u00dfigern, die in der Kochnische ihres Zimmers im Fl\u00fcchtlingswohnheim Tee aufsetzt: \u201eWir haben Essen und ein Dach \u00fcber dem Kopf.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Vor einem Jahr fl\u00fcchtete Frau Z. mit ihren zwei Kindern, Hisham* (13) und Azize* (4), aus ihrer Heimat. Der Krieg im Kaukasus hat ihr Leben ver\u00e4ndert. Im Winter 2001 hatte sich die Familie im Keller ihres Wohnhauses vor Bomben verstecken m\u00fcssen. 14 Tage harrten sie dort aus. Hisham erkrankte dabei und fiel zwei Monate ins Koma. Als er erwachte, waren seine Arme und Beine gel\u00e4hmt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Gel\u00e4hmt ist der Junge bis heute. Er leidet an epileptischen Anf\u00e4llen und Schluckst\u00f6rungen, beim Essen besteht Erstickungsgefahr. Hisham braucht Hilfe rund um die Uhr.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Barrieren im Wohnheim<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Kein Problem in Deutschland \u2013 sollte man meinen. Doch in Berlin kam die Familie zun\u00e4chst in ein Wohnheim, das nicht barrierefrei war. Wollte Frau Z. mit ihrem Sohn ins Gemeinschaftsbad, musste sie den 13-J\u00e4hrigen treppauf tragen. Zu Beh\u00f6rdenterminen nahm sie ihn im Kinderwagen der kleinen Schwester mit. Eine Kinder\u00e4rztin brachte die Familie in Kontakt mit \u201eMenschenkind\u201c, der Fachstelle f\u00fcr pflegebed\u00fcrftige Kinder des Humanistischen Verbands.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">So stie\u00df Benita Eisenhardt auf Hisham. Sie ist Expertin im Aufbau von Netzwerken f\u00fcr betroffene Kinder. Doch im Fall Hisham stie\u00df sie an ungekannte Grenzen. \u201eMonatelang\u201c, so Eisenhardt, seien Antr\u00e4ge auf Hilfe unbearbeitet geblieben, telefonische Nachfragen blieben unbeantwortet. Eine kurzzeitig bewilligte Pflegehilfe sei bald wieder abberufen worden. Bis heute, fast ein Jahr nach seiner Einreise, ist Hisham nicht ausreichend versorgt. \u201eWir dachten, so etwas sei nicht m\u00f6glich in Deutschland\u201c, fasst Eisenhardt zusammen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Doch Hisham ist kein Einzelfall: 42 F\u00e4lle betroffener Kinder und Jugendlicher, die teils monatelang vergeblich auf Hilfe warten, trugen allein die TeilnehmerInnen eines Fachaustauschs zusammen, zu dem \u201eMenschenkind\u201c nach der Erfahrung mit Hisham im Dezember eingeladen hatte. Mitarbeiter von Fl\u00fcchtlingswohnheimen, Jugend\u00e4mtern und Gesundheitsdiensten, Beratungsstellen und Behindertenbeauftragte nahmen daran teil. Da nicht alle mit dem Problem befassten Stellen vertreten waren, k\u00f6nne die Zahl auch noch h\u00f6her liegen, so Eisenhardt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Ein Grund f\u00fcr die Probleme bei der Versorgung chronisch kranker oder behinderter Fl\u00fcchtlingskinder sei, \u201edass die Bearbeitungszeit f\u00fcr die Bewilligung notwendiger Hilfen sich oftmals \u00fcber Monate hinzieht\u201c, hei\u00dft es in der Dokumentation des Fachgespr\u00e4chs. Dies liege unter anderem an der \u00dcberlastung der MitarbeiterInnen der Leistungsstelle f\u00fcr Asylsuchende im Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Zudem sei die Kommunikation zwischen den beteiligten Stellen oft schwierig und langsam: Auch bei den bezirklichen Gesundheitsdiensten etwa fehle es an Personal.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Ein weiteres Handicap, das die Fachleute feststellten, ist der Mangel an ausreichend breitem Fachwissen: Wer sich mit Asylrecht auskenne, wisse oft nichts \u00fcber Pflege \u2013 und umgekehrt. Auch ist der Rechtsanspruch von Kindern wie Hisham auf Hilfe schwammig formuliert. Bei Fl\u00fcchtlingen im Asylverfahren haben Sachbearbeiter Ermessensspielraum \u2013 etwa in der Beurteilung, welche Hilfsmittel \u201eunabdingbar notwendig\u201c sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Besonders schutzbed\u00fcrftig<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u201eEigentlich m\u00fcssten pflegebed\u00fcrftige Kinder schon beim ersten Gespr\u00e4ch im LAGeSo in ein besonderes Verfahren aufgenommen werden\u201c, sagt Benita Eisenhardt \u2013 damit sie etwa direkt in barrierefreie Wohnheime und in Kontakt mit Beratungsstellen kommen. Denn als Minderj\u00e4hrige und Kranke geh\u00f6ren sie gleich doppelt zu den \u201ebesonders schutzbed\u00fcrftigen Fl\u00fcchtlingen\u201c. Tats\u00e4chlich hat Berlin f\u00fcr behinderte Fl\u00fcchtlinge sogar eine Fachstelle eingerichtet: Doch auch die ist unterbesetzt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Es sind deshalb vor allem drei Forderungen, die Benita Eisenhardt und die TeilnehmerInnen des Fachgespr\u00e4chs stellen: Einzelfallmanager f\u00fcr die betroffenen Kinder, ein funktionierendes Hilfenetzwerk und ausreichend Personal in den beteiligten Beratungs- und Bewilligungsstellen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Hisham bekommt mittlerweile Physiotherapie und hygienische Hilfsmittel. Ein Pflegebuggy f\u00fcr seine Mobilit\u00e4t wurde zwar zur Verf\u00fcgung gestellt, die Kosten\u00fcbernahme dann aber abgelehnt. Seine Mutter ist heute voll Bewunderung dar\u00fcber, wie gut sich der deutsche Staat um Behinderte k\u00fcmmert. Aber sie wei\u00df auch um die Unterschiede, die er macht: \u201eWer hier Staatsb\u00fcrger ist, darf sich gl\u00fccklich sch\u00e4tzen\u201c, sagt Frau Z. Sch\u00f6n w\u00e4re es, f\u00fcgt sie hinzu, \u201ewenn auch behinderte Fl\u00fcchtlingskinder mehr Aufmerksamkeit bek\u00e4men.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">*Namen ge\u00e4ndert<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><em>Source: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Fehlende-Versorgung\/!130229\/\" target=\"_blank\">taz.de<\/a><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pflegebed\u00fcrftige Fl\u00fcchtlingskinder m\u00fcssen oft monatelang auf die Hilfen warten, die sie brauchen. Unterbesetzte \u00c4mter sind ein Grund. 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