{"id":2430,"date":"2025-08-12T12:14:52","date_gmt":"2025-08-12T12:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=2430"},"modified":"2025-08-12T12:14:52","modified_gmt":"2025-08-12T12:14:52","slug":"kinder-wohnungslosigkeit-in-berlin-jung-und-ohne-aussicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/kinder-wohnungslosigkeit-in-berlin-jung-und-ohne-aussicht\/","title":{"rendered":"Kinder-Wohnungslosigkeit in Berlin: Jung und ohne Aussicht"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 15.000 Minderj\u00e4hrige in Berlin sind wohnungslos \u2013 Tendenz steigend. Der Kinderschutzbund fordert Ma\u00dfnahmen, die Gr\u00fcnen einen Systemwechsel.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\">Der Kinderschutzbund Berlin fordert angesichts der gestiegenen Zahlen von wohnungslosen Kindern und Jugendlichen eine sofortige Landesinitiative, um Minderj\u00e4hrige zu sch\u00fctzen. \u201eDas Recht auf Wohnen ist ein Menschenrecht und gilt insbesondere f\u00fcr Kinder, Jugendliche und deren Familien\u201c, sagt Sabine Bresche, Koordinatorin der Beratungsstelle des Kinderschutzbundes Berlin, am Montag. Ohne einen gesch\u00fctzten und sicheren Ort drohe jungen Menschen \u201eein Aufwachsen in st\u00e4ndiger Unsicherheit, was auf die gesamte Entwicklung massive Auswirkungen haben kann\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\">Laut einer Antwort der Senatssozialverwaltung auf eine Anfrage des Gr\u00fcnen-Abgeordneten Taylan Kurt waren Ende Januar dieses Jahres 15.710 Menschen unter 18 Jahren als Wohnungslose untergebracht. Damit ist fast ein Drittel aller Wohnungslosen in Berlin minderj\u00e4hrig. Hinzu kommen verdeckt wohnungslose und obdachlose Minderj\u00e4hrige.<\/p>\n<div class=\"column is-12 pv-0 mgt-0 webelement-wrapper webelement_adzone webelement-pos-2 mobile-order-3\" data-pos=\"2\" data-for=\"webelement_adzone\"><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\">Als wohnungslos gilt, wer keinen eigenen Wohnraum hat und in Notunterk\u00fcnften, bei Freun\u00add*in\u00adnen oder Bekannten oder auf der Stra\u00dfe lebt. In Berlin gab es im vergangenen Jahr insgesamt rund 47.000 untergebrachte wohnungslose Menschen, 6.000 Obdachlose und 2.300 verdeckte Wohnungslose.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\">Als wohnungslos z\u00e4hlen auch sogenannte statusgewandelte Gefl\u00fcchtete, also Menschen, die Asyl oder eine Duldung bekommen haben, aber aufgrund des angespannten Wohnungsmarkts und\/oder rassistischer Diskriminierung keine eigene Wohnung finden und in Gefl\u00fcchtetenunterk\u00fcnften leben m\u00fcssen. Das betrifft 12.612 Minderj\u00e4hrige, wie die Sozialverwaltung auf taz-Anfrage mitteilt.<\/p>\n<h2 id=\"teils-keine-kinderschutzkonzepte\" class=\"typo-r-subhead headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-6\">Teils keine Kinderschutzkonzepte<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\">Die Zahl der wohnungslosen Kinder und Jugendlichen in der Hauptstadt steigt seit Jahren rasant an. So waren es im Jahr 2022 noch 6.205. Innerhalb von drei Jahren ist ihre Zahl also um mehr als 150 Prozent gestiegen. Im Vergleich zu 2024 sind es rund 15 Prozent mehr.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\">Dass der schwarz-rote Senat trotz der steigenden Zahlen keine konkreten Sofortma\u00dfnahmen ergriffen hat, ist aus Sicht des Kinderschutzbundes nicht nachvollziehbar. \u201eWohnungslosigkeit unter Kindern ist kein Zufall. Das Ignorieren dieser dramatischen Situation ist strukturelle Gewalt gegen Kinder und deren Familien\u201c, so Bresche.<\/p>\n<div class=\"column is-12 pv-0 mgt-0 webelement-wrapper webelement_adzone webelement-pos-7 mobile-order-10\" data-pos=\"7\" data-for=\"webelement_adzone\"><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\">Was es jetzt brauche, sei \u201esofortiges Handeln, um den Kinderschutz zu gew\u00e4hrleisten\u201c. Dazu geh\u00f6rten neben einem beschleunigten Ausbau des sozialen Wohnraums f\u00fcr Familien die Einrichtung von \u00dcbergangswohnungen, pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen gegen Wohnungsverlust sowie die Umsetzung von Kinderschutzkonzepten in allen Notunterk\u00fcnften, in denen Familien untergebracht werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\">Denn f\u00fcr Minderj\u00e4hrige, die nicht in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften des Landes Berlin, sondern in bezirklichen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) untergebracht sind, gibt es nicht zwangsl\u00e4ufig Kinderschutzkonzepte, geschweige denn familien- beziehungsweise kindgerechte Unterkunftspl\u00e4tze. Zwar wurden im vergangenen Jahr seitens der Bezirke Mindeststandards mit den externen Tr\u00e4gern vereinbart, die solche Konzepte vorsehen. Diese werden laut Senat aber erst \u201esukzessive umgesetzt\u201c.<\/p>\n<h2 id=\"gemeinwohlorientiertes-system-k-nnte-helfen\" class=\"typo-r-subhead headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-13\">Gemeinwohlorientiertes System k\u00f6nnte helfen<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\">Laut Taylan Kurt von den Gr\u00fcnen geht das bei weitem nicht schnell genug. Dabei dr\u00e4ngt die Zeit. Denn angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum und der politischen Agenda der schwarz-roten Landesregierung werden auf absehbare Zeit nicht ausreichend erschwingliche Wohnungen f\u00fcr Familien entstehen, das Problem wird sich damit k\u00fcnftig noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<div class=\"column is-12 pv-0 mgt-0 webelement-wrapper webelement_adzone webelement-pos-11 mobile-order-15\" data-pos=\"11\" data-for=\"webelement_adzone\"><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\">Kurt fordert daher Mindeststandards f\u00fcr Kinder und Jugendliche in den Unterk\u00fcnften wie Aufenthalts- und Lernr\u00e4ume. \u201eDie extrem beengten Verh\u00e4ltnisse von Notunterk\u00fcnften sind f\u00fcr die Entwicklung nicht f\u00f6rderlich\u201c, so Kurt zur taz. Das wirke sich auch auf die Schule aus. \u201eDie Kinder haben keinen Ort, wo sie ihre Hausaufgaben machen k\u00f6nnen.\u201c Auch psychische Probleme seien die Folge.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\">Das kostet allerdings Geld \u2013 das der Senat nicht hat. N\u00f6tig sei daher ein grundlegender Wandel der Unterbringung. \u201eDas gesamte System geh\u00f6rt reformiert\u201c, sagt Kurt. \u201eNotunterk\u00fcnfte sind eine Gelddruckmaschine f\u00fcr Spekulanten und Investoren.\u201c Es d\u00fcrfe nicht sein, dass mit Wohnungslosigkeit Geld verdient wird. Stattdessen brauche es ein gemeinwohlorientiertes System der Unterbringung. W\u00fcrden Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe von sozialen Tr\u00e4gern gef\u00fchrt, k\u00f6nnten diese die Gewinne ins System reinvestieren, statt dass sich gewinnorientierte private Betreiber die eigenen Taschen voll machen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-19\">Daran wird sich aber so schnell nichts \u00e4ndern. Derzeit arbeitet der Senat zwar an einem Gesetz zur gesamtst\u00e4dtischen Steuerung der Unterbringung, mit dem einheitliche und bessere Standards gelten sollen. Am System der privaten Betreiber wird sich dadurch aber nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<h2 id=\"mangel-an-frauenh-usern-versch-rft-das-problem\" class=\"typo-r-subhead headline  column pv-0  is-8-tablet mgh-auto-tablet  mobile-order-20\">Mangel an Frauenh\u00e4usern versch\u00e4rft das Problem<\/h2>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\">Ein weiteres Problem bei der Unterbringung von Kindern und Jugendlichen ist der Mangel an Frauenh\u00e4usern. Da diese wegen \u00dcberf\u00fcllung immer wieder Schutzsuchende abweisen m\u00fcssen, landen die Familien ebenfalls in der Wohnungslosenhilfe.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\">In Berlin gibt es acht Frauenh\u00e4user, weitaus weniger als vorgeschrieben. Laut geltender Istanbul-Konvention br\u00e4uchte die Hauptstadt rund 920 Schutzpl\u00e4tze. Insgesamt gibt es gerade mal die H\u00e4lfte. Die Kinder und Jugendlichen, die in Frauenh\u00e4usern leben, sind nicht in der Wohnungslosenstatistik enthalten und kommen noch obendrauf. Da Frauen und Familien angesichts des Wohnungsmangels immer l\u00e4nger in den Frauenh\u00e4usern bleiben m\u00fcssen, sind auch ihre Aussichten prek\u00e4r.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Kinder-Wohnungslosigkeit-in-Berlin\/!6102886\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 15.000 Minderj\u00e4hrige in Berlin sind wohnungslos \u2013 Tendenz steigend. Der Kinderschutzbund fordert Ma\u00dfnahmen, die Gr\u00fcnen einen Systemwechsel. 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