{"id":2386,"date":"2025-04-16T10:44:32","date_gmt":"2025-04-16T10:44:32","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=2386"},"modified":"2025-04-16T10:44:32","modified_gmt":"2025-04-16T10:44:32","slug":"abschaffung-von-legalen-fluchtrouten-in-richtung-abschottung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/abschaffung-von-legalen-fluchtrouten-in-richtung-abschottung\/","title":{"rendered":"Abschaffung von legalen Fluchtrouten: In Richtung Abschottung"},"content":{"rendered":"<p>Die Finanzverwaltung blockiert die Aufnahmeregelung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge mit Verwandten in Berlin \u2013 de facto das Ende des letzten Landesaufnahmeprogrammes.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\">Die Begrenzung der Migration steht derzeit in Berlin und bundesweit hoch im Kurs. Eine kleine Anfrage des Gr\u00fcnen-Abgeordneten Jian Omar zeigt: Selbst die Fortf\u00fchrung eines f\u00fcr den Senat fast kostenfreien Aufnahmeprogrammes wird seit Ende 2024 blockiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\">Es handelt sich um die \u201eAufnahmeregelung f\u00fcr afghanische, syrische und irakische Fl\u00fcchtlinge mit Verwandten in Berlin\u201c. Sie erm\u00f6glichte es bis Ende vorigen Jahres Menschen mit Hauptwohnsitz in Berlin, bereits geflohene Verwandte oder Ehe\u00adpart\u00adne\u00adr*in\u00adnen nach Berlin nachzuholen.<\/p>\n<div class=\"column is-12 pv-0 mgt-0 webelement-wrapper webelement_adzone webelement-pos-2 mobile-order-3\" data-pos=\"2\" data-for=\"webelement_adzone\"><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\">\u201eSeit dem 1. Januar 2025 liegt das Programm nun v\u00f6llig auf Eis\u201c, sagt Jian Omar, fl\u00fcchtlingspolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen-Fraktion. \u201eInsbesondere die CDU-gef\u00fchrte Senatsverwaltung f\u00fcr Finanzen blockiert die Verl\u00e4ngerung des Programms aus ideologischen Gr\u00fcnden.\u201c<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\">Seit Monaten verweigere die Senatsverwaltung die Zustimmung zur Fortf\u00fchrung unter Berufung auf \u201eoffene Fragen\u201c. Diese Fragen wurden aber laut Senatsinnenverwaltung l\u00e4ngst beantwortet. Der taz liegt ein internes Schreiben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) an den Finanzsenator Stefan Evers (CDU) vor, das auf den 19. M\u00e4rz datiert ist. Aus ihm geht hervor, dass sich Sprangers Haus bereits seit dem 8. Juni 2024 um die Fortf\u00fchrung der Landesaufnahmeregelung bem\u00fcht. Vier mal hatten sich Spranger und ihr Staatssekret\u00e4r Christian Hochgrebe bereits mit der Bitte um Einwilligung zur Programmfortf\u00fchrung an die Finanzverwaltung gewendet. Eine Antwort der Finanzverwaltung steht weiterhin aus. Mit der Beantwortung der Anfrage sei nach den Oster\u00adferien zu rechnen, so die Finanzverwaltung zur taz. Die \u201eoffenen Fragen\u201c blieben bestehen. Konkret geht es um die Frage der Finanzierung. Jian Omar kritisiert, dass das eine \u201evorgeschobene Hinhaltetaktik\u201c sei. Bis auf die Krankenversicherung verursache das Programm keine Kosten f\u00fcr das Land. Das best\u00e4tigte auch die Sprecherin der Senats\u00adinnenverwaltung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-6\">Vor einem m\u00f6glichen Visums\u00adantrag ihrer Verwandten mussten die Antragstellenden beweisen, dass sie finanziell f\u00fcr ihre Fa\u00admi\u00adli\u00aden\u00admit\u00adglie\u00adder*in\u00adnen sorgen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem verpflichteten sie sich, s\u00e4mtliche Kosten f\u00fcr den Aufenthalt ihrer Verwandten inklusive Unterbringung zu \u00fcbernehmen. Au\u00dferdem wurden die ankommenden Gefl\u00fcchteten im Vorfeld eingehend \u00fcberpr\u00fcft \u2013 sowohl das Landesamt f\u00fcr Einwanderung (LEA) als auch die Deutsche Botschaft im Aufenthaltsland der Verwandten mussten der Aufnahme zustimmen. \u201eDieses Programm macht wirklich Sinn\u201c, sagt Jian Omar.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\">Kritik kommt auch von Nicolay B\u00fcttner vom Berliner Netzwerk f\u00fcr besonders schutzbed\u00fcrftige gefl\u00fcchtete Menschen (BNS): \u201eDie CDU versucht seit L\u00e4ngerem, alle M\u00f6glichkeiten zur legalen Zuwanderung zu beenden\u201c, sagt er. Mit der Blockierung der Berliner Aufnahmeregelung f\u00fcr Verwandte wird nun seit Monaten auch das letzte aktive Landesaufnahmeprogramm in ganz Deutschland ausgebremst.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\">Auch im <a class=\"link in-text-link\" href=\"https:\/\/taz.de\/Zivilgesellschaftliche-Foerderung-bedroht\/!6079058\/\">Koalitionsvertrag des Bundes<\/a> zwischen Union und SPD wurde die Einstellung aller freiwilligen Bundesaufnahmeprogramme vereinbart. Diese Entwicklung sei wenig \u00fcberraschend, sagt B\u00fcttner. Dass der zivilgesellschaftliche Aufschrei ausgeblieben sei, schockiere ihn jedoch. \u201eEs geht um Berliner*innen, die ihre Verwandten zu sich holen wollen.\u201c<\/p>\n<div class=\"column is-12 pv-0 mgt-0 webelement-wrapper webelement_adzone webelement-pos-7 mobile-order-9\" data-pos=\"7\" data-for=\"webelement_adzone\"><\/div>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\">Im Jahr 2024 hatten 1.662 Menschen beim LEA eine Interessenbekundung zur Aufnahme von Verwandten abgegeben. Nur an 523 von ihnen wurde eine Vorabzustimmung zwecks Visumserteilung vergeben.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Diskrepanz sind laut Sprecherin der Innensenatsverwaltung vielf\u00e4ltig. Einige Menschen w\u00fcrden die Kriterien nicht erf\u00fcllen, beispielsweise lebten sie noch an ihren Heimatorten oder seien bereits in sichere Staaten geflohen. In anderen F\u00e4llen h\u00e4tten die Berliner Antragstellenden die finanziellen Voraussetzungen nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Gleichzeitig, so die Sprecherin, h\u00e4tten auch nicht alle Antragstellenden im Jahr 2024 einen Termin beim LEA bekommen.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\">\u201eEs gibt gro\u00dfe H\u00fcrden bei der Antragstellung\u201c, erkl\u00e4rt Jian Omar. Das gr\u00f6\u00dfte Problem sei, dass die Sach\u00adbe\u00adar\u00adbei\u00adte\u00adr*in\u00adnen des LEA und der Deutschen Botschaft den Grad der \u201eNot und Bedr\u00e4ngnis\u201c der Verwandten feststellen m\u00fcssten. Dies w\u00fcrde zu teilweise willk\u00fcrlichen Ablehnungen f\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-13\">So etwa bei Jenny L. Die junge Frau erz\u00e4hlt der taz, sie habe beim LEA eine Verpflichtungserkl\u00e4rung abgegeben, um f\u00fcr den Bruder ihres syrischen Partners zu b\u00fcrgen. Seit Kriegsausbruch in Syrien habe ihr Partner versucht den Bruder aus Syrien nach Deutschland zu holen. \u201eDoch alle Versuche sind gescheitert\u201c.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\">In ihrem Fall lag es an der falschen Verpflichtungserkl\u00e4rung. Als Grund f\u00fcr den Antrag hatte L. \u201eArbeitsaufnahme\u201c angegeben.F\u00fcr die Sachbearbeiterin beim LEA war das ein Ausdruck fehlender \u201eNot und Bedr\u00e4ngnis\u201c. Als L. den Fehler korrigierte, sei es schon zu sp\u00e4t gewesen: der Antrag wurde abgelehnt. Dass der Bruder ihres Partners schon vor Jahren vor dem syrischen Milit\u00e4rdienst in den Libanon geflohen ist, war pl\u00f6tzlich nicht mehr relevant. \u201eEs war deutlich, dass die Aufnahme nicht gewollt ist\u201c, sagt L.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\">Auf der Website des LEA ist die Aufnahmeregelung noch zu finden. Unten auf der Seite steht, Visumantr\u00e4ge m\u00fcssten bis zum 31.12.2024 gestellt werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\">Jian Omar kritisiert: \u201eMigrationspolitisch bewegt sich unser Land in Richtung Abschottung.\u201c Wenn man die sogenannte illegale Migration beenden wolle, brauche es Alternativen, wie die Bundes- und Landesaufnahmeregelungen, meint er. \u201eAber diese will man nun stoppen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Abschaffung-von-legalen-Fluchtrouten\/!6079196\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzverwaltung blockiert die Aufnahmeregelung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge mit Verwandten in Berlin \u2013 de facto das Ende des letzten Landesaufnahmeprogrammes. 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