{"id":2334,"date":"2024-10-12T13:36:23","date_gmt":"2024-10-12T13:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=2334"},"modified":"2024-10-12T13:43:37","modified_gmt":"2024-10-12T13:43:37","slug":"offener-brief-zur-asylrechtsdebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/offener-brief-zur-asylrechtsdebatte\/","title":{"rendered":"Offener Brief zur Asylrechtsdebatte"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Vielfalt st\u00e4rkt uns: Gegen die Instrumentalisierung der Migrations-\u201cDebatte\u201d<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Deutschland ist ein Land mit einer tief verwurzelten Migrationsgeschichte. \u00dcber 20 Millionen<br \/>\nMenschen mit Migrationshintergrund leben hier. Diese Vielfalt stellt eine enorme St\u00e4rke dar,<br \/>\ndoch die gegenw\u00e4rtige Diskussion \u00fcber die Versch\u00e4rfung des Asylrechts und die<br \/>\nWiedereinf\u00fchrung von Grenzkontrollen verengt den Blick und versucht gezielt eine<br \/>\nZuspitzung, um fundamentale Grundrechte in Frage zu stellen. Sie stellt nicht nur eine<br \/>\nBelastung f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen dar, sondern gef\u00e4hrdet auch den sozialen<br \/>\nZusammenhalt und lenkt von den wirklichen Herausforderungen ab.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Fakten statt Angst<\/strong><\/span><br \/>\nImmer wieder wird behauptet, dass eine Versch\u00e4rfung des Asylrechts notwendig sei, um<br \/>\neine angebliche Zunahme der Kriminalit\u00e4t und eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit<br \/>\nzu bek\u00e4mpfen. Diese Argumentation ignoriert jedoch die Realit\u00e4t. Statistiken zeigen, dass<br \/>\ndie Mordrate in Deutschland seit 1993 kontinuierlich gesunken ist und sich aktuell auf dem<br \/>\nniedrigsten Stand seit Jahrzehnten befindet. Diese Zahlen widerlegen die oft ge\u00e4u\u00dferten<br \/>\nSicherheitsbedenken im Zusammenhang mit Migration.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus zeigt die Realit\u00e4t, dass Migration grunds\u00e4tzlich eine Bereicherung f\u00fcr unsere Gesellschaft darstellt, wenn gesellschaftliche Teilhabe effektiv gestaltet wird. Migrant*innen tragen zur kulturellen Vielfalt, zum wirtschaftlichen Wachstum und zu einem dynamischen sozialen Gef\u00fcge bei. Die Vorstellung, dass Migration eine Belastung ist, \u00fcbergeht die zahlreichen positiven Beitr\u00e4ge und den gesellschaftlichen Mehrwert, den Migrant*innen leisten. Die Achtung des Grundrechts auf Asyl ist eine wichtige S\u00e4ule einer demokratischen Gesellschaft.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Ablenkung von echten Problemen<\/strong><\/span><br \/>\nDie aktuelle politische Diskussion lenkt von den tats\u00e4chlichen Herausforderungen ab, die<br \/>\nunsere Gesellschaft betreffen. Die Defizite in unserem Bildungssystem, der Infrastruktur und der medizinischen Versorgung sind das Ergebnis jahrelanger Vernachl\u00e4ssigung und<br \/>\nEinsparungen. Schulen sind \u00fcberlastet, der Zugang zu hochwertiger Bildung ist ungleich<br \/>\nverteilt. L\u00e4ndliche Regionen k\u00e4mpfen mit unzureichender medizinischer Versorgung, und<br \/>\ndas Gesundheitssystem hat \u00fcber Jahre hinweg unter chronischer Unterfinanzierung gelitten.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich stehen wir vor einem massiven Fachkr\u00e4ftemangel, der durch einen<br \/>\nunzureichenden Zugang zu Berufsausbildung und Arbeit von Migrant*innen noch verst\u00e4rkt<br \/>\nwird. Viele der Ressourcen von gut ausgebildeten Migrant*innen werden nicht genutzt, da<br \/>\ndie Zugangsvoraussetzungen gro\u00dfe H\u00fcrden darstellen. Die Verwaltung hat Schwierigkeiten,<br \/>\neffizient mit den Anforderungen umzugehen, nicht wegen der Anzahl der gefl\u00fcchteten<br \/>\nMenschen, sondern wegen einer \u00fcberbordenden B\u00fcrokratie, die die gesellschaftliche<br \/>\nPartizipation behindert.<\/p>\n<p>Ein weiteres dr\u00e4ngendes Problem ist der akute Wohnungsmangel, der besonders sozial<br \/>\nbenachteiligte Menschen betrifft. In vielen St\u00e4dten und Gemeinden stockt der Bau von<br \/>\nSozialwohnungen erheblich, was die Situation f\u00fcr alle, insbesondere f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen, versch\u00e4rft. Der Wohnungsmarkt ist angespannt, und die Nachfrage nach<br \/>\nbezahlbarem Wohnraum \u00fcbersteigt bei weitem das Angebot.<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: 12pt;\">Ein Aufruf zum Handeln<\/span><\/strong><br \/>\nWir stehen an einem kritischen Punkt. Die populistische Rhetorik zur Migration und dem<br \/>\nAsylrecht bedroht nicht nur die Lebensqualit\u00e4t vieler Menschen, sondern gef\u00e4hrdet auch die<br \/>\nGrundlagen unserer Demokratie. Die Diskussion \u00fcber Asylrechtsversch\u00e4rfungen und<br \/>\nGrenzkontrollen dient nicht der L\u00f6sung der tats\u00e4chlichen Probleme, sondern der Ablenkung<br \/>\nvon grundlegenden Missst\u00e4nden, die seit Jahren bestehen.<\/p>\n<p>Es ist an der Zeit, energisch und entschieden aufzustehen! Nicht nur Einzelpersonen, auch<br \/>\nalle bezirklichen und Landesverwaltungen, staatlichen Banken, Nahverkehrsbetriebe,<br \/>\nWohnungsbaugesellschaften, Kindertagesst\u00e4tten und weitere k\u00f6nnen ganz praktisch dazu<br \/>\nbeitragen, dass die Probleme gel\u00f6st werden, statt sie noch zu verschlimmern. Daf\u00fcr m\u00fcssen sie sich gegen diese spaltende und feindliche Rhetorik wenden und sich f\u00fcr eine sachliche, gerechte und humane Politik einsetzen. Sei es, daf\u00fcr zu sorgen, dass auch alle Menschen ein Bankkonto er\u00f6ffnen k\u00f6nnen, ohne welches sie kaum Arbeit oder eine Wohnung finden k\u00f6nnen, sei es Unterst\u00fctzung bei der Kinderbetreuung, der Arbeitserlaubnis, der Suche nach einer Wohnung und vieles mehr. Die Probleme werden durch Entscheidungen und Handlungen gel\u00f6st und nicht durch Ablenkung und Scheindebatten. Unsere Demokratie lebt von Vielfalt und Inklusion. Um diese zu sch\u00fctzen, m\u00fcssen wir uns den echten Herausforderungen stellen \u2013 sei es in der Bildung, der Infrastruktur, der medizinischen Versorgung oder im Wohnungsbau. Wir m\u00fcssen uns auf eine Politik konzentrieren, die auf Fakten basiert und das \u201cAnkommen\u201d und die Unterst\u00fctzung von gefl\u00fcchteten und benachteiligten Menschen beg\u00fcnstigt statt verhindert.<\/p>\n<p>Schlie\u00dfen Sie sich unserem Aufruf an und setzen Sie ein starkes Zeichen f\u00fcr eine<br \/>\nverantwortungsvolle, gerechte und demokratische Politik. Gemeinsam k\u00f6nnen wir f\u00fcr eine<br \/>\nZukunft k\u00e4mpfen, in der Migration als Chance und nicht als Bedrohung gesehen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Unterzeichnende<\/strong><\/span><br \/>\nAllianz Ukrainischer Organisationen e.V.<br \/>\nBund f\u00fcr Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der BRD e. V.<br \/>\nClub Dialog e.V.<br \/>\nDein Almanya \/ Young Global Citizens Assembly e.V.<br \/>\nKulturMarktHalle e.V.<br \/>\nLa Red &#8211; Vernetzung und Integration e.V<br \/>\nMoabit hilft e.V.<br \/>\nMigrationsrat Berlin e.V.<br \/>\nSources-d&#8217;Espoir e.V.<br \/>\nT\u00fcrkischer Bund in Berlin-Brandenburg (TBB)<br \/>\nVerband f\u00fcr interkulturelle Arbeit VIA Regionalverband Berlin\/Brandenburg e.V.<br \/>\nVerein iranischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin e.V.<br \/>\nYekmal e.V.<\/p>\n<p>Diese Organisationen sind Teil der im Entstehen begriffenen Initiative Berlin Polyphon:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.polyphon.berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.polyphon.berlin<\/a><\/p>\n<p>Falls Ihr die Aktion unterst\u00fctzen wollt, beteiligt euch am Hashtag #notlagemenschlichkeit<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielfalt st\u00e4rkt uns: Gegen die Instrumentalisierung der Migrations-\u201cDebatte\u201d Deutschland ist ein Land mit einer tief verwurzelten Migrationsgeschichte. \u00dcber 20 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund leben hier. 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