{"id":2277,"date":"2024-05-13T20:12:13","date_gmt":"2024-05-13T20:12:13","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=2277"},"modified":"2024-05-13T20:12:13","modified_gmt":"2024-05-13T20:12:13","slug":"zustaende-in-massen-notunterkunft-tegel-ein-instrument-der-abschreckung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/zustaende-in-massen-notunterkunft-tegel-ein-instrument-der-abschreckung\/","title":{"rendered":"Zust\u00e4nde in Massen-Notunterkunft Tegel: \u201eEin Instrument der Abschreckung\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Bei einem Fachgespr\u00e4ch sind sich Betroffene und Experten einig, dass die Zust\u00e4nde in der Massenunterkunft Tegel unhaltbar sind. Oder gar gewollt?<\/span><\/p>\n<p class=\"article first odd\">Die Zust\u00e4nde im \u201eAnkunftszentrum Tegel\u201c versto\u00dfen gegen die Menschenrechte. Darin sind sich die Experten und Betroffenen einig, die am Dienstag auf Einladung der Gr\u00fcnen- und der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus zum Fachgespr\u00e4ch \u00fcber die Situation in Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Notunterkunft zusammengekommen sind. Einig sind sie sich auch, dass das vormalige \u201eAnkunftszentrum\u201c, in dem Menschen teils \u00fcber ein Jahr leben, schnellstm\u00f6glich geschlossen werden muss. Doch bis es so weit sei, sagt Bettina Jarasch, die Gr\u00fcnen-Faktionschefin, \u201em\u00fcssen dort Mindeststandards\u201c gelten.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die unhaltbaren Lebensumst\u00e4nde dort sind seit Langem bekannt, einige Beitr\u00e4ge brachten sie aber nochmal eindrucksvoll auf den Punkt. Anna Mogilatenko zum Beispiel pr\u00e4sentierte ein Video, das herumlaufende M\u00e4use zwischen Kinderbetten zeigte. \u201eDas ist auf der Quarant\u00e4nestation!\u201c, betonte sie, also dem Bereich f\u00fcr chronisch Kranke. Weiter zeigte sie Fotos von schmutzigen Toiletten und schimmeligem Brot. Mogilatenkos Verein Sunflower Care k\u00fcmmert sich in ganz Deutschland um Gefl\u00fcchtete mit Behinderungen. Sie sagt: \u201eTegel geh\u00f6rt zu den schlimmsten Einrichtungen im ganzen Land.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Emily Barnickel vom Fl\u00fcchtlingsrat nahm den Faden auf. Wegen Schimmelbrot habe ihr Verein schon vor eineinhalb Jahren eine Anzeige beim Gesundheitsamt gestellt. Das Amt habe daraufhin eine Kontrolle in Tegel gemacht, aber diese vorher angemeldet. \u201eWenig \u00fcberraschend haben sie nichts gefunden.\u201c<\/p>\n<h6>\u201eNie k\u00f6nnen sie helfen\u201c<\/h6>\n<p class=\"article even\">Auch einige Bewohner berichteten: \u201eDas Personal behandelt uns wie Tiere\u201c, sagte ein Mann \u2013 dabei brauche man als Fl\u00fcchtling eigentlich freundliche Zusprache. Er verstehe auch nicht, wie man an diesem Ort Kinder leben lassen k\u00f6nnte: \u201eDort werden Drogen verkauft\u201c \u2013 und die Mitarbeiter w\u00fcrden nichts dagegen tun. Ein anderer, der sich als Alexander vorstellte, erg\u00e4nzte, viele Mitarbeiter in Tegel seien \u201einkompetent\u201c. \u201eNie wissen sie etwas, nie k\u00f6nnen sie helfen\u201c \u2013 egal, ob man frage, wann die Toilette repariert werde oder wann man einen Berater sprechen k\u00f6nne. Auch die Gesundheitsversorgung sei mangelhaft: \u00dcber sechs Monate m\u00fcsse man auf die Krankenkassenkarte warten und k\u00f6nne so lange nicht zum Arzt gehen. Zwar gebe es in Tegel auch einen Arzt, aber der behandele Gefl\u00fcchtete nur in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts. Vielsagend waren auch die zwei Transparente, die die Gefl\u00fcchteten im Saal des Abgeordnetenhauses vor der Besprechung an Tische h\u00e4ngten. \u201eW\u00fcrden Sie wollen, dass dort ihr Kind lebt?\u201c, stand auf dem einen, auf dem anderen: \u201eWir wollen in der Schule lernen und die Kita besuchen. Wir haben das Recht auf Bildung und Entwicklung. Kinder von Tegel\u201c.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Alexandra Bienert von der Allianz Ukrainischer Organisationen, die zuletzt Mitte April in Tegel war und ebenfalls von den unhaltbaren hygienischen und r\u00e4umlichen Zust\u00e4nden berichtete, fasste ihre Beobachtungen so zusammen: \u201eDort gibt es ganz klare Menschenrechtsverletzungen.\u201c Allerdings passten die Bilder von Betroffenen und Fachleuten offenbar nicht mit denen von Politik und Verwaltung zusammen. Bienert berichtete von den Antworten des Gesundheitsamts auf eine Anfrage, in der es um die verschmutzten und oft kaputten Sanit\u00e4ranlagen in Tegel ging. Das Amt habe erwidert, \u201ees gibt einen Hygieneplan, eventuelle M\u00e4ngel werden schnell abgestellt\u201c. Der Tenor: alles in Ordnung.<\/p>\n<p class=\"article even\">Dass Politik und Verwaltung h\u00e4ufig abwiegeln, wenn es um die Probleme in Tegel geht, k\u00f6nnte daran liegen, dass die schlechten Zust\u00e4nde gewollt sind. \u201eTegel ist ein Instrument der Abschreckung\u201c, lautet jedenfalls Barnickels These. \u201eDie Politik will Fl\u00fcchtlinge nur noch am Rande\u201c \u2013 von St\u00e4dten, von Grenzen, von der EU. \u201eExterritoriale Gebiete\u201c seien Tegel und Tempelhof, \u201eaus den Augen, aus dem Sinn\u201c, findet auch Afred Br\u00f6mme, der Koordinator des Senats f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten, der f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge von Tegel neue Heime in den Bezirken bauen soll.<\/p>\n<p class=\"article last odd\">Am fehlenden Geld scheitere eine bessere Unterkunft jedenfalls nicht, betont Jian Omar von den Gr\u00fcnen. 260 Euro koste ein Tag in Tegel pro Person: \u201eDaf\u00fcr k\u00f6nnten sie auch im Luxusloft am Potsdamer Platz wohnen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Zustaende-in-Massen-Notunterkunft-Tegel\/!6006159\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-size: 12pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem Fachgespr\u00e4ch sind sich Betroffene und Experten einig, dass die Zust\u00e4nde in der Massenunterkunft Tegel unhaltbar sind. 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