{"id":2233,"date":"2024-01-22T08:34:37","date_gmt":"2024-01-22T08:34:37","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=2233"},"modified":"2024-01-22T08:34:37","modified_gmt":"2024-01-22T08:34:37","slug":"neues-zentrum-fuer-einbuergerungen-toll-eingebuergert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/neues-zentrum-fuer-einbuergerungen-toll-eingebuergert\/","title":{"rendered":"Neues Zentrum f\u00fcr Einb\u00fcrgerungen: Toll eingeb\u00fcrgert"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Innensenatorin Spranger f\u00fchrt stolz durch die neue Einb\u00fcrgerungsstelle. Alles soll digitaler, schneller, besser werden. Alte Probleme bleiben aber bestehen.<\/span><\/p>\n<p class=\"article first odd\">\u201eDas ist schon was Tolles\u201c, sagt Iris Spranger und deutet auf eine wei\u00dfe Wand, auf der einige bunte Smileys kleben. Daneben stehen, mit Hand und ebenfalls in verschiedenen Farben geschrieben, ein paar sperrige Worte: Aufenthaltszeit, Deutschkenntnisse, Straffreiheit.<\/p>\n<p class=\"article even\">Stolz pr\u00e4sentiert Berlins Innensenatorin (SPD) an diesem Mittwochmorgen den ansonsten noch recht kahlen Besprechungsraum im neuen Einb\u00fcrgerungszentrum im Wedding. Auch zwei Wochen nach dessen Er\u00f6ffnung fehlen in dem Zimmer zwar Tisch und St\u00fchle. Aber die beschreibbare Wand, die ist f\u00fcr Spranger ein Beispiel f\u00fcr \u201emodern gestaltete Verwaltung\u201c in der Zweigstelle des Landesamts f\u00fcr Einwanderung (LEA).<\/p>\n<p class=\"article odd\">Seit Anfang des Jahres sind in Berlin nicht mehr die Bezirke f\u00fcr Einb\u00fcrgerungen zust\u00e4ndig, sondern das LEA. Daf\u00fcr wurde eine neue Abteilung innerhalb der Beh\u00f6rde gegr\u00fcndet, die nun die R\u00e4ume in der Sellerstra\u00dfe bezogen hat. Gemeinsam mit LEA-Chef Engelhard Mazanke und Wiebke Gramm, die die Abteilung f\u00fcr Staatsangeh\u00f6rigkeitsangelegenheiten im LEA leitet, f\u00fchrt Innensenatorin Spranger am Mittwoch die Presse durch das B\u00fcrogeb\u00e4ude. Die Fenster sind blank geputzt, alles riecht sehr neu und etwas chemisch, nach Wandfarbe und Teppichkleber.<\/p>\n<p class=\"article even\">\u201eWir werden hier j\u00e4hrlich mindestens 20.000 Menschen einb\u00fcrgern\u201c, verspricht Gramm. Das w\u00e4re ein gro\u00dfer Anstieg; in den vergangenen Jahren erhielten berlinweit jeweils lediglich zwischen 7.000 und 9.000 Personen die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft \u2013 bei j\u00e4hrlich rund 15.000 Antr\u00e4gen.<\/p>\n<h6>Riesiger Berg an unbearbeiteten Antr\u00e4gen<\/h6>\n<p class=\"article odd\">M\u00f6glich machen soll das die Digitalisierung von Beratung und Antragstellung: So sollen Einb\u00fcrgerungswillige k\u00fcnftig in einem sogenannten Quick-Check online pr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob sie berechtigt sind, den deutschen Pass zu erhalten. Alle Formulare und Unterlagen k\u00f6nnen sie dann digital einreichen. Pers\u00f6nlich vorbeikommen m\u00fcssen An\u00adtrag\u00adstel\u00adle\u00adr:in\u00adnen nur ein Mal am Ende des Prozesses, betont Gramm: wenn sie die Einb\u00fcrgerungsurkunde erhalten.<\/p>\n<p class=\"article even\">F\u00fcr Spranger, Gramm und Mazanke ist es wohl ein Gl\u00fccksfall, dass die Beh\u00f6rde auf digitale Akten umgestellt hat. Denn so kann am Mittwoch niemand die 40.000 unbearbeiteten Antr\u00e4ge sehen, die sich in den vergangenen Jahren in den Bezirks\u00e4mtern angesammelt haben. Diesen Aktenstapel digitalisiert derzeit ein externer Dienstleister; wann alle Antr\u00e4ge erfasst sein werden, kann und will Abteilungsleiterin Gramm nicht sagen. Das bedeutet auch, dass das neue Einb\u00fcrgerungszentrum eine ganze Weile damit besch\u00e4ftigt sein wird, diesen Berg abzuarbeiten.<\/p>\n<h6>Mehr als 70 freie Stellen unbesetzt<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Hinzu kommt: Voraussichtlich im Fr\u00fchjahr tritt die Reform des Staatsangeh\u00f6rigkeitsgesetzes in Kraft. Dann muss man nicht mehr acht, sondern nur noch f\u00fcnf Jahre in Deutschland gelebt haben, um eine Einb\u00fcrgerung beantragen zu d\u00fcrfen. Zudem wird es leichter, eine zweite Staatsangeh\u00f6rigkeit zu behalten. Das d\u00fcrfte zu einem gro\u00dfen Anstieg der Antr\u00e4ge f\u00fchren, meint LEA-Chef Mazanke.<\/p>\n<p class=\"article even\">Ob das Einb\u00fcrgerungszentrum damit zurechtkommt, h\u00e4ngt wohl auch davon ab, ob es bald gelingt, alle freien Stellen zu besetzen. Von den 210 Stellen in der neuen Abteilung sind bislang erst 139 besetzt, muss Beh\u00f6rdenleiter Mazanke einr\u00e4umen. Das sind zwar schon mehr, als es vorher insgesamt f\u00fcr Einb\u00fcrgerungen gab \u2013 in den Bezirken waren es berlinweit 90. Doch gerade die Fachkr\u00e4fte aus den Bezirks\u00e4mtern str\u00e4uben sich offenbar, ins LEA zu wechseln. Nur 45 von ihnen haben das bisher getan.<\/p>\n<h6>Ungewisse Wartezeit bleibt gr\u00f6\u00dftes Hindernis<\/h6>\n<p class=\"article odd\">F\u00fcr Jian Omar, migrationspolitischer Sprecher der Gr\u00fcnen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, zeugt das von Vers\u00e4umnissen bei der Umstellung: \u201eMan h\u00e4tte dieses Projekt besser organisieren m\u00fcssen\u201c, sagt Omar der taz. Verantwortlich sei die Innenverwaltung \u2013 und damit Senatorin Spranger. Die sei viel zu schnell mit der Zentralisierung der Einb\u00fcrgerungen vorgeprescht und habe damit die Mit\u00adar\u00adbei\u00adte\u00adr*in\u00adnen in den Bezirken verunsichert, so Omar. Das sei der Hauptgrund, weshalb jetzt noch mehr als 70 Stellen unbesetzt sind.<\/p>\n<p class=\"article even\">Den \u201eQuick-Check\u201c und die digitale Antragstellung lobt der Gr\u00fcnen-Abgeordnete. Er habe die Online-Maske selbst getestet, sie sei sehr intuitiv gestaltet. Doch das gr\u00f6\u00dfte Hindernis bei der Einb\u00fcrgerung bleibe bestehen: die ungewisse Wartezeit. Wer alle Voraussetzungen erf\u00fclle, alle Unterlagen eingereicht habe, warte immer noch Monate, wenn nicht gar Jahre, bis der Antrag bewilligt werde, kritisiert Omar.<\/p>\n<p class=\"article last odd\">Mahdieh Hashemi etwa hat 14 Monate gewartet. Das hat nun ein Ende: Die 31-j\u00e4hrige Informatikstudentin erh\u00e4lt am Mittwoch in der neuen Zweigstelle gemeinsam mit vier anderen Ber\u00adli\u00adne\u00adr*in\u00adnen ihre Einb\u00fcrgerungsurkunde. Die \u00dcbergabe \u2013 ein Heimspiel f\u00fcr Iris Spranger: \u201eSeien Sie erfolgreich! Gr\u00fcnden Sie Familien\u201c, gibt die Senatorin den f\u00fcnf jungen Leuten noch mit auf den Weg, bevor sie im beflaggten und mit Blumen geschm\u00fcckten Raum das erforderliche \u201efeierliche Bekenntnis\u201c auf das Grundgesetz ablegen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Neues-Zentrum-fuer-Einbuergerungen\/!5983122\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Innensenatorin Spranger f\u00fchrt stolz durch die neue Einb\u00fcrgerungsstelle. Alles soll digitaler, schneller, besser werden. Alte Probleme bleiben aber bestehen. \u201eDas ist schon was Tolles\u201c, sagt Iris Spranger und deutet auf eine wei\u00dfe Wand, auf der einige bunte Smileys kleben. 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