{"id":2208,"date":"2023-09-17T22:18:08","date_gmt":"2023-09-17T22:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=2208"},"modified":"2023-09-17T22:18:08","modified_gmt":"2023-09-17T22:18:08","slug":"iran-proteste-in-berlin-was-waere-die-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/iran-proteste-in-berlin-was-waere-die-alternative\/","title":{"rendered":"Iran-Proteste in Berlin: \u201eWas w\u00e4re die Alternative?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Auf mehreren Demos wurde am Wochenende der Ermordung von Jina Mahsa Amini gedacht \u2013 gro\u00dfe Menschenmassen kamen aber nicht mehr zu den Veranstaltungen.<\/span><\/p>\n<p class=\"article first odd\">Gleich mehrere Demonstrationen waren in Berlin zum ersten <a href=\"https:\/\/taz.de\/Proteste-in-Iran-2022-und-2023\/!t5884344\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jahrestag des Todes der Iranerin Jina Mahsa Amini<\/a> angemeldet \u2013 und schon im Vorfeld wurde das Thema in Chat-Gruppen der iranischen Community, aber auch bei vielen pers\u00f6nlichen Treffen intensiv und teils kritisch diskutiert. Die Veranstaltungen am vergangenen Wochenende haben ein Schlaglicht auf die Vielfalt, aber auch die Spaltung innerhalb der iranischen Diaspora-Community geworfen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Am Gro\u00dfen Stern demonstriert die Anh\u00e4ngerschaft der Monarchie: eine Fraktion der iranischen Opposition, die in Berlin auf keine allzu gro\u00dfe Beliebtheit st\u00f6\u00dft. Die Vereinigung der Familien der Opfer des Flugs PS752 dagegen hat zu einer Demonstration auf dem Breitscheidplatz aufgerufen. In der Organisation sind Angeh\u00f6rige der Opfer eines Passagierflugzeugs zusammengeschlossen, das im Januar 2020 durch die Raketen der iranischen Revolutionsgarde abgeschossen wurde, 167 Menschen kamen dabei ums Leben. Seitdem setzen sich die Familienmitglieder f\u00fcr Gerechtigkeit ein, im Laufe der Proteste des vergangenen Jahres haben sie sich politisiert.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Elf iranische Gruppen und Kollektive, die sich als Zusammenschluss der linken und demokratischen Kr\u00e4fte in Berlin verstehen, veranstalten derweil eine Demonstration, die auf dem Bebelplatz in Mitte startet. Dabei sind Kollektive wie \u201eWoman\u2013Life\u2013Freedom-Collective Berlin\u201c und \u201eBolandgoo\u201c (\u201eSag es laut\u201c), die sich im Zuge der aktuellen Protestwelle im Iran gebildet haben, aber auch etablierte Organisationen wie der Verein iranischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin, seit \u00fcber drei Jahrzehnten einer der wichtigsten Akteure in Berlins Diaspora-Szene.<\/p>\n<h6>Viele kurdische Gruppen<\/h6>\n<p class=\"article even\">W\u00e4hrend sich auf dem Bebelplatz langsam eine Menschenmenge bildet, weist eine Rednerin auf die feministischen Aspekte des Aufstands und die Rolle ethnischer Minderheiten sowie marginalisierter Gruppen hin. Der Kampf gegen den Faschismus finde nicht nur in Iran, sondern auch in Deutschland, Europa und weltweit statt. Weil kurdische Gruppen die Demonstration mitorganisiert haben, sind viele Flaggen mit Kurdistanbezug zu sehen. Als sich der Zug in Bewegung setzte, wird ein revolution\u00e4res kurdisches Lied gespielt.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Auch wenn die Demonstration von Anfang an gr\u00f6\u00dfer zu sein scheint als die Versammlungen der iranischen Opposition in den letzten Monaten: Mit den Aktionen im letzten Oktober und November, als die Proteste gerade ausgebrochen waren, ist sie nicht vergleichbar. Trotzdem ist A. vom Bolandgoo-Kollektiv mit der Zahl der Teilnehmenden nicht unzufrieden: \u201eDa heute keine zentrale Demonstration stattfindet und die Menschen sich in mehrere Veranstaltungen aufgeteilt haben, finde ich das okay.\u201c Aus Sorge um die Familie im Iran will A. nicht mit vollem Namen genannt werden.<\/p>\n<p class=\"article even\">Unter den Teilnehmenden ist auch die deutschiranische Filmemacherin Maryam Zaree, die f\u00fcr ihren Dokumentarfilm \u201eBorn in Evin\u201c mehrmals ausgezeichnet wurde. \u201eMeine Hoffnung ist, dass wir Menschen dazu motivieren, Druck auf die Politik auszu\u00fcben\u201c, antwortet sie auf die Frage, warum sie mitl\u00e4uft. Die deutsche Zivilgesellschaft solle sich so stark mit der Bewegung im Iran solidarisieren, dass die Politik nicht mehr wegschauen k\u00f6nne.<\/p>\n<h6>Nichts tun ist keine Option<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Ein Jahr nach dem Ausbruch der revolution\u00e4ren Bewegung im Iran haben bereits zahlreiche Protest- und Solidarit\u00e4tsaktionen im Ausland stattgefunden, darunter die Gro\u00dfdemonstration am 22. Oktober in Berlin mit \u00fcber 80.000 Teilnehmenden. Haben die Aktionen bisher einen realen Effekt gehabt? Maryam Zaree glaubt das eher nicht, aber sie fragt: \u201eWas w\u00e4re die Alternative?\u201c Aus ihrer Sicht ist es <a href=\"https:\/\/taz.de\/Iran-vor-wichtigem-Jahrestag\/!5955619\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">keine Option, die Menschen im Iran alleinzulassen<\/a>. \u201eIch bin manchmal auch \u00fcberfordert und ohnm\u00e4chtig.\u201c Am Ende des Tages denke sie aber: \u201eWenn wir hier ohnm\u00e4chtig sind, was ist mit den Menschen, die diesen Kampf vor Ort k\u00e4mpfen m\u00fcssen?\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Demonstration, die sich zum Rosa-Luxemburg-Platz bewegt, unterscheidet sich darin von den anderen Versammlungen der iranischen Community, dass so gut wie nie nationalistische Parolen gerufen werden \u2013 daf\u00fcr viel mehr gegen Faschismus und Rechtsextremismus. Neben \u201eJin, Jiyan, Azad\u00ee\u201c ist h\u00e4ufig \u201eWeder Monarchie noch Theokratie \/ Freiheit und Demokratie!\u201c und \u201eKurdistan wird zum Friedhof der Faschisten\u201c zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Als die Dunkelheit einbricht, erreicht der Marsch den Platz vor der Volksb\u00fchne. Auf 2.800 Teilnehmende sch\u00e4tzt die Polizei die Menge. Kann das irgendetwas im Iran bewegen? \u201eIch bin nicht sicher, ob man von hier aus irgendwas bewegen kann im Iran\u201c, sagt A., \u201edenn was passieren soll, wird innerhalb des Landes passieren. Hier k\u00f6nnen wir unsere Solidarit\u00e4t zeigen. Wir m\u00fcssen die Flamme am Brennen halten, wo immer wir sind.\u201c<\/p>\n<p class=\"article last even\">Nach einem Jahr der Demos und Aktionen im Ausland gelte es, die Rolle der Diaspora zu \u00fcberdenken, findet A. aber auch. Sie ist immer noch hoffnungsvoll, aber nicht mehr so optimistisch wie im vergangenen Jahr. Als Mitorganisatorin der Demonstration wei\u00df sie, dass solche Aktionen immer auch ein Akt der Verzweiflung sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Iran-Proteste-in-Berlin\/!5958037\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf mehreren Demos wurde am Wochenende der Ermordung von Jina Mahsa Amini gedacht \u2013 gro\u00dfe Menschenmassen kamen aber nicht mehr zu den Veranstaltungen. 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