{"id":207,"date":"2014-04-10T07:03:40","date_gmt":"2014-04-10T07:03:40","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=207"},"modified":"2014-06-21T07:09:53","modified_gmt":"2014-06-21T07:09:53","slug":"fluechtlinge-vom-kreuzberger-camp-endlich-ohne-angst-ausschlafen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/fluechtlinge-vom-kreuzberger-camp-endlich-ohne-angst-ausschlafen\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge vom Kreuzberger Camp Endlich ohne Angst ausschlafen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Der Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg ist ger\u00e4umt. Die einstigen Besetzer f\u00fchlen sich in ihrer neuen Bleibe am Ostkreuz wohl.<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-208\" src=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Berlin-Oranienplatz-4.jpg\" alt=\"Berlin-Oranienplatz-4\" width=\"600\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Berlin-Oranienplatz-4.jpg 600w, https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Berlin-Oranienplatz-4-300x164.jpg 300w, https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Berlin-Oranienplatz-4-100x55.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">BERLIN taz | John wischt schnell die Brotkrumen vom Tisch. Mit Pressebesuch hat er nicht gerechnet. Seit Dienstag wohnt der Nigerianer in einem ehemaligen Hostel in der G\u00fcrtelstra\u00dfe am Ostkreuz. Acht Monate lang hatte er auf dem Oranienplatz kampiert. Er ist froh, dass das vorbei ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">John wohnt in einem kleinen Zweibettzimmer: zwei Betten mit blitzsauberer wei\u00dfer Bettw\u00e4sche, ein Tisch mit zwei St\u00fchlen und zwei kleine abschlie\u00dfbare Stahlschr\u00e4nke. Rund 100 Fl\u00fcchtlinge, die einst wie John auf dem Oranienplatz wohnten, sind jetzt hier in Zwei-, Drei- und Vierbettzimmern untergebracht. Und viele von ihnen haben genau wie John seit Montag vor allem das getan, was auf dem Oranienplatz nur schwer m\u00f6glich war: sich einmal richtig ausgeschlafen. Ohne Stra\u00dfenl\u00e4rm und ohne Angst vor \u00dcbergriffen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Auch sonst ist ein wenig mehr Selbstbestimmung in Johns Leben eingezogen. Auf dem Oranienplatz war John auf Lebensmittelspenden angewiesen. Wochentags brachten manchmal die B\u00e4cker der Umgebung \u00fcbrig gebliebene Br\u00f6tchen und Fladenrollen. Mittagessen, Tee und Kaffee gab es bei der Diakonie. Am Wochenende kam das Mittagessen von einem t\u00fcrkischen Verein.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Am Mittwoch bekam John von der Heimleitung 100 Euro Soforthilfe ausgezahlt sowie Teller, Tasse, Bratpfanne und Essbesteck. Mit dem Einzug in das Hostel hat er einen Anspruch auf Sozialleistungen erworben. Geld, mit dem er wieder selbst kaufen kann, was er braucht. Eine neue Zahnb\u00fcrste und neue Zahnpasta, zum Beispiel. Reis, Tomaten und Mineralwasser.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Johns Mitbewohner kommt mit dem Staubsauger ins Zimmer. Seinen Namen will er nicht sagen, aber er wirkt voller Tatendrang. \u201eEs soll hier richtig sauber sein\u201c, sagt er und freut sich. \u201eJetzt wohne ich endlich wie ein Mensch. Was denken Sie, wie lange dauert es noch, bis ich arbeiten darf?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">100 Euro Soforthilfe<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Auf dem Innenhof sitzen zwei Afrikaner und sonnen sich. Sie wirken ebenso entspannt wie die Atmosph\u00e4re im neuen Fl\u00fcchtlingsheim: Reibereien, wie es sie oft auf dem Oranienplatz zwischen den Bewohnern gab, sind hier Fehlanzeige. Die Mitarbeiter des privaten Heimbetreibers sind ausgesprochen freundlich und verst\u00e4ndnisvoll. Diakonie und Caritas haben die soziale Betreuung \u00fcbernommen. Die wird schwieriger sein als in normalen Fl\u00fcchtlingsheimen: Unter den ehemaligen Oranienplatz-Besetzern sind Fl\u00fcchtlinge, die juristisch in kein Raster passen und deren Asylantrag andernorts bereits abgelehnt wurde.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Ein Mann beschwert sich: \u201eLeider gibt es kein warmes Wasser\u201c, bedauert er. Am liebsten h\u00e4tte er sofort beim Einzug die gro\u00dfe Badewanne des ehemaligen Hostels ausprobiert. Aber kalt baden wollte er dann doch nicht. \u201eSeit heute funktionieren auch nicht mehr alle Heizungen\u201c, sagt er noch. Und auch das Internet sei noch nicht angeschlossen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Insgesamt 180 Fl\u00fcchtlinge wurden am Dienstag und Mittwoch mit neuen Quartieren in der G\u00fcrtelstra\u00dfe und im Fl\u00fcchtlingsheim Marienfelde versorgt. Damit sind alle vorhandenen Pl\u00e4tze besetzt. \u201eWir sind gerade dabei, die Listen zu pr\u00fcfen\u201c, sagt Silvia Kostner vom zust\u00e4ndigen Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Einigen Fl\u00fcchtlingen, die nicht aus Afrika stammen und kein Englisch sprechen, war es nicht gelungen, auf die Listen zu kommen. M\u00f6glicherweise haben sich auch Fl\u00fcchtlinge, die seit November in einem Caritas-Heim im Wedding wohnen, in die neuen Quartiere geschummelt. In dem ehemaligen Pflegeheim ist es weniger sch\u00f6n als in der G\u00fcrtelstra\u00dfe, sodass einige gern das Quartier wechseln wollten. Die Pr\u00fcfung wird noch einige Tage dauern.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">John und sein Mitbewohner ziehen die Jacke an. Sie gehen nach drau\u00dfen, die Umgebung erkunden. Friedrichshain kennen sie noch nicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Source: <a href=\"http:\/\/taz.de\/Fluechtlinge-vom-Kreuzberger-Camp\/!136496\/\" target=\"_blank\">taz.de<\/a><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg ist ger\u00e4umt. 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