{"id":1914,"date":"2022-10-25T06:34:34","date_gmt":"2022-10-25T06:34:34","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1914"},"modified":"2022-10-26T15:13:01","modified_gmt":"2022-10-26T15:13:01","slug":"feministische-aussenpolitik-oder-doch-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/feministische-aussenpolitik-oder-doch-nicht\/","title":{"rendered":"Feministische Au\u00dfenpolitik \u2013 oder doch nicht?"},"content":{"rendered":"<div class=\"news-text-wrap\">\n<p><strong>Anw\u00e4lt*innen fordern von der Bundesregierung eine Menschenrechtspolitik, die die Betroffenen tats\u00e4chlich erreicht.<\/strong><\/p>\n<p>In Iran beobachten wir den Beginn einer Revolution. Einer feministischen Revolution. Angef\u00fchrt von Frauen*, die f\u00fcr ihre Freiheit und eine neue Gesellschaft k\u00e4mpfen. F\u00fcr ihren Mut werden sie get\u00f6tet, gefoltert und inhaftiert.<\/p>\n<p>Der Mut dieser Frauen* beeindruckt uns. Er f\u00fchrt weltweit zum Ausdruck von Solidarit\u00e4t. Die gleichen Solidarit\u00e4tsbekundungen hallen noch nach mit den Frauen*, die in Afghanistan seit \u00fcber einem Jahr f\u00fcr ihre Rechte demonstrieren. Die gleichen Solidarit\u00e4tsbekundungen verstummen mittlerweile mit den mutigen Frauen* in Belarus.<\/p>\n<p>Aber was passiert, wenn genau diese mutigen Menschen internationalen Schutz ben\u00f6tigen? Erhalten sie Zugang zu dem Schutz, den die europ\u00e4ische und deutsche Rechtsordnung ihnen verspricht?<\/p>\n<p>\u00bb<em>Nein<\/em>\u00ab, sagt Rechtsanw\u00e4ltin Berenice B\u00f6hlo aus dem Vorstand des RAV, \u00bb<em>im Gegenteil: schutzbed\u00fcrftige Menschen haben fast keine legalen M\u00f6glichkeiten, um \u00fcberhaupt nach Deutschland oder Europa zu kommen, und zwar auch dann nicht, wenn sie nachweislich politisch verfolgt sind oder ihr Leben ernsthaft in Gefahr ist. So warten beispielsweise unsere afghanischen Mandantinnen, denen von Deutschland eine Aufnahme versprochen wurde, seit Monaten und Jahren in Pakistan oder Iran auf die Bearbeitung oder Erteilung ihrer Visa, damit sie in Deutschland das Asylrecht erhalten k\u00f6nnen. Ansonsten bleibt ihnen nur die lebensgef\u00e4hrliche Flucht \u00fcber vollkommen unsichere Routen.<\/em>\u00ab<\/p>\n<p>Dennoch verk\u00fcndet Innenministerin Nancy Faeser noch am 8. Oktober 2022, dass gerade diesen letzten Fluchtwegen, die sie als \u201eunerlaubte Einreisen \u00fcber das Mittelmeer und die Balkanroute\u201c bezeichnet, durch scharfe Kontrollen Einhalt geboten werden m\u00fcsse. Das ist mehr als zynisch, sieht doch das europ\u00e4ische Asylsystem eine \u201eerlaubte Einreise\u201c zur Schutzgew\u00e4hrung gar nicht vor. Humanit\u00e4re Visa werden nur in seltenen Einzelf\u00e4llen erteilt. F\u00fcr eine Erteilung von Visa setzt sich das Ausw\u00e4rtige Amt noch nicht einmal eine Bearbeitungsfrist. Sch\u00f6ne feministische Au\u00dfenpolitik.<\/p>\n<p><strong>Die Solidarit\u00e4t mit mutigen Frauen* im Iran, in Afghanistan und andernorts endet an den europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen. Sie endet in der B\u00fcrokratie der deutschen Visumstellen.<\/strong><\/p>\n<p>\u00bb<em>Ein Menschenrecht ohne Zugang zum Recht ist ein leeres Versprechen. Wir fordern echte Solidarit\u00e4t jenseits solidarischer Worte<\/em>\u00ab sagt Rechtsanw\u00e4ltin Franziska Nedelmann, Vizevorsitzende des RAV.<\/p>\n<p><strong>Wir fordern<\/strong> von Bundes- und Landesregierungen, die \u00fcber Jahrzehnte von m\u00e4nnlichen Innen- und Au\u00dfenministern verantwortete Politik zu beenden und folgende Sofortma\u00dfnahmen zu beschlie\u00dfen:<\/p>\n<p>\u25ba sofortige und effektive Aufnahmeprogramme auf Landes- und Bundesebene f\u00fcr Schutzsuchende aus Iran;<\/p>\n<p>\u25ba die sofortige Aufstockung der personellen und sachlichen Ressourcen an den deutschen Botschaften, insbesondere in den Nachbarstaaten von Krisenl\u00e4ndern;<\/p>\n<p>\u25ba eine Weisung des Ausw\u00e4rtigen Amtes, dass jede deutsche Auslandsvertretung zur Annahme von Visumantr\u00e4gen aus Krisenl\u00e4ndern zust\u00e4ndig ist und diese unverz\u00fcglich zu bearbeiten sind;<\/p>\n<p>\u25ba einen sofortigen und von der IMK und dem BMI zu beschlie\u00dfenden formellen Abschiebestopp f\u00fcr alle Krisenl\u00e4nder;<\/p>\n<p>\u25ba die Erteilung von humanit\u00e4ren Visa f\u00fcr gef\u00e4hrdete Menschen in geregelten Verfahren anhand klarer Fristen;<\/p>\n<p>\u25ba die Aussetzung der Dublin-Verfahren.<\/p>\n<p>PM als <a href=\"https:\/\/www.rav.de\/fileadmin\/user_upload\/rav\/pressemitteilungen\/221021_RAV-PM_Feministische_Au%C3%9Fenpolitik_-_Oder_doch_nicht.pdf\">PDF<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong>:<br \/>\nRechtsanw\u00e4ltin Berenice B\u00f6hlo, +49(0)30 247 240 90, <a>info@aufenthaltundsoziales.de<\/a><br \/>\nRechtsanw\u00e4ltin Barbara Wessel, +49(0)30 62 20 17 48, <a>wessel@anwaeltinnen-kreuzberg.de<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rav.de\/publikationen\/mitteilungen\/mitteilung\/feministische-aussenpolitik-oder-doch-nicht-895?s=08\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle: rav<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anw\u00e4lt*innen fordern von der Bundesregierung eine Menschenrechtspolitik, die die Betroffenen tats\u00e4chlich erreicht. 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