{"id":1786,"date":"2021-07-22T12:27:21","date_gmt":"2021-07-22T12:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1786"},"modified":"2021-07-22T12:27:21","modified_gmt":"2021-07-22T12:27:21","slug":"gefluechtete-abgewiesen-bangen-um-einen-schlafplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/gefluechtete-abgewiesen-bangen-um-einen-schlafplatz\/","title":{"rendered":"Gefl\u00fcchtete abgewiesen: Bangen um einen Schlafplatz"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Eigentlich sollen Gefl\u00fcchtete nach ihrer Ankunft in Berlin schnelle Hilfe bekommen. Seit dem Wochenende aber ist das Ankunftszentrum \u00fcberlastet.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">\u201eWir wollen schlafen!\u201c, ruft ein junger, sichtlich mit den Nerven fertiger Mann in gebrochenem Deutsch. Er steht in einer Menschentraube vor dem Haus 24 des Ankunftszentrums (AkuZ) f\u00fcr Gefl\u00fcchtete im Geb\u00e4udekomplex der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Wittenau. Es sind etwa 60 Menschen, die am Dienstagabend um 21.30 Uhr darauf warten, wenigstens einen Schlafplatz zugewiesen zu bekommen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Montagnacht hatte die Initiative <a href=\"https:\/\/www.moabit-hilft.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eMoabit hilft\u201c<\/a> Alarm geschlagen. Die Versorgung im AkuZ sei seit einigen Tagen \u201eoffenbar kollabiert\u201c, hie\u00df es in einer Mitteilung. Diana Henniges von der Initiative sagte zur taz, sie f\u00fchle sich \u201ean die Lage im Jahr 2015\u201c erinnert. Damals waren in Berlin in einem Jahr \u00fcber 50.000 Asylantr\u00e4ge registriert wurden. Zum Vergleich: 2021 waren es bis Ende Juni 2.841.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Sprach- und ortsfremde Menschen, die seit Stunden auf eine Aufnahme warten, w\u00fcrden aufgefordert, die Obdachlosenunterk\u00fcnfte aufzusuchen \u2013 allerdings \u201eohne jegliche Gew\u00e4hr, dass sie dort auch unterkommen k\u00f6nnen\u201c, so Henniges. Letztlich w\u00fcrden die Gefl\u00fcchteten so \u201ein die Obdachlosigkeit geschickt\u201c.<\/p>\n<p class=\"article even\">Das AkuZ ist die erste und einzige Anlaufstelle f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, wenn sie nach teils jahrelangen Strapazen in Berlin ankommen. Hier sollen sie mit Obdach, Nahrung und medizinischer Versorgung aufgefangen werden. Nach der Registrierung erhalten Gefl\u00fcchtete hier ihren Ankunftsnachweis, ein wichtiges Dokument, das den Asylantrag \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht und den Zugang zu Sozialleistungen sichert. Auch eine Sozialberatung, in der das Asylprozedere erkl\u00e4rt wird, soll hier stattfinden.<\/p>\n<h6>Ausnahmesituation unbekannten Ausma\u00dfes<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Doch seit dem Wochenende scheint die Lage im Zentrum kritisch zu sein. Von einem Zusammenbruch will Michael Elias, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von <a href=\"https:\/\/tamaja.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tamaja<\/a>, Tr\u00e4ger des Ankunftszentrums dennoch nicht sprechen. \u201eDie Versorgung von besonders vulnerablen Menschen, wie etwa von Familien mit Kindern, Kranken, Schwangeren oder von Menschen mit Behinderung\u201c, sei \u201estets sichergestellt\u201c gewesen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Elias best\u00e4tigte allerdings, dass es zu einer \u201eAusnahmesituation, wie sie so noch nicht geschehen ist\u201c, gekommen sei. Am Samstag sei man \u201eleider\u201c gezwungen gewesen, \u201eMenschen abzuweisen\u201c. Auch best\u00e4tigte er, dass \u201eInformationsbl\u00e4tter\u201c mit den Adressen von Obdachlosenunterk\u00fcnften ausgeh\u00e4ndigt worden seien.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamts f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF), erkl\u00e4rte auf taz-Anfrage, es sei eine \u201eabsolute Ausnahme\u201c, dass Menschen abgewiesen werden. Betroffen gewesen seien \u201ecirca 15\u201c Personen am Samstagabend und \u201ecirca 8\u201c in der Nacht vom Sonntag. Man sei amstag an \u201eKapazit\u00e4tsgrenzen\u201c gelangt, da es schon Freitag \u201eeinen gro\u00dfen Zustrom von Antragsteller:innen\u201c gegeben habe, erg\u00e4nzte Elias. Insgesamt h\u00e4tten \u201ealle Beteiligten gut gearbeitet und auch die Nerven behalten\u201c.<\/p>\n<p class=\"article even\">Vor Ort am Dienstagabend \u00fcbersetzt eine Sprachmittlerin der Initiative \u201eMoabit hilft\u201c, was eine afghanische Familie \u2013 Vater, Sohn und Cousin \u2013 zu sagen hat, die ebenfalls auf eine Unterbringung wartet. Sie k\u00e4men direkt aus dem griechischen Fl\u00fcchtlingslager Moria, erz\u00e4hlt Sohn Malik M. (Name ge\u00e4ndert). Seit Montag w\u00fcrden sie auf Unterbringung und medizinische Versorgung warten.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Letzte Nacht seien sie von Securities fortgeschickt und aufgefordert worden am n\u00e4chsten Morgen wiederzukommen. Untergekommen seien sie in der Nacht nur durch die Moabiter Hilfsinitiative, geschlafen h\u00e4tten sie trotzdem keine Minute, erz\u00e4hlt M., dessen Augen rot unterlaufen sind. Ein anderer junger Mann berichtet, er habe die letzte Nacht im Treptower Park verbracht. Seit 45 Stunden warte er nun auf seine Aufnahme.<\/p>\n<h6>Pl\u00f6tzlicher Anstieg der Antragsstellenden<\/h6>\n<p class=\"article even\">Unklar bleibt indes, was den pl\u00f6tzlichen Anstieg der Antragsstellenden ausgel\u00f6st haben k\u00f6nnte. Langenbach zufolge kommen viele Menschen aus der Republik Moldau \u2013 das Land gilt als das \u00e4rmste Europas. \u201eMehr als 200 Personen\u201c insgesamt und \u201eetwa 50 pro Tag\u201c seien vergangenes Wochenende in Berlin angekommen. Der Sprecher betonte, dass \u201egut die H\u00e4lfte sogenannte Folgeantragssteller\u201c seien, die bereits \u201eein- oder mehrmals Antr\u00e4ge auf Asyl gestellt\u201c h\u00e4tten, aber abgelehnt worden seien.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Elias erkl\u00e4rte zudem, wenn es zu langen Schlangen k\u00e4me, sei das meist nicht auf die Erstversorgung, sondern auf die Registrierung zur\u00fcckzuf\u00fchren. In diesen F\u00e4llen sei f\u00fcr Unterkunft und Verpflegung \u201ebereits gesorgt\u201c.<\/p>\n<p class=\"article even\">Zumindest am Dienstagabend l\u00e4sst aber auch die Unterbringung auf sich warten l\u00e4sst. Tats\u00e4chlich stammen die meisten Familien, die hier warten, aus Moldau. Doch auch Menschen aus Afghanistan \u2013 wie die Familie M. \u2013 warten seit fr\u00fchmorgens auf ein Bett.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Das LAF habe sich nun auf die Suche nach weiteren Unterbringungsm\u00f6glichkeiten begeben, so Langenbach. Am fr\u00fchen Mittwochabend erkl\u00e4rte Stefan Strau\u00df, Sprecher der Senatssozialverwaltung, der taz, inzwischen seien zwei aktuell leerstehende Unterk\u00fcnfte als tempor\u00e4re Erstaufnahmeeinrichtungen aufbereitet worden: eine auf dem Gel\u00e4nde mit 200 Betten, die andere in der Pankower Buchholzer Stra\u00dfe in einer ehemaligen Quarant\u00e4neunterkunft.<\/p>\n<p class=\"article even\">Zudem habe eine Zusammenarbeit mit dem Tr\u00e4ger <a href=\"https:\/\/amaroforo.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Amaro Foro e.V.<\/a> begonnen, der muttersprachliche Beratungen anbiete. Das LAF gehe davon aus, dass sich \u201edie Zahl der Gefl\u00fcchteten, die nach Berlin kommen, weiter erh\u00f6hen wird\u201c, so Langenbach.<\/p>\n<p class=\"article last odd\">Auch f\u00fcr etwa 60 Personen, die am Dienstagabend vor dem AkuZ warten, wird schlie\u00dflich ein empor\u00e4rer Schlafplatz gefunden. Bevor die Menschen von dannen ziehen, erhalten sie noch einen Plastikbeutel mit Br\u00f6tchen und Bananen. Am n\u00e4chsten Morgen werden sie sich wieder anstellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Gefluechtete-abgewiesen\/!5781873\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollen Gefl\u00fcchtete nach ihrer Ankunft in Berlin schnelle Hilfe bekommen. Seit dem Wochenende aber ist das Ankunftszentrum \u00fcberlastet. &nbsp; \u201eWir wollen schlafen!\u201c, ruft ein junger, sichtlich mit den Nerven fertiger Mann in gebrochenem Deutsch. 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