{"id":1764,"date":"2021-04-08T17:57:52","date_gmt":"2021-04-08T17:57:52","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1764"},"modified":"2021-04-08T17:57:52","modified_gmt":"2021-04-08T17:57:52","slug":"impfungen-fuer-fluechtlinge-gefahr-hoch-prioritaet-nicht-so","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/impfungen-fuer-fluechtlinge-gefahr-hoch-prioritaet-nicht-so\/","title":{"rendered":"Impfungen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge: Gefahr hoch, Priorit\u00e4t nicht so"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">In Berlins Fl\u00fcchtlingsheimen soll in der zweiten Aprilh\u00e4lfte das Impfen beginnen. Die Ansteckungsgefahr in den Unterk\u00fcnften ist hoch.<\/span><\/p>\n<p class=\"article first odd\">\u201eVoraussichtlich noch im April\u201c soll das Impfen in den Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften des Landes Berlin beginnen. Das sagte Sascha Langenbach, der Sprecher des Landesamtes f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF), am Dienstag der taz. Wer in Gemeinschaftsunterk\u00fcnften f\u00fcr Gefl\u00fcchtete wohnt, geh\u00f6rt laut Definition des Bundesgesundheitsministeriums zur Impf-Priorit\u00e4tsgruppe 2, genau wie etwa Menschen \u00fcber 70 Jahre, GrundschullehrerInnen, ErzieherInnen, PolizistInnen und \u00c4rztInnen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Doch w\u00e4hrend bei diesen die Impfungen bereits seit Anfang M\u00e4rz laufen, m\u00fcssen BewohnerInnen und MitarbeiterInnen der Gefl\u00fcchtetenheime noch l\u00e4nger warten. Anders als bei den LehrerInnen oder PolizistInnen macht sich keine Gewerkschaft f\u00fcr sie stark. Sie haben keine Lobby.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Dabei liegt die hohe Ansteckungsgefahr in den engen Gemeinschaftsunterk\u00fcnften auf der Hand. BewohnerInnen haben dort lediglich Anspruch auf sechs Quadratmeter Wohnraum in einem Zimmer mit anderen Personen. In zwei Dritteln der Heimen m\u00fcssen sie sich K\u00fcchen und Toiletten mit vielen anderen Personen teilen. Abstand halten ist unter diesen Umst\u00e4nden unm\u00f6glich, und oftmals sind auch die G\u00e4nge so \u00adschmal, dass man nicht einmal dort anderen Menschen ausweichen kann.<\/p>\n<p class=\"article even\">Hinzu kommt, dass BewohnerInnen von Asylunterk\u00fcnften, sofern sie Arbeit haben, oft in Bereichen mit hoher Ansteckungsgefahr t\u00e4tig sind: Sie verteilen das Essen in Krankenh\u00e4usern, putzen auf S-Bahnh\u00f6fen oder pflegen alte Menschen.<\/p>\n<h6>Je\u00adde*r 12. positiv getestet<\/h6>\n<p class=\"article odd\">1.431 Mal schlugen Coronatests seit 2020 bei den gut 18.000 BewohnerInnen der LAF-Unterk\u00fcnfte positiv an, also bei etwa jedem zw\u00f6lften Bewohner. Vier von ihnen sind 2020 und 2021 an und mit Covid-19 gestorben. Wie viele station\u00e4r behandelt werden mussten, wird statistisch nicht erfasst, laut Langenbach sind es aktuell vier.<\/p>\n<p class=\"article even\">126 BewohnerInnen von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften des LAF sind nach Beh\u00f6rdenangaben aktuell infiziert. 56 davon sind in eine spezielle Quarant\u00e4neunterkunft nach Pankow gezogen, um ihre MitbewohnerInnen nicht anzustecken. Doch dieser Umzug erfolgt erst dann, wenn nicht nur der Schnelltest positiv anschl\u00e4gt, sondern dessen Ergebnis Tage sp\u00e4ter durch einen PCR-Test best\u00e4tigt wird. Bis dahin, so kritisieren mehrere Mitarbeiterinnen von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften gegen\u00fcber der taz, sind Kontakte mit MitbewohnerInnen und BetreuerInnen und damit auch Ansteckungen unvermeidbar.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Gef\u00e4hrdet sind auch die rund 3.500 Mitarbeitenden von Asyl\u00adunterk\u00fcnften: Sozialarbeiter, Kinderbetreuer oder Wachschutzmitarbeiter. Wie viele von ihnen an Corona erkrankt waren oder sind, wird statistisch jedoch nicht erfasst. Die taz ist auf viele Einzelf\u00e4lle gesto\u00dfen, darunter auch auf einen Mann, der um den Jahreswechsel herum an einer Corona-Infektion starb. Die AWO sagt der taz, dass 14 ihrer Mitarbeiter in Asylheimen nachweislich mit Corona infiziert waren, darunter eine Person mit einem sehr schweren Verlauf.<\/p>\n<p class=\"article even\">Das LAF plant, zur Impfung in den Gefl\u00fcchtetenunterk\u00fcnften mobile Teams einzusetzen, \u00e4hnlich wie in Seniorenheimen. Urspr\u00fcnglich war daf\u00fcr die zweite Aprilh\u00e4lfte vorgesehen. Da der AstraZeneca-Impfstoff allerdings f\u00fcr Menschen unter 60 Jahren nicht mehr zur Verf\u00fcgung steht, k\u00f6nnte es zu Verz\u00f6gerungen kommen. Die mobilen Impfteams sollen nur vollj\u00e4hrige BewohnerInnen impfen. 16- und 17-J\u00e4hrige oder MitarbeiterInnen sollen sich in Impfzentren impfen lassen, sobald ihre Daten dorthin \u00fcbermittelt sind.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Das Fl\u00fcchtlingsamt hat Videos in 15 Sprachen produzieren lassen, die \u00fcber die Impfangebote informieren. Sie w\u00fcrden gut angenommen, hei\u00dft es vom LAF: Die meisten Zugriffe g\u00e4be es auf das Video in Somali, gefolgt von Farsi und Russisch. Der Fl\u00fcchtlingsrat kritisiert allerdings, dass in den Videos nicht auf eventuelle Impfkomplikationen hingewiesen wird. Er kritisiert auch, dass die Unterk\u00fcnfte und ihre Bewohner erst jetzt durch den Senat mit FFP2-Masken versorgt werden, auf die Menschen ohne Einkommen einen Anspruch haben. Bis Ende M\u00e4rz gab es lediglich eine kleine Zahl von OP-Masken pro Person.<\/p>\n<div class=\"article rack no10\">\n<div id=\"\" class=\"first last odd sect sect_quote \" role=\"region\">\n<div class=\"sectbody quote obj\">\n<p>F\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Heimen der Bezirke sind sind derzeit noch gar keine Impfungen geplant<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"article even\">Neben den gut 18.000 Fl\u00fcchtlingen, die in LAF-Heimen wohnen, leben \u00fcber 33.000 Menschen in Heimen der Bezirke. Nicht alle, aber die Mehrheit davon sind Fl\u00fcchtlinge. Obwohl auch sie zur Impfpriorit\u00e4tsgruppe 2 geh\u00f6ren, sind derzeit f\u00fcr sie noch gar keine Impfungen geplant. Die Senatsverwaltung f\u00fcr Soziales hat ihrem Sprecher Stefan Strau\u00df zufolge gerade erst bei den Bezirken den Bedarf an Impfstoff abgefragt.<\/p>\n<p class=\"article last odd\">\u201eIn einem erste Schritt geht es darum, Einrichtungen mit einem pflegerischen Schwerpunkt zu versorgen, in denen vor allem \u00e4ltere und kranke Menschen leben\u201c, sagt Strau\u00df der taz. Ob die Bewohner der anderen Heime die Impfzentren selbst aufsuchen sollen oder ob der Senat zumindest in gr\u00f6\u00dfere Heime niedrigschwellig mobile Teams schickt, stehe noch nicht fest. Zahlen \u00fcber an Covid-19 erkrankte oder verstorbene Bewohner dieser Einrichtungen liegen dem Senat nicht vor.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Impfungen-fuer-Fluechtlinge\/!5759081\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlins Fl\u00fcchtlingsheimen soll in der zweiten Aprilh\u00e4lfte das Impfen beginnen. 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