{"id":1599,"date":"2020-01-12T16:55:08","date_gmt":"2020-01-12T16:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1599"},"modified":"2020-01-12T16:55:08","modified_gmt":"2020-01-12T16:55:08","slug":"iranische-community-demonstriert-die-kluft-vergroessert-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/iranische-community-demonstriert-die-kluft-vergroessert-sich\/","title":{"rendered":"Iranische Community demonstriert: Die Kluft vergr\u00f6\u00dfert sich"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">F\u00fcr oder gegen die Regierung in Teheran? Die Haltungen zu den j\u00fcngsten Eskalationen gehen innerhalb der iranischen Community in Berlin auseinander.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Die T\u00f6tung des iranischen Generals Qasim Soleimani durch die USA polarisiert die ohnehin politisch gespaltene iranische Community in Berlin noch mehr. Am heutigen Donnerstag gedenkt das \u201eIslamische Zentrum Imam Riza\u201c in der Reuterstra\u00dfe in Neuk\u00f6lln nach Angaben auf seiner Facebookseite ab 18 Uhr des \u201eheldenhaften M\u00e4rtyrers\u201c Soleimani. Laut dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Vereins iranischer Fl\u00fcchtlinge, Hamid Nowzari, ist das Zentrum eine von mehreren Moscheen in Berlin, die von Teheran unterst\u00fctzt werden. Und eine Gegenkundgebung gibt es auch: Eine Privatperson hat laut Polizeipressestelle eine Demo unter dem Motto \u201egegen Islamismus und Antisemitismus, f\u00fcr Menschenrechte im Iran\u201c angemeldet.<\/p>\n<p class=\"article even\">15.000 Menschen mit iranischen Wurzeln leben in Berlin. Darunter sind 7.000 mit iranischer Staatsangeh\u00f6rigkeit, die zumeist erst in den letzten zehn Jahren geflohen sind und dem Regime in Teheran stark ablehnend gegen\u00fcberstehen. Zu ihnen geh\u00f6ren viele christliche Konvertiten, die nicht selten von Abschiebung bedroht sind. Unter den l\u00e4nger hier lebenden iranischst\u00e4mmigen Berlinern gibt es auch Anh\u00e4nger des Mullah-Regimes, aber vor allem viele sehr gut integrierte Intellektuelle mit hohem politischem Interesse und kritischem Verh\u00e4ltnis zur iranischen Politik.<\/p>\n<p class=\"article even\">Eine von ihnen ist die Ingenieurin Roya Vahedi, die seit 1986 in Berlin lebt. \u201eAls ich die Nachricht von der T\u00f6tung des Generals h\u00f6rte, habe ich mich zuerst gefreut, dass ein M\u00f6rder weniger auf der Erde lebt\u201c, sagt sie der taz. \u201eAber gleich danach habe ich Trump verurteilt. Es kann doch nicht sein, dass der amerikanische Geheimdienst Methoden anwendet, die an das Mykonos-Attentat 1992 in Berlin erinnern.\u201c Damals hatte der iranische Geheimdienst in einem griechischen Restaurant in Wilmersdorf vier iranische Exilpolitiker erschossen und zwei Unbeteiligte schwer verletzt.<\/p>\n<p class=\"article even\">Vahedi ist davon \u00fcberzeugt, dass die Insassen in iranischen Gef\u00e4ngnissen seit der T\u00f6tung des Generals noch mehr Grausamkeit erleben m\u00fcssen. \u201eSie sind die Leidtragenden.\u201c Terror k\u00f6nne man nicht beseitigen, indem man die Zahl der M\u00f6rder reduziert, sagt die Frau: \u201eDann kommt der n\u00e4chste Diktator.\u201c<\/p>\n<h6>Keine Einzelmeinung<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Hamid Nowzari vom Verein iranischer Fl\u00fcchtlinge sieht es \u00e4hnlich. \u201eOppositionelle Iraner aller Lager freuen sich, dass einer der brutalsten Vertreter des Regimes nicht mehr lebt. Aber es gibt auch die Sorge, dass durch die T\u00f6tung Antiamerikanismus gesch\u00fcrt wird, der \u00fcber die Kluft zwischen Bev\u00f6lkerung und Regime im Iran hinwegt\u00e4uschen kann.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">Kazem Polady floh erst vor wenigen Jahren nach Berlin, weil er als Christ im Iran um sein Leben f\u00fcrchtete. \u201eMeine Freunde und ich haben sich ohne Einschr\u00e4nkungen \u00fcber die T\u00f6tung gefreut\u201c, sagt der Chemielaborant der taz. \u201eAls Iraner konnten wir nichts gegen den menschenverachtenden brutalen General unternehmen. Das haben jetzt die USA f\u00fcr uns gemacht.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Das ist keine Einzelmeinung, sagt Gottfried Martens. Er ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde in Steglitz, einer Freikirche, die persischsprachige Gottesdienste anbietet. Etwa 1.000 der 1.600 Gemeindemitglieder kommen aus dem Iran. Auch Polady ist hier Mitglied. Martens zufolge wurde die T\u00f6tung von vielen Gemeindemitgliedern bejubelt. \u201eEr war der meistgehasste Mann des Regimes. Er steht als Schl\u00e4chter hinter der T\u00f6tung von Demonstranten und Oppositionellen, darunter auch von vielen Angeh\u00f6rigen unserer Gemeindemitglieder.\u201c<\/p>\n<p class=\"article last even\">F\u00fcr den Pfarrer hingegen sei die T\u00f6tung \u201eaus europ\u00e4ischer Perspektive\u201c, wie er sagt, \u201ekeine so gute Nachricht. Ich sehe das distanzierter und f\u00fcrchte, dass es einen Krieg geben k\u00f6nnte. Aber f\u00fcr viele Geflohene verbindet sich damit die Hoffnung auf einen Regimewechsel.\u201c Das sah eine Gruppe von iranischst\u00e4mmigen Berlinern wohl \u00e4hnlich, die am Montag der amerikanischen Botschaft f\u00fcr das Attentat gedankt hatten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Iranische-Community-demonstriert\/!5651146\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr oder gegen die Regierung in Teheran? Die Haltungen zu den j\u00fcngsten Eskalationen gehen innerhalb der iranischen Community in Berlin auseinander. &nbsp; Die T\u00f6tung des iranischen Generals Qasim Soleimani durch die USA polarisiert die ohnehin politisch gespaltene iranische Community in Berlin noch mehr. 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