{"id":154,"date":"2014-06-02T05:00:20","date_gmt":"2014-06-02T05:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=154"},"modified":"2014-06-21T05:17:06","modified_gmt":"2014-06-21T05:17:06","slug":"aerzte-mit-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/aerzte-mit-grenzen\/","title":{"rendered":"\u00c4rzte mit Grenzen"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">W\u00e4hrend Deutschland dringend \u00c4rzte auch aus dem Ausland sucht, sollen zwei junge syrische Mediziner aus Berlin abgeschoben werden.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-155\" src=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Syrien.jpg\" alt=\"Syrien\" width=\"600\" height=\"343\" srcset=\"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Syrien.jpg 600w, https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Syrien-300x171.jpg 300w, https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Syrien-96x55.jpg 96w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p class=\"article first odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Zwei Jahre h\u00e4tte Mahran M. noch gebraucht, um seine Facharztausbildung zum An\u00e4sthesisten zu beenden. Doch der Krieg in seinem Heimatland Syrien kam dem 29-J\u00e4hrigen dazwischen. Mahran M. fl\u00fcchtete 2012 nach Jordanien.<\/span><\/p>\n<p class=\"article\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">In der Stadt Irbid nahe der s\u00fcdwestlichen Grenze zu Syrien versorgte er \u00fcber ein Jahr lang mit anderen syrischen \u00c4rzten B\u00fcrgerkriegsfl\u00fcchtlinge und versuchte, medizinische Hilfsg\u00fcter auch nach Syrien weiterzuleiten. Mehrmals wurden er und sein ebenfalls 29 Jahre alter Kollege Anas A., ein Zahnarzt, deshalb in Jordanien verhaftet und vom Geheimdienst vernommen. \u201eSie haben uns bearbeitet, wie man das bei uns nennt\u201c, sagt Anas A. Geschlagen, meint er damit. Die jordanischen Beh\u00f6rden wollten nicht, dass syrische Fl\u00fcchtlinge im Land aktiv seien. \u201eEs ging uns aber nur um humanit\u00e4re Hilfe, nicht um Politik\u201c, sagt Anas A.<\/span><\/p>\n<p class=\"article odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Als die beiden jungen \u00c4rzte den Druck nicht mehr aushielten, baten sie den franz\u00f6sischen Konsul in der jordanischen Hauptstadt Amman, den Anas A. von \u00dcbergaben von Spenden und Hilfsg\u00fctern aus Frankreich kannte, um ein Visum zur Einreise in die europ\u00e4ischen Schengenstaaten. Ganz legal flogen die beiden dann damit von Amman direkt nach Berlin und beantragten Asyl.<\/span><\/p>\n<p class=\"article even\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Das war im November vergangenen Jahres. Heute, knapp sieben Monate sp\u00e4ter, sitzen Mahran M. und Anas A. in einer Fl\u00fcchtlingsberatungsstelle in Berlin und fragen sich, was genau sie falsch gemacht haben. Denn Deutschland will sie abschieben \u2013 nach Frankreich, das Land, das ihnen mit der Ausstellung des Visums f\u00fcr die 26 Schengenstaaten die legale Einreise nach Europa erm\u00f6glicht hat. Sie h\u00e4tten den illegalen und gef\u00e4hrlichen Weg mithilfe von Schleppern und Booten \u00fcbers Mittelmeer vermeiden wollen, sagt Anas \u2013 ganz w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt sagt er eigentlich \u201eBlutsauger\u201c statt \u201eSchlepper\u201c.<\/span><\/p>\n<p class=\"article odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Doch genau das wird den beiden jungen \u00c4rzten nun zum Verh\u00e4ngnis: Frankreich sei f\u00fcr ihr Asylersuchen zust\u00e4ndig, sagen die deutschen Beh\u00f6rden, und berufen sich auf die im Asylverfahrensgesetz festgelegte \u201eSichere-Drittstaaten-Regelung\u201c. Wer nicht direkt aus seinem Fluchtland, sondern \u00fcber ein von den hiesigen Beh\u00f6rden als sicher betrachtetes drittes Land nach Deutschland eingereist ist, hat keinen Anspruch auf Asyl in der Bundesrepublik, sondern muss seinen Antrag auf Schutz in dem Drittland stellen.<\/span><\/p>\n<p class=\"article even\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Franz\u00f6sischen Boden haben Anas A. und Mahran M. zwar nie betreten. Doch allein, dass sie bei der Abholung ihrer Visa in der franz\u00f6sischen Botschaft in Amman ihre Fingerabdr\u00fccke abgeben mussten, reichte der Berliner Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde und dem Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) f\u00fcr die Begr\u00fcndung der Nichtzust\u00e4ndigkeit und der Abschiebung.<\/span><\/p>\n<p class=\"article odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Mahran M. tr\u00e4gt seit ein paar Tagen bereits die sogenannte Grenz\u00fcbertrittsbescheinigung bei sich, die ihn zur Ausreise aus der Bundesrepublik zwingt. Leistet er bis Juli nicht freiwillig Folge, wird er zwangsweise abgeschoben. Anas A., der das BAMF schriftlich aufgefordert hat, ihn wenn, dann nach Syrien abzuschieben, hat noch eine \u201eAufenthaltsgestattung\u201c. Die bekommt, wessen Asylantrag noch in Bearbeitung ist. Dass er in Deutschland keine Chance habe, habe ihm der Beamte im BAMF aber gleich zu Beginn seiner ersten Befragung dort gesagt, erz\u00e4hlt der junge Zahnarzt.<\/span><\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Syrische Abschl\u00fcsse werden anerkannt<\/span><\/h6>\n<p class=\"article even\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Dabei braucht Deutschland dringend \u00c4rzte, auch im Ausland wird nach ihnen gesucht. H\u00e4tten die beiden sich \u00fcber das k\u00fcrzlich erleichterte Anerkennungsverfahren f\u00fcr ausl\u00e4ndische Berufsabschl\u00fcsse um Aufenthalts- und Arbeitsrecht in Deutschland beworben, h\u00e4tten sie \u201egar keine schlechten Chancen\u201c gehabt, sagt ein Experte der vom Bundesamt f\u00fcr Wissenschaft und Forschung eingerichteten Anerkennungsstelle auf Anfrage der taz. Denn anders als Frankreich, wo sie Teile der Ausbildung und Pr\u00fcfungen wiederholen m\u00fcssten, erkennt Deutschland die Zeugnisse der syrischen Mediziner an. Das BAMF finanziert derzeit sogar spezielle Sprach- und Integrationskurse f\u00fcr die MedizinerInnen unter den syrischen Fl\u00fcchtlingen, um sie schneller im hiesigen Gesundheitssystem besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen. Auch Anas A. und Mahran M. nehmen an einem solchen Kurs teil.<\/span><\/p>\n<p class=\"article odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Zu sagen, dass die beiden jungen M\u00e4nner verzweifelt sind, w\u00e4re untertrieben. Mahran M. verschr\u00e4nkt die Arme hinter dem Kopf, es sieht fast l\u00e4ssig aus: Den Zustand der Resignation habe er hinter sich, sagt der schmale junge Mann und l\u00e4chelt h\u00f6flich. Anas A.s Knie vibriert unaufh\u00f6rlich. Von dem Foto auf seinen kurz nach der Einreise ausgestellten Aufenthaltspapieren l\u00e4chelt ein bulliger junger Mann. Jetzt ist er kaum wiederzuerkennen: 30 Kilo hat Anas abgenommen, seit er in Deutschland ist.<\/span><\/p>\n<p class=\"article odd\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><em>Source: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Asyl\/!139629\/\" target=\"_blank\">taz.de<\/a><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Jahre h\u00e4tte Mahran M. noch gebraucht, um seine Facharztausbildung zum An\u00e4sthesisten zu beenden. Doch der Krieg in seinem Heimatland&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":155,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-154","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Syrien.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=154"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":167,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/154\/revisions\/167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}