{"id":1420,"date":"2018-08-30T22:18:13","date_gmt":"2018-08-30T22:18:13","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1420"},"modified":"2018-08-30T22:18:13","modified_gmt":"2018-08-30T22:18:13","slug":"massenhinrichtungen-im-sommer-1988-ein-dunkles-kapitel-der-iranischen-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/massenhinrichtungen-im-sommer-1988-ein-dunkles-kapitel-der-iranischen-geschichte\/","title":{"rendered":"Massenhinrichtungen im Sommer 1988: Ein dunkles Kapitel der iranischen Geschichte"},"content":{"rendered":"<div>\n<p class=\"excerpt\">Im Sommer 1988 erlie\u00df der Revolutionsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder der Islamischen Republik Ayatollah Ruhollah Khomeini ein Dekret, mit dem Tausende politische H\u00e4ftlinge zum Tode verurteilt wurden.<\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Die Hingerichteten waren Gefangene, die Jahre zuvor wegen ihrer politischen Aktivit\u00e4ten verurteilt worden waren und zum Teil ihre Haftstrafen bereits abgesessen hatten.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Monireh Baradaran war in dieser Zeit als linke Aktivistin im Gef\u00e4ngnis und erlebte, wie ihre Zellengenossinnen zur Hinrichtung abgeholt wurden. Nach ihrer Entlassung verlie\u00df sie den Iran und lebt seit 1991 in Deutschland. Ihre Gef\u00e4ngnismemoiren hat Baradaran der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht. Das Buch mit dem Titel <a class=\"firstChild lastChild\" href=\"http:\/\/www.unionsverlag.com\/info\/title.asp?title_id=1759\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eErwachen aus dem Alptraum\u201c<\/a>\u00a0wurde in mehrere Sprachen, auch ins Deutsche, \u00fcbersetzt. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><em class=\"firstChild lastChild\">Iran Journal<\/em> hat Monireh Baradaran aus Anlass des 30. Jahrestags der Massenhinrichtungen interviewt. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Iran Journal: Warum hat das Regime die Massenhinrichtungen im Sommer 1988 durchgef\u00fchrt \u2013 warum nicht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Monireh Baradaran:<\/b><\/span><span class=\"lastChild\"> Die so genannten S\u00e4uberungen in den iranischen Gef\u00e4ngnissen im Sommer 1988 waren Teil einer Strategie, die die Islamisten zur Verfestigung eines islamischen Systems schon seit 1979, direkt nach der Revolution, angewendet hatten, n\u00e4mlich die Beseitigung aller Andersdenkenden und Oppositionellen. Es ging darum, keine Gegenstimmen von Linken, Volksmudschaheddin oder parteipolitisch neutralen Intellektuellen in der Gesellschaft zuzulassen. Sie alle wurden entweder hingerichtet, verhaftet oder ins Exil getrieben. Diese Praxis h\u00e4lt in ver\u00e4nderter Form bis heute an.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Glauben Sie, dass das eine spontane Aktion seitens des Regimes war, oder war es von langer Hand geplant? <\/b><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_22870\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-22870 firstChild\" src=\"http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Download.jpeg\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" srcset=\"http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Download.jpeg 400w, http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Download-302x453.jpeg 302w\" alt=\"Monireh Baradaran\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text lastChild\"><em class=\"firstChild lastChild\">Monireh Baradaran<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Das Regime hatte diese Massenhinrichtungen l\u00e4nger geplant. Wochen vorher wurden viele Gefangene voneinander getrennt, manche wurden in andere Gef\u00e4ngnisse verlegt. Man hatte den Eindruck, dass etwas Besonderes, etwas Furchtbares bevorsteht. Es war kurz vor Ende des achtj\u00e4hrigen Krieges gegen den Irak. In dieser Zeit griffen die Mudschaheddin mit Unterst\u00fctzung der irakischen Armee vom Irak aus den Iran an, in der Hoffnung, das Regime zu st\u00fcrzen. Ihr Angriff wurde innerhalb von drei Tagen zur\u00fcckgeschlagen. Im Gegenzug richtete das Regime verst\u00e4rkt Gefangene hin, die den Volksmudschaheddin angeh\u00f6rten. Bei den Massenhinrichtungen wurde auch mit den Linken abgerechnet. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Wie wurde das Geschehen legitimiert?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Durch ein Dekret von Ayatollah Khomeini. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Gibt es genaue Zahlen der Hingerichteten?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Mehr als 3.800 F\u00e4lle wurden bisher dokumentiert. Etwa 90 Prozent davon geh\u00f6rten den Mudschaheddin an. Die Familien der Hingerichteten haben die Leichen ihrer Angeh\u00f6rigen nie bekommen. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Wurde bei Frauen und M\u00e4nnern \u00e4hnlich vorgegangen?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild\">Bei den linken Frauen wurde das religi\u00f6se Gebot Ertedad (Apostasie) angewandt. Nach diesem Gebot muss man Frauen, die vom Glauben abgekommen sind, so lange in Haft behalten, bis sie Reue zeigen oder sterben. Bei vielen linken Frauen wurde angeordnet, dass sie <\/span><span class=\"firstChild lastChild\">t\u00e4glich zu den Gebetszeiten f\u00fcnfundzwanzig Peitschenhieben bekommen. <\/span><span class=\"lastChild\">Das Auspeitschen dauerte so lange wie das Gebet. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Und die Frauen der Mudschaheddin?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Sie wurden hingerichtet, obwohl sie gl\u00e4ubige Musliminnen waren. In unserem Trakt gab es 44 Mudschahed-Frauen, die alle hingerichtet wurden. <\/span><\/p>\n<div>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Es gab in Teheran ein dreik\u00f6pfiges Team, die \u201eTodeskommission\u201c. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Wie verlief das genau?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Bei Mudschaheddin fragten sie: Wie stehst du zur Islamischen Republik? Wie stehst du zu deiner Organisation? Wenn die Gefangene sagte: Ich bin ein Mudschahed, reichte das aus, um hingerichtet zu werden. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Und bei den Linken?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Bei den Linken war die Frage \u201eBist du gl\u00e4ubige Muslimin?\u201c sehr wichtig. Wenn jemand Nein sagte, fiel das Urteil Hinrichtung. Wenn jemand sagte, \u201eIch bin in einer islamischen Familie geboren\u201c, wurden weitere Fragen gestellt, etwa: \u201eBetest du?\u201c Und je nach den Vorstellungen des so genannten Richters wurden die Gefangenen dann hingerichtet oder nicht.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Das hei\u00dft, man konnte mit L\u00fcgen sein Leben retten?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Ja. Aber die meisten Gefangenen hatten keine Ahnung, wozu das neuerliche Verh\u00f6r diente. Manche dachten, es ginge darum, innerhalb des Gef\u00e4ngnisses bestimmte Gruppierungen voneinander zu trennen. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Warum hat das Regime mit den Hinrichtungen aufgeh\u00f6rt und nicht alle linken Gefangenen und Mudschaheddin beseitigt?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Es gibt keine plausiblen Gr\u00fcnde daf\u00fcr. Aber ich gehe davon aus, dass das Regime damit die letzten Kritiker und Gegner, die es f\u00fcr gef\u00e4hrlich hielt, beseitigen wollte. Sie haben irgendwann gedacht, genug Schrecken erzeugt und die anderen damit zum Schweigen gebracht zu haben. Sie wollten das Grauen nicht in die L\u00e4nge ziehen, um eventuellen Protesten der Familien und Menschenrechtler vorzubeugen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_18290\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-18290 firstChild\" src=\"http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/03.png\" sizes=\"auto, (max-width: 589px) 100vw, 589px\" srcset=\"http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/03.png 1008w, http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/03-302x170.png 302w, http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/03-768x432.png 768w, http:\/\/iranjournal.org\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/03-980x551.png 980w\" alt=\"Khavaran-Friedhof in Teheran - Foto: Parastou Forouhar\" width=\"589\" height=\"331\" \/><\/p>\n<p class=\"wp-caption-text lastChild\"><em class=\"firstChild lastChild\">Khavaran-Friedhof in Teheran \u2013 Foto: Parastou Forouhar<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Glauben Sie nicht, dass kritische Stimmen innerhalb des Systems ein Grund f\u00fcr die Beendigung der Massenhinrichtungen gewesen sein k\u00f6nnten?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild\">Ayatollah Montazeri, der designierte Nachfolger von Revolutionsf\u00fchrer Khomeini, der sp\u00e4ter in Ungnade fiel und unter Hausarrest gestellt wurde, hat dagegen protestiert. Vor nicht allzu langer Zeit wurde <span class=\"firstChild lastChild\"><a class=\"firstChild lastChild\" href=\"http:\/\/iranjournal.org\/politik\/iran-hinrichtungen-montazeri\">eine Tonaufnahme ver\u00f6ffentlicht<\/a><\/span>, in der er mit den so genannten Richtern spricht, die die Gefangenen im Sommer 88 zum Tode verurteilten. Er \u00e4u\u00dfert sich dort emp\u00f6rt \u00fcber die Geschehnisse. Doch die anderen sprechen so l\u00e4ssig \u00fcber ihre schrecklichen Taten, als ginge es nicht um die T\u00f6tung von Menschen, sondern um gesch\u00e4ftliche Angelegenheiten. Au\u00dfer Montazeri soll auch ein so genannter Revolutionsrichter in<\/span> der s\u00fcdwestiranischen Stadt Dezful <span class=\"lastChild\">dagegen gewesen sein. Aber alle anderen waren entweder daf\u00fcr oder haben geschwiegen.<\/span><\/p>\n<p><b class=\"firstChild lastChild\">Wusste au\u00dfer den Verantwortlichen niemand von den geheimen Hinrichtungen?<\/b><\/p>\n<p><span class=\"firstChild\">Doch, es gab vereinzelt Informationen dar\u00fcber. Die Familien wussten, dass das Besuchsverbot kein gutes Zeichen sein kann, dass etwas Ungew\u00f6hnliches im Gange ist. Sie versammelten sich immer wieder vor den Gef\u00e4ngnissen und verlangten nach Erkl\u00e4rungen. Sie benachrichtigten auch das Ausland, so bekam Amnesty International davon Wind. <\/span><span class=\"firstChild lastChild\">Auch<\/span> manche Freitagsprediger wie Rafsanjani oder Mousavi Ardebili hatten Andeutungen gemacht, <span class=\"firstChild lastChild\">die etwas Schreckliches vermuten lie\u00dfen<\/span><span class=\"lastChild\">. Aber vom Ausma\u00df der Hinrichtungen wusste niemand. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Wurden Sie auch verh\u00f6rt?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Nein!<\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Welche Ihrer Mitgefangenen wurden hingerichtet?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Das waren politische Gefangenen, die mehrheitlich seit 1981 inhaftiert und schon l\u00e4ngst verurteilt worden waren. Viele von ihnen hatten ihre Haftstrafen abgesessen und h\u00e4tten eigentlich freigelassen werden m\u00fcssen. Das waren Menschen, die immer noch ihren politischen Weltanschauungen treu waren. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Wann und wie haben Sie das Ganze erlebt?<\/b><\/span><\/p>\n<div>\n<p><span class=\"firstChild\">Am Anfang des zweiten Sommermonats wurden zum <\/span><span class=\"firstChild lastChild\">ersten Mal drei Anh\u00e4ngerinnen der Mudschaheddin aus unserem Trakt geholt. Wir hatten alle wochenlang keine Besuchserlaubnis, was uns beunruhigte. Die Mudschahed-Frauen kamen nicht mehr zur\u00fcck, und ich hatte so ein beklemmendes<\/span><span class=\"lastChild\"> Gef\u00fchl, denn es war klar, dass sie nicht entlassen worden waren. Doch was mit ihnen geschehen ist, wusste niemand. Erst als wir wieder Besuch hatten, erfuhren wir von den Hinrichtungen und deren Ausma\u00df. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">In den vergangenen Jahrzehnten wurde viel f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung der Geschehnisse in jenem Sommer getan. Was hat das gebracht?<\/b><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_14353\" class=\"wp-caption alignleft\">\n<p class=\"wp-caption-text lastChild\"><em class=\"firstChild lastChild\">\u00a0<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p><span class=\"firstChild\">In dieser Hinsicht verdanken wir den <span class=\"firstChild lastChild\"><a class=\"firstChild lastChild\" href=\"http:\/\/iranjournal.org\/politik\/spaete\">\u201eM\u00fcttern von Khavaran\u201c<\/a><\/span> (M\u00fctter politischer Gefangener, die bei den Massenhinrichtungen get\u00f6tet wurden) viel. Sie haben im Laufe der Jahre durch ihre Versammlungen auf dem Friedhof Khavaran (wo viele der Hingerichteten in Massengr\u00e4bern liegen), vor der Justizbeh\u00f6rde in Teheran und durch offene Briefe an die Verantwortlichen auf die Massenhinrichtungen hingewiesen und ihre Stimme sogar ins Ausland getragen. Nach und nach schlossen sich auch andere Frauen an. Sie wollten und wollen immer noch wissen, warum ihre Kinder<\/span><span class=\"firstChild lastChild\">, Ehem\u00e4nner oder<\/span> <span class=\"firstChild lastChild\">Geschwister<\/span><span class=\"lastChild\"> hingerichtet wurden und wo sie begraben sind. Offene Fragen, auf die bisher niemand eingegangen ist. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Im Ausland wurden dann verschiedene Aktivit\u00e4ten gestartet. Unter anderem hat die Borumand-Stiftung den britischen Richter Geoffrey Robertson mit Recherchen und der Erstellung eines juristischen Gutachtens beauftragt. Er hat mit Hinterbliebenen und Zeitzeugen, auch mit mir, Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und 2010 bekannt gegeben, dass die Massenhinrichtungen des Sommers 1988 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bezeichnen seien. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Es gab auch ein Iran-Tribunal, das Wahrheitskommission genannt wird. <\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Ja, darin haben sich mehrere internationale Richter mit dem Thema befasst und die Islamische Republik symbolisch angeklagt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Die \u201eM\u00fctter von Khavaran\u201c hatten Vorbilder, die international f\u00fcr Aufsehen gesorgt haben. Die Ber\u00fchmtesten sind die M\u00fctter der verschwundenen politischen Gefangenen in Argentinien und der T\u00fcrkei. Warum haben die \u201eM\u00fctter von Khavaran\u201c nicht die gleiche Aufmerksamkeit erlebt wie diese?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Das ist eine wichtige Frage, auf die ich keine plausible Antwort habe. Die M\u00fctter in Argentinien wurden von Medien und Verteidigern der Menschenrechte in allen Kontinenten, sogar vom Papst, unterst\u00fctzt. Leider haben die M\u00fctter von Khavaran nicht die gleiche internationale Unterst\u00fctzung erhalten. Vielleicht ist das Schwarz-Wei\u00df-Bild, das vom Iran in den Medien gezeichnet wird, ein Faktor daf\u00fcr. Entweder romantisiert man den Iran oder man zeigt schreckliche Bilder. Dass es einen Widerstand, eine Streben nach Gerechtigkeit von einigen Hundert M\u00fcttern gibt, passt nicht in dieses Bild. Au\u00dferdem wurde die Verteidigung der Menschenrechte etwa in Deutschland institutionalisiert. Es ist nicht mehr wie in den 1970ern oder 80ern, wo Tausende Menschen daf\u00fcr auf die Stra\u00dfen gingen. Heute unterschreibt man lieber eine Petition im Internet. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><b class=\"firstChild lastChild\">Glauben Sie, dass irgendwann Licht in das Geschehen kommt und die \u00d6ffentlichkeit mehr dar\u00fcber erf\u00e4hrt?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\">Ja, sicher! Durch die modernen Kommunikationsmittel, besonders durch die sozialen Netzwerke, wissen immer mehr IranerInnen von diesen grauenvollen Ereignissen. Im Gegensatz zu den 1980ern sind die Massenhinrichtungen des Sommers 1988 nicht mehr nur Angelegenheit der Familien der Hingerichteten, sondern der ganzen Gesellschaft. Die junge Generation zeigt Interesse an diesen politischen Verbrechen und das gibt mir die Hoffnung, ja die Sicherheit, dass es irgendwann in absehbarer Zeit zur Aufkl\u00e4rung dar\u00fcber kommen wird. Allerdings brauchen wir, das hei\u00dft die AktivistInnen und die Familien der Hingerichteten, daf\u00fcr die internationale Solidarit\u00e4t. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"firstChild lastChild\"><strong class=\"firstChild lastChild\"><em class=\"firstChild\">Das Interview f\u00fchrte <\/em><a class=\"lastChild\" href=\"http:\/\/iranjournal.org\/politik\/proteste-iran\">Farhad Payar<\/a><\/strong><\/span><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"http:\/\/iranjournal.org\/politik\/iran-hinrichtungen-sommer1988\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: Iran Journal<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Sommer 1988 erlie\u00df der Revolutionsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder der Islamischen Republik Ayatollah Ruhollah Khomeini ein Dekret, mit dem Tausende politische H\u00e4ftlinge zum Tode verurteilt wurden. 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