{"id":1415,"date":"2018-08-25T10:23:36","date_gmt":"2018-08-25T10:23:36","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1415"},"modified":"2018-08-25T10:23:36","modified_gmt":"2018-08-25T10:23:36","slug":"neue-fluechtlingsmission-im-mittelmeer-fischkutter-gegen-das-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/neue-fluechtlingsmission-im-mittelmeer-fischkutter-gegen-das-sterben\/","title":{"rendered":"Neue Fl\u00fcchtlingsmission im Mittelmeer: Fischkutter gegen das Sterben"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Auf der Fl\u00fcchtlingsroute zwischen der T\u00fcrkei und Lesbos beginnt die Mission \u201eMare Liberum\u201c. Sie will staatlichen Akteuren auf die Finger schauen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Es ist noch nicht lange her, seit sich der Wind f\u00fcr die private Seenotrettung in Europa vollends ins Negative gedreht hat. Mitte Juni musste die Organisation <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5516404\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" shape=\"rect\">Sea-Eye<\/a> ihre Mission vor der libyschen K\u00fcste abbrechen, nachdem ihrem Schiff der seerechtliche Schutzstatus entzogen wurde. Kurz darauf wurde die \u201eLifeline\u201c mit 234 geretteten Fl\u00fcchtlingen an Bord tagelang <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Gruene-Abgeordnete-ueber-Fluechtlingsschiff\/!5515536\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" shape=\"rect\">daran gehindert, einen sicheren Hafen anzusteuern<\/a>.<\/p>\n<p class=\"article even\">Das Team der neuen Berliner Mission Mare Liberum war da gerade dabei, sein Schiff in den Niederlanden zu registrieren, wie so viele andere Seenotretter zuvor. Doch dann versch\u00e4rfte die niederl\u00e4ndische Regierung ihre Bedingungen \u2013 die Aktivisten waren gezwungen, sich eine andere Flagge zu suchen. \u201eDas hat uns zur\u00fcckgeworfen\u201c, sagt Hanno Bruchmann, der das Projekt Mare Liberum als Vereinsvorstand seit Monaten vorangetrieben hat.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Zwei Monate sp\u00e4ter sind alle beh\u00f6rdlichen Hindernisse aus dem Weg ger\u00e4umt, die Mission im \u00f6stlichen Mittelmeer steht vor ihrem Start. Die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema Seenotrettung infolge der restriktiven EU-Politik habe ihnen auch geholfen, sagt Bruchmann, etwa beim Spendensammeln. Noch diese Woche wird ihr 101 Jahre alter ehemaliger Fischkutter in See stechen, vom S\u00fcden der griechischen Insel Lesbos in das Einsatzgebiet im Norden der Insel, dort, wo das t\u00fcrkische Festland nur noch etwa zehn Kilometer entfernt ist.<\/p>\n<p class=\"article even\">Bruchmann, der in der N\u00e4he des Karpfenteichs im Treptower Park wohnt, aber keine Erfahrung auf hoher See hat, wird mit an Bord sein. Die private Seenotrettung nennt er die \u201ekonsequenteste, richtige Antwort auf das Sterbenlassen im Mittelmeer\u201c. Die Debatten um Migration, Flucht und Asyl seien zur \u201ezentralen gesellschaftlichen Auseinandersetzung geworden\u201c.<\/p>\n<h6>Mit dem alten Sea-Watch-Kutter<\/h6>\n<p class=\"article even\">Seit Ende vergangenen Jahres hat Bruchmann zusammen mit dem Kernteam von etwa 15 Aktivisten, viele davon aus Berlin, einige aus Hamburg, Griechenland und Italien, das Schiff \u201eSea Watch\u201c 1 gekauft, einen Verein gegr\u00fcndet, die ersten Spenden gesammelt und die Logistik f\u00fcr die Jungfernfahrt vorbereitet.<\/p>\n<p class=\"article even\">Zu sechst werden sie nun aufbrechen, um ihren Beitrag gegen Europas Abschottung zu leisten. Mit dabei sind eine Bootsbauerin, ein Arzt, Menschen, die auch schon vor Libyen Leben gerettet haben. Was sie auf dem Meer erwarten wird, wei\u00df Bruchmann noch nicht genau, doch der blonde 32-J\u00e4hrige kann es kaum abwarten: \u201eIch freue mich darauf, auf das Schiff zu kommen und zu sehen, dass sich die Arbeit gelohnt hat.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Knapp drei Wochen wird der erste Einsatz dauern, dann wird eine n\u00e4chste Crew \u00fcbernehmen. Bruchmann und seine Mitstreiter wollen die Rettung der Fl\u00fcchtlinge auf offenem Meer dokumentieren, auch in Zusammenarbeit mit einem Netzwerk internationaler Anw\u00e4lte und Menschenrechtsaktivisten.<\/p>\n<p class=\"article even\">Anders als die Rettungsschiffe von Sea Watch oder <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5521718\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" shape=\"rect\">Jugend rettet<\/a>, die vor der libyschen K\u00fcste oftmals die einzigen sind, die Fl\u00fcchtlinge von ihren Schlauchbooten retten, sind im \u00c4g\u00e4ischen Meer staatliche Akteure nie weit. Griechische und t\u00fcrkische K\u00fcstenwache, Europas Grenzschutzagentur Frontex und die Nato kreuzten mit ihren Booten rings um <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5452023\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" shape=\"rect\">Lesbos<\/a>.<\/p>\n<h6>Steigende Zahlen<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Allein in der vergangenen Woche waren es 600 Menschen, die diesen Weg in die Europ\u00e4ische Union suchten. Vielleicht auch, weil es 2015 noch 900.000 Fl\u00fcchtlinge auf dieser Route gab, ehe die Zahl durch den EU-T\u00fcrkei-Fl\u00fcchtlingsdeal massiv reduziert wurde, schaut momentan kaum jemand in diese Region.<\/p>\n<p class=\"article even\">Dabei ist die \u00c4gais weiterhin eine oftmals t\u00f6dliche Grenze. Erst vor gut einer Woche starben sieben Frauen und zwei Kinder, allesamt aus dem Irak auf ihrem Weg nach Lesbos, Ende Juli \u00fcberlebten sechs T\u00fcrken die \u00dcberfahrt nicht. Gab es keine M\u00f6glichkeit, sie zu retten, fragt Bruchmann. Den staatlichen Akteuren wolle man \u201eauf die Finger schauen, hartn\u00e4ckig\u201c, auch um zu verhindern, dass es zu Push-Backs kommt, dem illegalen Zur\u00fcckdr\u00e4ngen von Booten in t\u00fcrkische Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Im vergangenen Sommer war schon einmal eine Beobachtermission des Brandenburger Vereins Sea Watch in der Region unterwegs. Aus ihr heraus entwickelte sich dann das eigenst\u00e4ndige Projekt Mare Liberum, das den alten Sea-Watch-Kutter g\u00fcnstig \u00fcbernehmen konnte. \u201eVielleicht sind wir bald die Einzigen, die noch mit einem Schiff auf dem Mittelmeer unterwegs sind\u201c, sagt Bruchmann betont sarkastisch.<\/p>\n<p class=\"article last even\">Andererseits sei mit der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5519102\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" shape=\"rect\">Aktion \u201eSeebr\u00fccke\u201c<\/a>, die seit Wochen \u00fcberall in Deutschland Menschen mobilisiere, erstmals eine Gegenerz\u00e4hlung zum rechten Diskurs sichtbar. \u201eDas bringt uns eine \u00d6ffentlichkeit, in der man sich bewegen kann.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Neue-Fluechtlingsmission-im-Mittelmeer\/!5525956\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Fl\u00fcchtlingsroute zwischen der T\u00fcrkei und Lesbos beginnt die Mission \u201eMare Liberum\u201c. 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