{"id":1300,"date":"2017-09-19T07:15:56","date_gmt":"2017-09-19T07:15:56","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1300"},"modified":"2017-09-19T07:15:56","modified_gmt":"2017-09-19T07:15:56","slug":"25-jahre-mykonos-attentat-als-der-iran-seine-moerder-schickte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/25-jahre-mykonos-attentat-als-der-iran-seine-moerder-schickte\/","title":{"rendered":"25 Jahre Mykonos-Attentat: Als der Iran seine M\u00f6rder schickte"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Vor 25 Jahren wurden in einem Restaurant in Berlin vier iranisch-kurdische Politiker erschossen. Der Prozess gegen die M\u00f6rder war ein internationales Politikum.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Auf dem Gehweg vor dem Haus Prager Stra\u00dfe 2a in Wilmersdorf steht eine unscheinbare Tafel in Edelstahl. Sie erinnert an die Opfer des sogenannten Mykonos-Attentats: Am 17. September 1992 wurden in dem gleichnamigen Restaurant, das es heute nicht mehr gibt, vier iranisch-kurdische Politiker ermordet. Solch kleinen Gedenkorten wird ja im Alltag selten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Doch als die Tafel vor ein paar Wochen verschwand, war die Aufregung unter Berliner Iranern gro\u00df. Dahinter stecke bestimmt das Mullahregime in Teheran, mutma\u00dften einige in sozialen Netzwerken.<\/p>\n<p class=\"article even\">V\u00f6llig abwegig war die These nicht: Als die Gedenktafel 2004 aufgestellt wurde, schrieb der damalige B\u00fcrgermeister Teherans, der sp\u00e4tere iranische Pr\u00e4sident Mahmud Ahmadinedschad, einen Brief an den damaligen Regierenden B\u00fcrgermeister Klaus Wowereit, in dem er die Tafel als Beleidigung des Irans bezeichnete. Und so viel ist auch wahr: Das Mykonos-Attentat und der Prozess am Berliner Kammergericht gegen die M\u00f6rder haben in gewisser Weise Weltgeschichte geschrieben.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\u201eEs war der erste und meines Wissens auch der bislang einzige Prozess, in dem der iranische Staat als T\u00e4ter genannt wurde\u201c, erz\u00e4hlt Bruno Jost. Der fr\u00fchere Bundesanwalt \u2013 und heutige Sonderermittler des Senats zum Breitscheidplatz-Attent\u00e4ter \u2013 wies damals als Ankl\u00e4ger nach, dass hinter dem Organisator des Anschlags, dem Iraner Kazem Darabi, und seinen drei libanesischen Helfern der iranische Geheimdienst stand. Der Mordauftrag war von h\u00f6chsten staatlichen Stellen abgesegnet worden.<\/p>\n<p class=\"article even\">Das Urteil, verk\u00fcndet im \u00adApril 1997, l\u00f6ste ein politisches Erdbeben aus. \u201eEs folgten Monate der Eiszeit zwischen Europa und Iran\u201c, erinnert sich Hamid Nowzari, Gr\u00fcnder und Vorsitzender des Vereins iranischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin, der f\u00fcr den heutigen Samstag eine Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag des Anschlags organisiert hat.<\/p>\n<div class=\"article rack no4\">\n<div id=\"\" class=\"first last odd sect sect_text \" role=\"region\">\n<div class=\"secthead\" role=\"heading\">\n<h2><a name=\"25 Jahre Mykonos-Attentat\"><\/a>25 Jahre Mykonos-Attentat<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"sectbody\">\n<p>Der Verein iranischer Fl\u00fcchtlinge in Berlin und das Komitee zur Unterst\u00fctzung der politischen Gefangenen im Iran laden f\u00fcr diesen <b>Samstag, den 16. Septemb<\/b>er, zu einer <b>Gedenkveranstaltung<\/b> in die Werkstatt der Kulturen in Neuk\u00f6lln ein (19 Uhr, Wissmannstra\u00dfe 32). Hauptredner ist Bruno Jost, Bundesanwalt a.\u2009D., der damals die Ermittlungen gegen die M\u00f6rder und ihre Hinterm\u00e4nner in der iranischen Regierung leitete. Er wird \u00fcber juristische Aspekte des Mykonos-Prozesses sprechen. Die Anthropologin Chowra Makaremi redet danach \u00fcber \u201eVerbrechen und Verleumdung in Iran heute\u201c.<\/p>\n<p>Am <b>Sonntag, 17. Septemb<\/b>er, treffen sich oppositionelle iranische Gruppen, darunter die Demokratische Partei Kurdistan- Iran, ab 12 Uhr zur <b>Kranzniederlegung<\/b> an der Gedenktafel am Tatort Prager Stra\u00dfe 2a. (sum)<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<h6>Die Anklage passte der Politik gar nicht<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Vor allem in Deutschland, das als einziges westliches Land den \u201ekritischen Dialog\u201c mit den Mullahs suchte, sei man entsetzt gewesen \u00fcber die \u201eFrechheit\u201c der Iraner, so Nowzari. Mitarbeiter des iranischen Geheimdienstes wurden ausgewiesen, gegen den Minister f\u00fcr Nachrichtendienste und Sicherheitsangelegenheiten, der kurz vor Prozessbeginn noch im Kanzleramt zu Besuch gewesen war, wurde Haftbefehl erlassen. Die EU brach, zumindest kurzzeitig, ihre Beziehungen zum Iran ab.<\/p>\n<p class=\"article even\">Dass es so weit kam, passte der damaligen Bundesregierung \u00fcberhaupt nicht. Schlie\u00dflich bestand ihr \u201eDialog\u201c (wie heute auch) vor allem im Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zur \u201eIslamischen Republik\u201c. \u201eDie h\u00e4tten den staatsterroristischen Hintergrund lieber au\u00dfen vor gelassen\u201c, so Nowzari, der keinen Verhandlungstag in den dreieinhalb Jahren des Prozesses verpasste. Jost verweist bei der Frage, ob man damals politischen Druck auf ihn ausge\u00fcbt habe, auf seine Schweigepflicht: \u201eSagen wir es mal so: Die Freude der Bundesregierung hielt sich in Grenzen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">F\u00fcr Berliner Iraner \u2013 zumindest die Oppositionellen unter ihnen \u2013 ist der 17. September bis heute ein wichtiger Tag. \u201eEs geht um das Gedenken an die Opfer, ein solches Verbrechen verj\u00e4hrt nicht\u201c, sagt Nowzari. Drei der vier Mordopfer waren f\u00fchrende Vertreter der Demo\u00adkratischen Partei Kurdistans (DPK-I), die auf Einladung des damaligen SPD-Vorsitzenden Bj\u00f6rn Engholm auf dem Kongress der Sozialistischen Internationale in Berlin zu Gast waren.<\/p>\n<p class=\"article even\">Und sie waren nicht die ersten Oppositionellen, die das Regime im Ausland t\u00f6ten lie\u00df. Es gab eine Kette von Anschl\u00e4gen gegen Iraner in Europa. Aber erst durch den Berliner Prozess sei aktenkundig geworden, so Nowzari, \u201ewas wir Oppositionelle schon lange sagten: dass der Iran dahinterstand. Das war ein historischer Meilenstein.\u201c<\/p>\n<h6>\u201eSchon ein bisschen Angst\u201c<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Nach dem Urteil h\u00f6rten die Anschl\u00e4ge in Europa schlagartig auf. Dazu habe der Prozess \u201ezumindest beigetragen\u201c, meint auch Jost. Iraner Oppositionelle, die auch im Exil lange in Angst leben mussten, begannen \u00adlangsam, sich sicherer zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Was nicht bedeutet, dass der iranische Geheimdienst hierzulande nicht mehr aktiv w\u00e4re, sagt Nowzari: Oppositionelle wie er w\u00fcrden unver\u00e4ndert unter dessen Beobachtung stehen. Sein Verein sei schon mehrfach von deutschen Geheimdiensten gewarnt worden, dass jemand versuche, sie zu infiltrieren. Daher w\u00fcrde er, wie viele andere IranerInnen, auch nicht in die alte Heimat fahren: \u201eIch habe schon ein bisschen Angst, denn ich gehe davon aus, dass ich bei denen auf der Liste stehe.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">F\u00fcr die Sache mit der verschwundenen Gedenktafel ist der iranische Staat jedoch nicht verantwortlich. \u201eIch bin schuld\u201c, gesteht Nowzari. Die Tafel habe nach 13 Jahren ziemlich sch\u00e4big ausgesehen, da habe er das Kulturamt von Charlottenburg-Wilmersdorf gebeten, sie zu erneuern. P\u00fcnktlich zum Jahrestag ist sie nun wieder da.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/25-Jahre-Mykonos-Attentat\/!5444928\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 25 Jahren wurden in einem Restaurant in Berlin vier iranisch-kurdische Politiker erschossen. Der Prozess gegen die M\u00f6rder war ein internationales Politikum. &nbsp; Auf dem Gehweg vor dem Haus Prager Stra\u00dfe 2a in Wilmersdorf steht eine unscheinbare Tafel in Edelstahl. Sie erinnert an die Opfer des sogenannten Mykonos-Attentats: Am 17. 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