{"id":1290,"date":"2017-09-06T20:24:16","date_gmt":"2017-09-06T20:24:16","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1290"},"modified":"2017-09-06T20:24:16","modified_gmt":"2017-09-06T20:24:16","slug":"bundesbehoerde-taeuscht-mit-statistik-aus-kindern-werden-maenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/bundesbehoerde-taeuscht-mit-statistik-aus-kindern-werden-maenner\/","title":{"rendered":"Bundesbeh\u00f6rde t\u00e4uscht mit Statistik: Aus Kindern werden \u201eM\u00e4nner\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Der Anteil der M\u00e4nner unter den Asylbewerbern wird vom Bundesamt f\u00fcr Migration falsch dargestellt. Das hat weitreichende Folgen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Daf\u00fcr, dass tendenziell mehr M\u00e4nner als Frauen nach Europa fliehen, gibt es zahlreiche Gr\u00fcnde. Nach traditionellen Vorstellungen stehen meist M\u00e4nner in der Verantwortung, die Familie zu versorgen, und sie gelten als k\u00f6rperlich st\u00e4rker. Deswegen m\u00fcssen oft sie die Reise antreten \u2013 nicht selten in der Hoffnung, Frauen und Kinder einmal legal nachholen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr Frauen kommt zu den vielen Gefahren auf der Flucht noch das Risiko hinzu, vergewaltigt oder verschleppt zu werden. Und mit Kind ist die Flucht noch gef\u00e4hrlicher.<\/p>\n<p class=\"article even\">Darum kamen in den vergangenen Jahren tendenziell mehr M\u00e4nner als Frauen als Fl\u00fcchtlinge nach Deutschland. Doch das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (Bamf) l\u00e4sst den Anteil der M\u00e4nner unter den Asylbewerbern noch h\u00f6her erscheinen, als er tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<p class=\"article odd\">In der Brosch\u00fcre \u201eAktuelle Zahlen zu Asyl\u201c, die das Bamf monatlich herausgibt, steht: \u201e(Fast) zwei Drittel aller Erstantr\u00e4ge werden von M\u00e4nnern gestellt\u201c. Diese Formulierung findet sich seit 2015 in dem Heft, auch in der j\u00fcngsten Ausgabe vom Juli 2017. Viele Medien \u00fcbernahmen ihn \u2013 und bedienten damit das Angstbild einer \u201eInvasion junger M\u00e4nner\u201c, das von rechten Hetzseiten bef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p class=\"article even\">Laut Duden ist ein Mann eine \u201eerwachsene Person m\u00e4nnlichen Geschlechts\u201c. Auch das Aufenthaltsgesetz behandelt alle Menschen bis zu ihrem 16. Geburtstag als Kinder und Jugendliche \u2013 so wird etwa erst bei \u201eminderj\u00e4hrigen und ledigen Kindern, die bereits das 16. Lebensjahr vollendet haben\u201c, der Familiennachzug eingeschr\u00e4nkt. In dieser Formulierung werden also sogar 16-J\u00e4hrige vom Gesetz noch als \u201eKinder\u201c bezeichnet.<\/p>\n<div class=\"article rack no4\"><\/div>\n<p class=\"article odd\">Doch das Bamf fasst den Begriff \u201eM\u00e4nner\u201c sehr weit: In seine Berechnungen gehen auch Kinder bis zu 16 Jahren als \u201eM\u00e4nner\u201c ein. Im Jahr 2016 z\u00e4hlten dazu beispielsweise auch \u00fcber 40.000 Kinder unter vier Jahren. Das deckt sich nicht mit dem \u00fcblichen Sprachgebrauch.<\/p>\n<p class=\"article even\">Rechnet man alle Kinder unter 16 Jahren aus der Gruppe der \u201eM\u00e4nner\u201c, so sind im Jahr 2015 statt zwei Drittel, wie das BAMF schreibt, nur noch 55 Prozent der Erstantragsteller \u201eM\u00e4nner\u201c. Im Jahr 2016 sind es demnach 49 Prozent, in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2017 nur noch 42 Prozent m\u00e4nnliche Antragsteller \u00fcber 16 Jahre. Das hei\u00dft, das Bamf k\u00f6nnte genau so gut \u2013 und besser \u2013 formulieren: \u201e\u00dcber die H\u00e4lfte aller Erstantr\u00e4ge werden von Frauen und Kindern gestellt.\u201c Denn in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2017 stammten 58 Prozent der Erstantr\u00e4ge von Frauen und Kindern \u2013 in Zahlen rund 58.000 Antr\u00e4ge. Von tats\u00e4chlichen M\u00e4nnern \u00fcber 16 sind es rund 42.000.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Auf Anfrage teilte das BAMF der taz mit: \u201eIhren Hinweis auf die missverst\u00e4ndliche Textpassage werden wir gerne in der n\u00e4chsten Ausgabe unserer Publikation \u201aaktuelle Zahlen zu Asyl\u2018 ber\u00fccksichtigen.\u201c Eine weitere Stellungnahme gab es nicht. Bleibt die Frage, warum es seine Zahlen auf eine Weise pr\u00e4sentiert, die ein Zerrbild zeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Bundesbehoerde-taeuscht-mit-Statistik\/!5435850\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Anteil der M\u00e4nner unter den Asylbewerbern wird vom Bundesamt f\u00fcr Migration falsch dargestellt. Das hat weitreichende Folgen. &nbsp; Daf\u00fcr, dass tendenziell mehr M\u00e4nner als Frauen nach Europa fliehen, gibt es zahlreiche Gr\u00fcnde. Nach traditionellen Vorstellungen stehen meist M\u00e4nner in der Verantwortung, die Familie zu versorgen, und sie gelten als k\u00f6rperlich st\u00e4rker. 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