{"id":1268,"date":"2017-07-30T20:45:28","date_gmt":"2017-07-30T20:45:28","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1268"},"modified":"2017-07-30T20:45:28","modified_gmt":"2017-07-30T20:45:28","slug":"betreuung-von-fluechtlingen-in-berlin-warten-muss-nicht-die-regel-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/betreuung-von-fluechtlingen-in-berlin-warten-muss-nicht-die-regel-sein\/","title":{"rendered":"Betreuung von Fl\u00fcchtlingen in Berlin: Warten muss nicht die Regel sein"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\" role=\"main\">Alles sollte besser werden: Vor einem Jahr wurde nach dem Lageso-Chaos das Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten eingerichtet. Ein Besuch.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Seleban Ahmed A. ist gespannt. Er muss heute um 11\u202fUhr zum Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF). A., der aus Somalia gefl\u00fcchtet ist und sich durch das deutsche Beh\u00f6rdenchaos gek\u00e4mpft hat, hat endlich eine eigene Wohnung bekommen. Daf\u00fcr ist er viermal in der Beh\u00f6rde gewesen, heute soll es der letzte Termin in dieser Angelegenheit sein. Aber eins ist neu: Er muss zum ersten Mal zum neuen Standort in der Darwinstra\u00dfe in Charlottenburg.<\/p>\n<p class=\"article even\">Seit Anfang Juli sitzt das Amt, dessen Vorg\u00e4nger, das Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales (Lageso), weltweit Schlagzeilen schrieb wegen \u00fcberforderter Beh\u00f6rden, an dem neuen Standort. 2015 warteten Fl\u00fcchtlinge dicht gedr\u00e4ngt bei Hitze und K\u00e4lte Tage und N\u00e4chte vor dem Lageso in der Turmstra\u00dfe \u2013 um lebensnotwendige Sachen wie Sozialhilfe oder eine Unterkunft zu bekommen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Vor einem Jahr mietete das neu gegr\u00fcndete LAF neben dem Standort Turmstra\u00dfe das ICC an, wo es mehr Platz f\u00fcr Mitarbeiter und Wartende gibt. Es baute zugleich das heutige Verwaltungsgeb\u00e4ude in der Darwinstra\u00dfe aus. Jetzt, so hat es auch Seleban Ahmed A. geh\u00f6rt, soll alles besser sein.<\/p>\n<p class=\"article even\">F\u00fcr A. ist es allein schon ein Luxus, einen Termin um 11 Uhr zu haben. Die vorherigen Male musste der Somalier wegen der Wohnungsanmietung schon morgens um 7 Uhr erscheinen \u2013 um dann stundenlang zu warten. Das lief im ICC in etwa so ab: Beim Abfertigungsschalter, pr\u00fcfte zun\u00e4chst ein Mitarbeiter, ob seine Unterlagen vollst\u00e4ndig sind. Das konnte schon dauern. Erst dann bekam er eine Warte\u00adnummer in die Hand gedr\u00fcckt. Vier bis f\u00fcnf Stunden Wartezeit waren die Regel. Bei Termin Nummer zwei wurde Seleban Ahmed A. nach vier Stunden Warten sogar nach Hause geschickt, weil an diesem Tag kein somalischer Sprachmittler zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n<p class=\"article odd\">In der Darwinstra\u00dfe angekommen wartet A. 15 Minuten am Abfertigungsschalter. Die Schalterangestellte pr\u00fcft die Unterlagen und nickt. Sie sind vollst\u00e4ndig. A. bekommt eine orangefarbene Wartenummer und wird in den zweiten Stock geschickt \u2013 orange ist auch die Farbe des Warteraums.<\/p>\n<h6>Freundlicher Service gefragt<\/h6>\n<p class=\"article even\">Ende 2015 hatte es Schlagzeilen gegeben von Wachm\u00e4nnern beim Amt, die wartende Fl\u00fcchtlinge verpr\u00fcgelten und im Nazi-Jargon sprachen. Diese Firma ist beim neuen Standort nicht mehr im Einsatz. Wer heute hier Security macht, hat auch einen anderen Job als 2015: Es geht nicht mehr darum, dr\u00e4ngende Wartende mit k\u00f6rperlichem Einsatz zu b\u00e4ndigen. Statt Bodygards sind freundliche und umsichtige Servicekr\u00e4fte gefragt. Das war schon im ICC so, wo die Wachm\u00e4nner in den langen G\u00e4ngen Wartenden den Weg zu ihren Bussen, B\u00fcros oder Toiletten zeigten. Jetzt gibt es weniger Wachm\u00e4nner, \u201eweil das Geb\u00e4ude so viele nicht notwendig macht\u201c, wie LAF-Sprecher Sascha Langenbach sagt.<a name=\"Ein Jahr im Amt\"><\/a><\/p>\n<p class=\"article even\"><strong>Ein Jahr im Amt<\/strong><\/p>\n<div class=\"article rack no7\">\n<div id=\"\" class=\"first last odd sect sect_text \" role=\"region\">\n<div class=\"sectbody\">\n<p>Am 1. August 2016 nahm das Berliner Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF) seinen Betrieb auf. Das neu gegr\u00fcndete Amt l\u00f6ste das in die Kritik geratene Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales (Lageso) in den Fl\u00fcchtlingsfragen ab. Es ist zust\u00e4ndig f\u00fcr alle Fragen zur Registrierung, Leistungserteilung und Unterbringung von gefl\u00fcchteten Menschen in Berlin. Die Auslagerung des Fl\u00fcchtlingsbereichs aus dem Lageso und die Errichtung des LAF waren vom Berliner Senat sowie dem Abgeordnetenhaus beschlossen worden. Heute am Mittwoch will das LAF Bilanz ziehen \u00fcber das erste Jahr seiner Arbeit.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"article odd\">Die n\u00e4chste \u00dcberraschung: Schon nach knapp einer Stunde Wartezeit blinkt A.s Wartenummer auf und zeitgleich holt ihn der somalische Sprachmittler ab. In der Turmstra\u00dfe und im ICC war das alles chaotischer. Es konnte passieren, dass man schon 15 oder 20 Minuten neben dem Sachbearbeiter sa\u00df, bevor der Sprachmittler eintraf.<\/p>\n<p class=\"article even\">Der Mitarbeiter im Wohnsachgebiet muss heute die Miete und Kaution f\u00fcr die neue Wohnung anweisen. Auf fr\u00fcheren Terminen hat er die Kosten der Einraumwohnung in Marzahn gepr\u00fcft und f\u00fcr angemessen befunden. Offen war noch, wann die Wohnung tats\u00e4chlich instand gesetzt ist. Bis auf eine kaputte Zimmert\u00fcr ist nun alles fertig. Der Mitarbeiter rechnet alle Angaben im Mietvertrag nach und st\u00f6\u00dft prompt auf einen Fehler: Der Vermieter, eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft, hat die Mietkaution h\u00f6her berechnet, als es das Gesetz zul\u00e4sst. Zwar sind es nur 4\u202fEuro zu viel, aber das LAF wird diese nicht zahlen. Er tippt einen Brief an den Vermieter, wonach er die Kaution nur in der gesetzlich zul\u00e4ssigen H\u00f6he \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p class=\"article odd\">So ein Verwaltungsfuchs scheint im LAF alles andere als selbstverst\u00e4ndlich zu sein. Zweimal geht die T\u00fcr auf und Kolleginnen kommen mit Fachfragen zu ihm. A. wei\u00df es aber auch aus eigener Erfahrung: Seine Sozialhilfe war nicht immer korrekt berechnet worden. Antr\u00e4ge auf notwendige medizinische Behandlungen wurden zu sp\u00e4t und fehlerhaft bearbeitet. Sein afghanischer Mitbewohner hatte von M\u00e4rz bis Juni sogar nur die H\u00e4lfte der ihm zustehenden Sozialhilfe erhalten und der Widerspruch wurde erst nach drei Monaten bearbeitet.<\/p>\n<h6>Unterbesetzung das Thema<\/h6>\n<p class=\"article even\">Die personelle Unterbesetzung bei den mit Fl\u00fcchtlingsfragen besch\u00e4ftigten Beh\u00f6rden und die daraus resultierende \u00dcberforderung der Mitarbeiter ist seit Jahren ein Thema. Als Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) noch Oppositionsabgeordnete war, hatte sie mit Anfragen und Antr\u00e4gen Verbesserungen angemahnt. Als sie Ende vergangenen Jahres die Verantwortung \u00fcbernahm, waren 155 von gut 500 Stellen im LAF nicht besetzt. \u201eDerzeit fehlen uns noch Spezialisten f\u00fcr die Akquise und Bearbeitung neuer Unterk\u00fcnfte\u201c, sagt Beh\u00f6rdensprecher Sascha Langenbach. Gebraucht werden etwa Architekten, Ingenieure und Immobilienwirtschaftler.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Sachbearbeiter hingegen, die die Sozialhilfe berechnen und die bis Jahresbeginn noch h\u00e4nderingend gesucht wurden, werden m\u00f6glicherweise bald abgebaut oder beh\u00f6rdenintern umgesetzt. \u201eDas h\u00e4ngt aber davon ab, wie viele neue Fl\u00fcchtlinge kommen, wie schnell das Bundesamt die Asylantr\u00e4ge bearbeitet und wie sich die Arbeitsabl\u00e4ufe im neuen Geb\u00e4ude einspielen\u201c, sagt Langenbach.<\/p>\n<p class=\"article even\">Der <em>Tagesspiegel<\/em> hatte Anfang Juli noch von einer \u00dcberforderung der Mitarbeiter berichtet: In der Beh\u00f6rde sollten Kisten mit unge\u00f6ffneten Briefen lagern, weil den Mitarbeitern Zeit fehlt, hie\u00df es. Darunter seien Rechnungen f\u00fcr externe Dienstleister. Langenbach weist das zur\u00fcck. \u201eKisten mit unge\u00f6ffneter Post gibt es nicht.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Was sich deutlich verbessert hat, ist die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen. Mehrere Krankenkassen haben eine Au\u00dfenstelle im LAF eingerichtet und pr\u00fcfen dort Neuannahmen von Mitgliedern und Antr\u00e4ge auf medizinische Hilfen. Dabei k\u00f6nnen sie auch auf die Sprachmittler des LAF zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p class=\"article even\">A. bekommt am Ende seines Termins einen Scheck f\u00fcr die Erstausstattung seiner Wohnung. Den kann er eine Etage tiefer am Kassenautomaten einl\u00f6sen. Ein Wachmann weist ihm freundlich den Weg und bittet, die Summe gleich vor Ort zu kontrollieren. A. z\u00e4hlt nach und freut sich. Sie stimmt.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Betreuung-von-Fluechtlingen-in-Berlin\/!5429313\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles sollte besser werden: Vor einem Jahr wurde nach dem Lageso-Chaos das Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten eingerichtet. Ein Besuch. &nbsp; Seleban Ahmed A. ist gespannt. Er muss heute um 11\u202fUhr zum Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF). A., der aus Somalia gefl\u00fcchtet ist und sich durch das deutsche Beh\u00f6rdenchaos gek\u00e4mpft hat, hat endlich eine eigene Wohnung bekommen. 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