{"id":1238,"date":"2017-05-24T14:48:07","date_gmt":"2017-05-24T14:48:07","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1238"},"modified":"2017-05-24T14:48:07","modified_gmt":"2017-05-24T14:48:07","slug":"studie-zum-berliner-schulsystem-arme-kinder-schlechte-schulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/studie-zum-berliner-schulsystem-arme-kinder-schlechte-schulen\/","title":{"rendered":"Studie zum Berliner Schulsystem: Arme Kinder, schlechte Schulen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">Kinder aus armen Familien sind bei der Schulwahl benachteiligt, sagt eine Studie. Der Boom der Privatschulen f\u00f6rdere die soziale Spaltung.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Eigentlich r\u00fcckt die Bildungsverwaltung diese Zahlen aus Angst vor \u201eNegativ-Rankings\u201c nicht heraus: wie hoch an den einzelnen Schulen der Anteil von Kindern aus armen Familien ist. Arm meint in diesem Fall, dass die Eltern das Geld f\u00fcr die Schulb\u00fccher vom Jobcenter bekommen. \u201eLernmittelbefreit\u201c hei\u00dft das im Verwaltungssprech. Dem Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialforschung hat man diese Daten nun doch erstmals zur Verf\u00fcgung gestellt. Und das Ergebnis der Studie, die am Freitag vorgestellt wurde, ist ern\u00fcchternd: Sieben Jahre, nachdem Berlin die Hauptschule abgeschafft hat, sortiert das Schulsystem unvermindert in arm und reich.<\/p>\n<p class=\"article even\">W\u00e4hrend an Sekundarschulen ohne eigene Oberstufe \u2013 den ehemaligen Haupt- und Realschulen \u2013 54 Prozent der Kinder lernmittelbefreit sind, betr\u00e4gt dieser Anteil an Schulen mit eigener Oberstufe \u2013 den ehemaligen Gesamtschulen \u2013 lediglich 35 Prozent. Mehr noch: An den ehemaligen Realschulen hat sich der Anteil der lernmittelbefreiten Kinder sogar noch erh\u00f6ht. Eltern aus \u201enicht-armen Familien\u201c (O-Ton Studie) versuchen also, Schulen ohne Abi-Option m\u00f6glichst zu meiden.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Die Bildungsverwaltung betont zwar stets, dass seit 2010 jede Schule in Berlin zum Abitur f\u00fchre, weil es schlie\u00dflich immer auch die M\u00f6glichkeit gibt, irgendwo an einem Oberstufenzentrum Abitur zu machen. Aber die Hoffnung, die Sekundarschule als alternativen Weg zum Abitur auch unter bildungsorientierten Eltern zu etablieren und so die soziale Mischung an den ehemaligen Hauptschulen zu verbessern, hat sich nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p class=\"article even\">Ist das \u00fcberraschend? Nein. Weil die Schulstrukturreform 2010 n\u00e4mlich eines nicht war: eine echte Strukturreform. Wo vorher die Trennlinie zwischen Hauptschule und dem Rest verlief, verl\u00e4uft sie jetzt eben zwischen Sekundarschulen ohne und solchen mit eigener Abi-Option. Die Refik-Veseli-Sekundarschule in Kreuzberg etwa bekam 2014 eine eigene Oberstufe genehmigt \u2013 der Anteil der Sch\u00fclerInnen mit Gymnasialempfehlung stieg von null auf rund 20 Prozent, sagte Schulleiterin Ulrike Becker im vergangenen Jahr. Solange Eltern, denen an der Bildung ihrer Kinder etwas liegt, w\u00e4hlen k\u00f6nnen, tun sie das auch.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Das f\u00e4ngt bereits in der Grundschule an. Dass sich die soziale Spaltung der Stadt dort wiederfindet, ist bekannt. Der Anteil der lernmittelbefreiten Kinder in Mitte, zu dem auch Wedding geh\u00f6rt, ist dreimal h\u00f6her als im benachbarten Pankow. F\u00fcr die weiterf\u00fchrenden Schulen gilt zwar das Wohnortprinzip dann nicht mehr. Zudem gibt es die Regelung, dass an besonders nachgefragten Schulen ein Drittel der Pl\u00e4tze per Los vergeben werden. Aber diese Schicksalslotterie kann man umgehen.<\/p>\n<h6>\u201eTendenz einer Sonderung\u201c<\/h6>\n<p class=\"article even\">Zum Beispiel, indem man sein Kind auf einer Privatschule anmeldet, f\u00fcr die das Losverfahren nicht gilt. Seit 2003 ist die Zahl der Privatsch\u00fclerInnen von 18.000 auf derzeit rund 35.000 gestiegen, eine Steigerung von fast 100 Prozent. Der Anteil von Kindern aus armen Familien an Privatschulen: nicht mal vier Prozent. Diese \u201eTendenz einer Sonderung der Sch\u00fclerInnen nach den Bildungsverh\u00e4ltnissen der Eltern\u201c m\u00fcsse \u201eTeil einer \u00f6ffentlichen Diskussion\u201c werden, fordern die AutorInnen der Studie.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Nun kann man Eltern kaum ver\u00fcbeln, dass sie w\u00e4hlerisch sind bei der Schulwahl. Und dass die Kinder an Schulen ohne eigene Oberstufe nicht nur aus \u00e4rmeren Elternh\u00e4usern kommen, sondern im Vergleich auch schw\u00e4chere Schulleistungen erbringen, hatte k\u00fcrzlich die Berlin-Studie im Auftrag der Bildungsverwaltung gezeigt.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Bildungsverwaltung k\u00f6nnte aber versuchen, Eltern etwas weniger die Wahl zu lassen. Indem man zum Beispiel grunds\u00e4tzlich Oberstufen an allen Schulstandorten einrichtet \u2013 tats\u00e4chlich steuert man seit 2014 auch bereits um. Und indem man die Bezirke in den Blick nimmt: Ausgerechnet dort, wo viele Kinder aus armen Familien leben, gibt es auch weniger Schulen mit eigener Oberstufe.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Ghettoisierung ist ein bl\u00f6des Wort, aber f\u00fcr einige Schulen trifft es zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Studie-zum-Berliner-Schulsystem\/!5408124\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder aus armen Familien sind bei der Schulwahl benachteiligt, sagt eine Studie. Der Boom der Privatschulen f\u00f6rdere die soziale Spaltung. &nbsp; Eigentlich r\u00fcckt die Bildungsverwaltung diese Zahlen aus Angst vor \u201eNegativ-Rankings\u201c nicht heraus: wie hoch an den einzelnen Schulen der Anteil von Kindern aus armen Familien ist. 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