{"id":1233,"date":"2017-04-25T23:00:19","date_gmt":"2017-04-25T23:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1233"},"modified":"2017-04-25T23:00:19","modified_gmt":"2017-04-25T23:00:19","slug":"prostitution-bei-gefluechteten-in-berlin-perspektivlos-im-park","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/prostitution-bei-gefluechteten-in-berlin-perspektivlos-im-park\/","title":{"rendered":"Prostitution bei Gefl\u00fcchteten in Berlin: Perspektivlos im Park"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">unge Gefl\u00fcchtete prostituieren sich im Tiergarten, viele finanzieren damit ihre Drogenabh\u00e4ngigkeit. Streetworker scheitern an b\u00fcrokratischen H\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Die jungen M\u00e4nner stammen aus Afghanistan, Iran oder Pakistan. Im Tiergarten bieten sie \u00e4lteren M\u00e4nnern Sex gegen Geld an. Er rechne damit, dass ihre Zahl nun, wo es warm wird, weiter ansteigen werde, sagt Ralf R\u00f6tten vom Verein \u201eHilfe f\u00fcr Jungs\u201c. So war es auch im vergangenen Fr\u00fchling, als er und seine Mitarbeiter die jungen Gefl\u00fcchteten erstmals im Tiergarten antrafen. Die Verbindung Flucht und Prostitution sei altbekannt, sagt R\u00f6tten. \u201e\u00dcberall auf der Welt w\u00e4hlt ein Teil junger M\u00e4nner im Zuwanderungsland diese M\u00f6glichkeit des Gelderwerbs.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Streetworker suchen die sich prostituierenden M\u00e4nner regelm\u00e4\u00dfig auf, um mit ihnen \u00fcber Safer Sex und die Gefahren einer HIV-Infektion zu sprechen sowie \u00fcber Hilfsangebote zu informieren. 382 Beratungskontakte hatten die Mitarbeiter von \u201eHilfe f\u00fcr Jungs\u201c vergangenes Jahr im Tiergarten mit Menschen aus dem arabischen oder mittelasiatischen Raum. Auch junge M\u00e4nner aus S\u00fcdosteuropa, aus Rum\u00e4nien und Bulgarien, geh\u00f6ren seit mehreren Jahren zu ihren Klienten. Auch sie prostituieren sich im Tiergarten, doch anders als die jungen Gefl\u00fcchteten haben sie keine gr\u00f6\u00dfere \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit erlangt.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Die Angeh\u00f6rigen beider Gruppen \u2013 der Gefl\u00fcchteten und der EU-B\u00fcrger \u2013 seien zwischen 18 und 30 Jahre alt, sagt Ralf R\u00f6tten. Minderj\u00e4hrige unbegleitete Fl\u00fcchtlinge seien nicht dabei. Nachvollziehbar, meint er, denn die bek\u00e4men sozialp\u00e4dagogische Betreuung, w\u00fcrden in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht, gingen zur Schule, lernten Deutsch, w\u00fcrden engmaschig betreut.<\/p>\n<p class=\"article even\">Wer aber gerade vollj\u00e4hrig alleine nach Deutschland gekommen sei, habe auf all das keinen Anspruch. Stammten sie nicht aus Syrien oder dem Irak, seien diese gerade erwachsen gewordenen M\u00e4nner w\u00e4hrend des monatelangen Asylverfahrens zum Nichtstun verdammt. Sie d\u00fcrften keinen Integrationskurs belegen, nicht arbeiten, keine Ausbildung anfangen und seien auf sich allein gestellt. \u201eDiese M\u00e4nner sind die wirklich Gef\u00e4hrdeten\u201c, so R\u00f6tten. Dass sie sich selber Wege des Gelderwerbs suchten, findet er \u201emenschlich v\u00f6llig nachvollziehbar\u201c.<\/p>\n<h6>Sex gegen Kost und Logis<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Nach den Erkenntnissen des Streetworkers prostituiert sich keiner der jungen Gefl\u00fcchteten im Tiergarten aus Zwang. Einige kommen aus anderen Bundesl\u00e4ndern, sind nach Ablehnung ihres Asylantrags in Berlin untergetaucht und f\u00fcrchten nun eine Abschiebung. Andere haben Pl\u00e4tze in Berliner Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften, manche mussten ihre Heime wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen die Hausordnung verlassen und sind bei Bekannten untergekommen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Auch sind F\u00e4lle bekannt, in denen junge M\u00e4nner bei Freiern eingezogen sind \u2013 Sex gegen Kost und Logis. Und sehr viele sind drogenabh\u00e4ngig: 90 Prozent, sch\u00e4tzt R\u00f6tten, in ganz unterschiedlichen Stadien der Abh\u00e4ngigkeit. Sie alle ben\u00f6tigten das mit der Prostitution verdiente Geld f\u00fcr ihre Sucht.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Der junge Mann, der f\u00fcr diesen Artikel Sam genannt werden m\u00f6chte, hat bis vor zwei Wochen im Tiergarten gelebt. Der 29-j\u00e4hrige Iraner geh\u00f6rte zu einer Gruppe junger M\u00e4nner, die dort Drogen konsumiert, sich zum Teil prostituiert und auch \u00fcbernachtet haben. Dank der Unterst\u00fctzung einer Sozialarbeiterin des Vereins KommMit e. V. hat Sam seit zwei Wochen einen Wohnheimplatz. KommMit ist vom Bezirksamt Mitte seit M\u00e4rz beauftragt, sich um die M\u00e4nner im Tiergarten zu k\u00fcmmern. Die Sozialarbeiterstelle umfasst 20 Wochenstunden und l\u00e4uft zun\u00e4chst bis Ende Mai.<\/p>\n<p class=\"article even\">Sam ist ein schmaler, ernster junger Mann. W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs in den R\u00e4umen von KommMit beh\u00e4lt er seine Steppjacke an. Sie seien zu acht im Tiergarten gewesen, erz\u00e4hlt Sam, manchmal auch mehr oder weniger, die meisten aus Afghanistan. Er stie\u00df zu der Gruppe, als er es im Fl\u00fcchtlingswohnheim, wo er untergebracht war, nicht mehr aushielt.<\/p>\n<h6>Opium und Heroin<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Eng, voll und laut sei es dort gewesen, die Verpflegung so schlecht, dass er nichts habe essen k\u00f6nnen. Dort habe er wieder begonnen, Drogen zu nehmen, was er nicht getan hatte, seit er 2015 allein nach Deutschland gekommen war. Drogen und psychische Probleme begleiteten ihn seit seiner Kindheit im Iran, sagt Sam. 2016 verbrachte er einige Zeit in der Psychiatrie. Prostituiert habe er sich im Tiergarten nicht, auch mit den Drogen habe er wieder aufgeh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"article even\">Unter Suchthilfeexperten ist die Rede von einer \u201emerklichen Zunahme\u201c Drogenabh\u00e4ngiger unter den nach Deutschland Gefl\u00fcchteten. Im Mai 2016 lud die Drogenbeauftragte der Bundesregierung deshalb zu einer Konferenz zum Thema \u201eFl\u00fcchtlinge und Sucht\u201c. In einem Artikel der <em>\u00c4rztezeitung<\/em> hie\u00df es vor einem knappen Jahr, nach Sch\u00e4tzungen sei jeder zweite Fl\u00fcchtling traumatisiert, und nicht selten stelle die Einnahme von Drogen \u201eeine Selbstmedikation\u201c dar. In vielen Herkunftsl\u00e4ndern Gefl\u00fcchteter ist Drogenkonsum auch kulturell verankert: Afghanistan und Iran etwa z\u00e4hlen weltweit zu den L\u00e4ndern mit dem h\u00f6chsten Pro-Kopf-Konsum von Opium und Heroin.<\/p>\n<p class=\"article odd\">In der Organisation KommMit wird damit derzeit Pionierarbeit geleistet: Denn ob die drogenabh\u00e4ngigen Gefl\u00fcchteten im Tiergarten \u2013 auch diejenigen, die als Gefl\u00fcchtete bereits anerkannt wurden \u2013 \u00fcberhaupt Zugang zum Suchthilfesystem in Berlin haben, muss erst noch herausgefunden werden. \u201eWir hoffen, dass Beh\u00f6rden und Senat Vernunft walten lassen und den Menschen Zugang zur Methadon-Behandlung gew\u00e4hren\u201c, sagt Walid Chahrour vom Verein KommMit.<\/p>\n<h6>Wenig Hilfe m\u00f6glich<\/h6>\n<p class=\"article even\">Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) k\u00fcndigte Mitte April an, sie wolle demn\u00e4chst mit der Sozialsenatorin und dem zust\u00e4ndigen Bezirksamt \u00fcber die jungen Gefl\u00fcchteten im Tiergarten sprechen. Ralf R\u00f6tten von \u201eHilfe f\u00fcr Jungs\u201c ist skeptisch, dass den jungen M\u00e4nnern wirklich geholfen werden kann. Seiner Ansicht nach helfen Geld und weitere Sozialarbeiterstellen kaum. Solange Asylverfahren eine Bearbeitungsdauer von vielen Monaten h\u00e4tten, solange es die Bundesregierung f\u00fcr vertretbar halte, Afghanen in ihr Herkunftsland zur\u00fcckschicken, k\u00f6nne man als Sozialarbeiter f\u00fcr die jungen Gefl\u00fcchteten wenig tun.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Auch bei den sich im Tiergarten prostituierenden Rum\u00e4nen und Bulgaren sieht er \u201epolitische und strukturelle\u201c Hintergr\u00fcnde: Blieben die Lebenschancen innerhalb der Europ\u00e4ischen Union so ungleich verteilt, k\u00e4men junge Menschen weiter nach Deutschland und erzielten ihre Eink\u00fcnfte durch Prostitution, so der Streetworker: \u201eAls Sozialarbeiter k\u00f6nnen wir in vielen F\u00e4llen dann nur karitativ t\u00e4tig sein und eine warme Suppe anbieten.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">\n<p class=\"article odd\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Prostitution-bei-Gefluechteten-in-Berlin\/!5399388\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">quelle: taz<\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>unge Gefl\u00fcchtete prostituieren sich im Tiergarten, viele finanzieren damit ihre Drogenabh\u00e4ngigkeit. 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