{"id":1212,"date":"2017-04-07T07:38:11","date_gmt":"2017-04-07T07:38:11","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1212"},"modified":"2017-04-07T07:46:22","modified_gmt":"2017-04-07T07:46:22","slug":"fluechtlingsunterbringung-in-berlin-kinderbetten-verboten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/fluechtlingsunterbringung-in-berlin-kinderbetten-verboten\/","title":{"rendered":"Kinderbetten verboten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Seit einem Monat wohnen Fl\u00fcchtlinge in der ersten Modularen Unterkunft in Marzahn. Es gibt mehr Privatsph\u00e4re, aber Konflikte mit Betreiber und Security.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Kadiche Suleman vermisst die Pankstra\u00dfe. Wenn es nach ihr ginge, w\u00e4re sie gern im Weddinger Norden mit seinen internationalen Lebensmittell\u00e4den und belebten Stra\u00dfen wohnen geblieben. \u201eWir haben uns in dem Kiez wohl gef\u00fchlt\u201c, sagt die junge Frau aus Afghanistan, die dort mit ihrer Familie bis Ende Februar in einer Notunterkunft gelebt hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">In der neuen Unterkunft im Norden Marzahns hingegen hat sie das Gel\u00e4nde der Gemeinschaftsunterkunft seit vier Wochen nicht verlassen. \u201eHier habe ich Angst rauszugehen. Das erste Mal, als ich einkaufen war, hat ein Mann mich beschimpft, er hat etwas wie \u201aGo home\u2018 gerufen\u201c, erz\u00e4hlt sie. Jemand anderes h\u00e4tte abwehrende Handbewegungen in ihre Richtung gemacht, sie f\u00fchlte sich sehr unsicher. Seitdem geht nur noch ihr Mann einkaufen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>F\u00fcnf Betten f\u00fcr sieben Personen<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Mit ihren f\u00fcnf Kindern im Alter zwischen sieben Jahren und wenigen Monaten leben die Sulemans in einer der Familienwohnungen im Erdgeschoss der neu gebauten Unterkunft in modularer Bauweise, kurz MUF. Ihre Wohnung hat zwei kleine Schlafzimmer, Flur, K\u00fcche und Esszimmer sind in einem Raum davor untergebracht, auch ein eigenes Badezimmer geh\u00f6rt dazu.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Da es vor den bodentiefen Fenstern keine Vorh\u00e4nge gab, hat Suleman Laken in die Fensterrahmen geklemmt. Im ersten Schlafzimmer \u00fcbernachten die Eltern mit den beiden j\u00fcngsten Kindern in zwei Betten, die Kinder schlafen quer am Fu\u00dfende. Im Kinderzimmer stehen drei Betten f\u00fcr die vier \u00e4lteren nebeneinander, viel mehr Platz ist in dem rund 16 Quadratmeter gro\u00dfen Raum nicht. \u201eEs gibt hier keine Kinderbetten, dadurch ist es sehr eng\u201c, sagt Suleman.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Einer ihrer Nachbarn, ebenfalls eine siebenk\u00f6pfige Familie, hatte ein Kinderbett f\u00fcr seine j\u00fcngste Tochter gekauft. \u201eDoch die Leitung erlaubt nicht, dass wir eigene M\u00f6bel aufstellen, er musste es wieder zur\u00fcckbringen\u201c, sagt sie.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die rund 46 Quadratmeter gro\u00dfen Wohnungen sind eigentlich f\u00fcr vier bis f\u00fcnf BewohnerInnen vorgesehen. Die Sulemans suchen schon l\u00e4nger nach einer eigenen Wohnung. \u201eWir hatten sogar schon etwas gefunden, doch daf\u00fcr haben wir aber keine Genehmigung bekommen \u2013 mit der Begr\u00fcndung, dass vier Zimmer f\u00fcr uns zu klein seien\u201c, sagt sie. Mit sieben Familienmitgliedern steht ihnen offiziell eine 5-Zimmer-Wohnung zu, \u201eaber die sind noch schwerer zu finden.\u201c Bis dahin m\u00fcssen sie sich in den zwei Zimmern arrangieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die beiden S\u00f6hne spielen im Flur vor der Wohnung. Im Innenhof, zwischen den beiden f\u00fcnfst\u00f6ckigen Wohngeb\u00e4uden und dem flacheren Zugangsbau, soll einmal ein Spielplatz entstehen, doch noch ist dort eine Baustelle. Den BewohnerInnen bleibt ein etwa zwei Meter breiter Streifen zwischen Hausw\u00e4nden und Bauzaun. Auch hier spielen die Kinder oft.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Kadiche Suleman setzt sich mit dem Baby auf dem Arm zu ihrem Mann auf die Treppe vor dem Eingang. \u201eUnsere \u00e4lteste Tochter geht jetzt in die Schule direkt neben der Unterkunft. Doch die drei mittleren Kinder waren seit dem Umzug nicht mehr in der Kita\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eDie Kita ist am Alexanderplatz, es ist zu weit, ich schaffe es nicht, sie dort hinzubringen und abzuholen, denn ich habe von 13 bis 17 Uhr selbst meinen Sprachkurs.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Ob es eine Kita in der N\u00e4he gibt, konnte ihnen bisher niemand sagen. \u201eAlles ist neu hier, das Geb\u00e4ude ist gut\u201c, sagt er. \u201eAber f\u00fcr Familien ist wenig Platz. Und warum gibt es keine Gemeinschaftsr\u00e4ume, wo wir uns treffen oder fernsehen k\u00f6nnen?\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Gemeinschaftsr\u00e4ume vermisst auch der 25-j\u00e4hrige Hamed Mirzaei. Er wohnt in einer der oberen Etagen, wo sich jeweils zwei BewohnerInnen ein 16 Quadratmeter gro\u00dfes Zimmer teilen. Der Raum neben der Gemeinschaftsk\u00fcche ist komplett leer. \u201eWir wissen nicht, ob dies ein Essensraum werden soll\u201c, sagt er. Mirzaei beklagt, dass die einfachsten Dinge fehlen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u201eWir haben keine Besen und kein Putzzeug bekommen, es gibt nirgendwo M\u00fclleimer, dadurch verdreckt alles schnell\u201c, sagt er. Tats\u00e4chlich ist in den Toiletten, die sich die 16 BewohnerInnen einer Etage teilen, der Boden nass, es gibt kein Toilettenpapier geschweige denn Halterungen f\u00fcr Rollen, nirgendwo sind Handtuchhaken oder Regale, um etwas abzulegen. An der Stange vor der Dusche baumeln zwar Ringe, aber Duschvorh\u00e4nge gibt es nicht. \u201eAls wir eingezogen sind, gab es auch nicht genug Geschirr und Bettw\u00e4sche, manche schlafen direkt auf der Matratze\u201c, sagt Mirzaei.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><strong>\u201eHier ist Guant\u00e1namo\u201c<\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"> Doch mehr als die mangelnde Einrichtung machen ihm und anderen Bewohnern Konflikte mit Heimleitung und Sicherheitspersonal zu schaffen. \u201eWir haben uns auf ein eigenes Zimmer gefreut. Aber hier haben wir keine richtige Freiheit\u201c, sagt Mirzaei. Bei der Ankunft h\u00e4tte die Leitung ihnen alle elektronischen Ger\u00e4te abgenommen, sie h\u00e4tten nicht w\u00e4hlen d\u00fcrfen, mit wem sie das Zimmer teilen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Au\u00dferdem k\u00e4men die Mitarbeiter ohne zu klopfen in die Zimmer und kontrollierten st\u00e4ndig die Taschen. \u201eWenn wir uns beschweren, sagen sie: Das hier ist Guant\u00e1namo, und wenn du nicht zufrieden bist, kannst du auf die Stra\u00dfe gehen\u201c, erz\u00e4hlt er. Einige h\u00e4tten kurz nach dem Einzug Hausverbot bekommen und mussten auf der Stra\u00dfe schlafen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">\u201eWenn es so viele Regeln gibt, sollten wir die auch schriftlich bekommen. So haben wir das Gef\u00fchl, dass sie st\u00e4ndig neue Regeln erfinden.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Die Volkssolidarit\u00e4t teilte auf Nachfrage der taz mit, dass sie keine Kenntnis von entsprechenden \u00c4u\u00dferungen seitens der Mitarbeiter oder des Wachpersonals habe und zutiefst bedauere, wenn es zu solchen verbalen Entgleisungen gekommen sei. Grunds\u00e4tzlich h\u00e4tten die BewohnerInnen die M\u00f6glichkeit, Anliegen, Beschwerden und Kritik gegen\u00fcber der Heimleitung und dem Sozialteam zu \u00e4u\u00dfern. Der Wachschutz werde vom LAF gestellt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">F\u00fcr das zust\u00e4ndige Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF) war das Ziel, die Menschen aus den prek\u00e4ren Situationen in den Turnhallen herauszuholen. Die \u201enoch anstehenden Arbeiten\u201c w\u00fcrden \u201esukzessive erledigt\u201c hei\u00dft es dort. \u201eDas LAF h\u00e4lt immer wieder die Standards bei Personal und Ausstattung nicht ein\u201c, kommentiert Dorothea Sch\u00fctze von der Ehrenamtlicheninitiative \u201eWedding hilft\u201c, die einige Bewohner beim Umzug begleitet hat. \u201eWenn es dann losgeht, muss alles schnell schnell gehen \u2013 ohne R\u00fccksicht auf grundlegende Bed\u00fcrfnisse der Gefl\u00fcchteten.\u201c Es g\u00e4be bisher keine Sprachmittler und keine Kinderbetreuung in der Unterkunft. Sie bedauert auch, dass es vor Ort keine Freiwilligeninitiative gibt, um die Menschen weiter zu begleiten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Hamed Mirzaei sagt, er k\u00f6nne sich mit der Gegend anfreunden, wenn nur der Druck von Leitung und Security nachlie\u00dfe. \u201eWir haben keinen gro\u00dfen Wunsch, wir wollen normal und ruhig leben wie alle anderen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 12pt; font-family: arial, helvetica, sans-serif;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Fluechtlingsunterbringung-in-Berlin\/!5393940\/\" target=\"_blank\"><em>Quelle: Taz.de<\/em><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einem Monat wohnen Fl\u00fcchtlinge in der ersten Modularen Unterkunft in Marzahn. Es gibt mehr Privatsph\u00e4re, aber Konflikte mit Betreiber und Security. Kadiche Suleman vermisst die Pankstra\u00dfe. 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