{"id":1193,"date":"2017-01-31T18:51:04","date_gmt":"2017-01-31T18:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1193"},"modified":"2017-01-31T18:51:04","modified_gmt":"2017-01-31T18:51:04","slug":"fluechtlingsunterbringung-muf-fuer-100-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/fluechtlingsunterbringung-muf-fuer-100-jahre\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlingsunterbringung: MUF f\u00fcr 100 Jahre"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">In Berlin-Marzahn wird ab Dienstag die erste Fl\u00fcchtlingsunterkunft in modularer Bauweise bezogen. Die 300 BewohnerInnen kommen aus Steglitz-Zehlendorf.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Endlich selbst entscheiden k\u00f6nnen, wann man das Licht an- oder ausschaltet \u2013 einer der k\u00fcnftigen Bewohner kann sein bevorstehendes Gl\u00fcck noch kaum fassen. Ab Dienstag sollen 300 Fl\u00fcchtlinge, die seit \u00fcber einem Jahr ohne jede Privatsph\u00e4re in Turnhallen wohnen, die erste fertiggestellte \u201eModulare Unterkunft f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge\u201c \u2013 kurz MUF genannt \u2013 beziehen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die zwei parallelen Riegel mitten im Plattenbauwohngebiet von Marzahn haben mehr Charme, als die wenig schmeichelnde Abk\u00fcrzung ahnen l\u00e4sst. Die Fassade aus grauen Betonplatten und bodentiefen Fenstern hat die schlichte Eleganz moderner B\u00fcrobauten. Dass auch der Au\u00dfenbereich mit Spiel- und Ballplatz, Sitzgelegenheiten und Beeten f\u00fcr die AnwohnerInnen sch\u00f6n wird, verraten bislang nur Pl\u00e4ne \u2013 wegen des Frosts. Im Erdgeschoss bieten die H\u00e4user abgeschlossene, teils barrierefreie Apartments mit K\u00fcche und Bad f\u00fcr vier Personen, in den Etagen dar\u00fcber Wohneinheiten, in denen sich jeweils maximal 15 Menschen K\u00fcche und B\u00e4der teilen. Die Einrichtung ist schlicht, die R\u00e4ume erinnern an moderne Studentenwohnheime. Der gr\u00f6\u00dfte Luxus: eine Fu\u00dfbodenheizung.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\u00adStadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher und Sozial\u00adsenatorin Elke Breitenbach (beide Linke) sprechen lieber von \u201eFl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften in modularer Bauweise\u201c als von MUFs. Die neuen Senatorinnen haben von ihren Vorg\u00e4ngern zwar viele Probleme mit der Fl\u00fcchtlingsunterbringung und \u2013 zu deren L\u00f6sung \u2013 das Projekt der modularen Wohnbauten \u00fcbernommen, das \u201eWording\u201c \u00fcbernehmen wollen sie aber offenbar nicht. 60 der Modularbauten f\u00fcr Gefl\u00fcchtete sollen langfristig entstehen \u2013 die Initiative dazu kam Ende 2015 angesichts der Probleme bei der Fl\u00fcchtlingsunterbringung von (dem alten und neuen) Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Zehn der MUFs baut die Senatsverwaltung f\u00fcr Stadtentwicklung selbst. Der Komplex in Marzahn-Hellersdorf ist eine davon.<\/p>\n<p class=\"article even\">Vier weitere seien bereits zur \u00dcbergabe fertig, andere in Bau oder \u201eunmittelbar vor Baubeginn\u201c, erl\u00e4utert die Stadtentwicklungssenatorin bei der Besichtigung der ersten MUFs am Freitag. F\u00fcr eine werde noch ein Grundst\u00fcck gesucht. Maximal 450 bis 500 Personen bietet eine MUF Platz. Langfristig k\u00f6nnen alle Etagen zu abgeschlossenen Einheiten umgestaltet werden, sodass die Geb\u00e4ude auch wohnungsweise vermietet werden k\u00f6nnen, sollten sie als Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Gefl\u00fcchtete nicht mehr gebraucht werden. In \u00adAhrensfelde wird zun\u00e4chst eine Gemeinschaftsunterkunft eingerichtet, Tr\u00e4ger wird vorl\u00e4ufig die Volkssolidarit\u00e4t sein \u2013 von Senatorin Breitenbach nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (Asog) dazu verpflichtet und nur so lange, bis ein langfristiger Tr\u00e4ger die ordentliche Ausschreibung f\u00fcr den Betrieb der Unterkunft gewonnen hat.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Sie wolle so die \u201eelende Lebenssituation\u201c der Fl\u00fcchtlinge in den Turnhallen m\u00f6glichst schnell beenden, so Breitenbach. Die Modularbauten seien f\u00fcr diese eine \u201egro\u00dfartige Verbesserung\u201c ihrer Lebensqualit\u00e4t. Dass in die erste MUF am \u00ad\u00e4u\u00dfersten \u00f6stlichen Stadtrand ausgerechnet Fl\u00fcchtlinge aus dem weit entfernten Bezirk Steglitz-Zehlendorf ziehen, sei zwar \u201enicht optimal\u201c. Doch es habe in dem S\u00fcdwestbezirk keine alternativen Unterbringungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr diese gegeben.<\/p>\n<p class=\"article even\">Marzahn-Hellersdorfs B\u00fcrgermeisterin Dagmar Pohle, ebenfalls bei der Besichtigung der ersten MUF dabei, kommentiert das mit etwas freundlichem Spott: Gerne sei sie bereit, die Fl\u00fcchtlinge aus Steglitz-Zehlendorf unterzubringen, \u201ewo das offenbar nicht so gut klappt wie hier\u201c. Immerhin sei ihr Bezirk der erste gewesen, in dem kein Fl\u00fcchtling mehr in einer Turnhalle leben muss.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Schulpl\u00e4tze f\u00fcr die 50 schulpflichtigen Kinder unter den 300 ErstbewohnerInnen st\u00fcnden direkt nach den Winterferien bereit, einige \u00e4ltere h\u00e4tten sich entschlossen, an ihren bisherigen Schulen zu bleiben und den weiten Weg dorthin auf sich zu nehmen. Pohle nutzt die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass es trotz der anfangs starken Proteste gegen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte in ihrem Bezirk mittlerweile eine weit st\u00e4rkere Unterst\u00fctzerbewegung gibt. Auch die n\u00e4chsten bezugsfertigen MUFs sind in Marzahn-Hellersdorf. Der Bezirk erh\u00f6ht damit die Zahl seiner bisher aufgenommenen Fl\u00fcchtlinge von etwa 2.400 um bis zu 2.200. Nur in Lichtenberg und Spandau sind mehr Fl\u00fcchtlinge untergebracht. In Steglitz-Zehlendorf werden es nach dem Umzug etwa 1.700 sein.<\/p>\n<p class=\"article even\">Etwas gibt die Bezirksb\u00fcrgermeisterin den Senatorinnen am Ende der Besichtigung deshalb mit auf den Weg: Sie erwarte, dass die Mittel f\u00fcr Inte\u00adgrationsma\u00dfnahmen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, die der Senat den Bezirken mit dem Masterplan Integration 2016 zugewiesen hat, \u201eentsprechend umverteilt werden\u201c, mahnt Pohle ihre Parteigenossinnen.<\/p>\n<p class=\"article even\">\n<div class=\"secthead\">\n<h2>MUF oder Tempohome<\/h2>\n<\/div>\n<div class=\"sectbody\">\n<p>10 Monate betrug die Bauzeit der ersten MUFs. 750 Betonfertigteile, bis zu 15 pro Tag, wurden f\u00fcr die zwei f\u00fcnfgeschossigen Geb\u00e4uderiegel verbaut. Diese bestehen aus je drei 18&#215;18 Meter Grundfl\u00e4che belegenden Bl\u00f6cken mit jeweils eigenen Eing\u00e4ngen. Die Kosten betrugen 17,8 Millionen Euro. 200 Millio\u00adnen Euro aus Mitteln des Sonderverm\u00f6gens Infrastruktur der Wachsenden Stadt sind insgesamt f\u00fcr die zehn landeseigenen MUFs vorgesehen. Ihre Standzeit betr\u00e4gt bis zu 100 Jahre.<\/p>\n<p>Anders als die MUFs sind die <b>Tempohomes<\/b> eingeschossige Containerwohnanlagen mit einer Nutzungszeit von etwa 3 Jahren. Sie sollen an 30 Standorten in der Stadt etwa 15.000 Gefl\u00fcchteten tempor\u00e4re Unterkunft bieten. Jeder Container bietet dabei eine abgeschlossene Wohneinheit mit 13 Quadratmeter Grundfl\u00e4che inklusive einer Sanit\u00e4rzelle und einer Pantryk\u00fcche. <i>(akw)<\/i><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Fluechtlingsunterbringung\/!5375455\/\" target=\"_blank\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Berlin-Marzahn wird ab Dienstag die erste Fl\u00fcchtlingsunterkunft in modularer Bauweise bezogen. Die 300 BewohnerInnen kommen aus Steglitz-Zehlendorf. &nbsp; Endlich selbst entscheiden k\u00f6nnen, wann man das Licht an- oder ausschaltet \u2013 einer der k\u00fcnftigen Bewohner kann sein bevorstehendes Gl\u00fcck noch kaum fassen. 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