{"id":1180,"date":"2016-12-28T12:00:23","date_gmt":"2016-12-28T12:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1180"},"modified":"2016-12-28T12:00:23","modified_gmt":"2016-12-28T12:00:23","slug":"fluechtlinge-angst-nach-dem-anschlag-am-besten-die-hangars-anzuenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/fluechtlinge-angst-nach-dem-anschlag-am-besten-die-hangars-anzuenden\/","title":{"rendered":"Fl\u00fcchtlinge: Angst nach dem Anschlag \u201eAm besten die Hangars anz\u00fcnden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">Zwar wei\u00df man bislang wenig \u00fcber den T\u00e4ter, doch eines ist klar: F\u00fcr viele BerlinerInnen sind \u201edie Fl\u00fcchtlinge\u201c die Schuldigen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Unter Berliner Fl\u00fcchtlingen und ihren HelferInnen sowie unter den MuslimInnen der Stadt geht am Tag nach dem Anschlag Angst um. Kein Wunder: Zwar stellte sich am Dienstag Mittag heraus, dass der verhaftete Verd\u00e4chtigte, ein pakistanischer Fl\u00fcchtling, der in den Tempelhofer Hangars gelebt haben soll, wom\u00f6glich doch nicht der Attent\u00e4ter vom Breitscheidplatz ist. Dennoch gehen offenbar viele BerlinerInnen davon aus, dass \u201edie Fl\u00fcchtlinge\u201c oder auch \u201edie Muslime\u201c f\u00fcr das Massaker verantwortlich sind.<\/p>\n<p class=\"article even\">So berichtete Diana Henniges von \u201eMoabit hilft\u201c am Dienstagvormittag, die Hilfsorganisation habe seit dem Anschlag bereits zahlreiche Emails, Facebook-Posts und Anrufe mit Drohungen bekommen. \u201eEben sagte mir jemand am Telefon, man m\u00fcsste alle Fl\u00fcchtlinge einsperren und die Hangars in Tempelhof anz\u00fcnden\u201c, erz\u00e4hlt sie. Andere Kommentare gingen in die Richtung: Jetzt seht ihr endlich, dass das alles M\u00f6rder sind. \u201eAndererseits schrieb heute morgen auch jemand im Chat, dass wir unsere Leute warnen sollen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Es sei bislang nach jedem Anschlag \u2013 ob Paris, Nizza oder Br\u00fcssel \u2013 so gewesen, dass Berliner Fl\u00fcchtlinge das Misstrauen der Mehrheitsgesellschaft zu sp\u00fcren bekommen, so Henniges. \u201e\u00dcbrigens nicht nur von Bio-Deutschen, auch im t\u00fcrkischen Supermarkt werden Fl\u00fcchtlinge schr\u00e4g angeguckt.\u201c Und wie bei vorherigen Anschl\u00e4gen w\u00fcrden die Mitarbeiter von Moabit hilft nun wohl aus Trauer und Solidarit\u00e4t mit den Opfern einen Blumenstrau\u00df kaufen und am Breitscheidplatz ablegen. \u201eIch finde es absurd zu sagen, wir m\u00fcssen nun Solidarit\u00e4t mit Gefl\u00fcchteten zeigen. Der Attent\u00e4ter war kein Fl\u00fcchtling, das war ein Verbrecher, der sich als Gefl\u00fcchteter ausgegeben hat.\u201c<\/p>\n<h6>\u201eWir sind doch vor Gewalt geflohen\u201c<\/h6>\n<p class=\"article even\">Abdullahim Atta sa\u00df am Montagabend mit deutschen Freunden in einem Restaurant in Steglitz, als er von dem Anschlag erfuhr. \u201eUnser erstes Gef\u00fchl war gro\u00dfe Trauer. Als zweites kam die Angst, dass nun viele Deutsche denken, wir Fl\u00fcchtlinge seien verantwortlich f\u00fcr das Geschehene\u201c, erz\u00e4hlt der Englisch-Lehrer aus Syrien. Auch seine Zimmernachbarn in der Gemeinschaftsunterkunft im Baumschulenweg, ein Jordanier und ein \u00c4gypter, h\u00e4tten ihm am Dienstagmorgen erz\u00e4hlt, wie schlecht sie sich f\u00fchlten. \u201eWir sch\u00e4men uns, wenn sich herausstellt, dass ein Fl\u00fcchtling so etwas gemacht hat. Wir sind doch vor der Gewalt und diesem T\u00f6ten hierher geflohen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Auch Amei von H\u00fclsen-Poensgen von der Initiative Willkommen im Westend sagte nach ersten Gespr\u00e4chen mit Gefl\u00fcchteten: \u201eSie sind ersch\u00fcttert, erschrocken, w\u00fctend, so wie alle, nur, dass es bei ihnen vielleicht mit mehr Angst verbunden ist, weil es etwas mit ihrem eigenen Schicksal macht\u201c, sagt sie. \u201eDie allermeisten sind ja genau vor dieser Angst und Gewalt geflohen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">\u00c4hnliches schildert Mohammad S., der in den Hangars von Tempelhof lebt. Auf Facebook habe er noch am Montagabend von dem Anschlag erfahren. Von der n\u00e4chtlichen Razzia in einem der Hangars habe er nichts mitbekommen und er kenne auch den Verd\u00e4chtigten nicht. \u201eEs tat uns allen sehr, sehr leid, als wir gestern Abend von dem Anschlag geh\u00f6rt haben. Alle haben hier viele Fragen, vor allem, warum es passiert ist. Warum ist es in Berlin passiert, wer hat das gemacht, woher kommen die, die das gemacht haben?\u201c Viele in den Hangars h\u00e4tten Angst. \u201eAber ich habe mir gesagt: Es ist schrecklich, aber es ist ein Anschlag, wie er \u00fcberall passieren kann und \u00fcberall passiert, auch in Amerika oder Frankreich. Man sollte sich keine Angst machen lassen.\u201c S. erz\u00e4hlte weiter, dass sein Cousin aus Halle an der Saale ihn am Dienstag besuchen gekommen sei. Sie h\u00e4tten den Besuch schon l\u00e4nger geplant, \u201eweil mein Cousin meinte, Berlin sei so sch\u00f6n in der Weihnachtszeit.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Im Verein iranischer Fl\u00fcchtlinge in Neuk\u00f6lln ber\u00e4t Hamid Nowzari im Auftrag der Landesregierung auch Gefl\u00fcchtete aus Afghanistan. Dass der nach dem Attentat festgenommene Tatverd\u00e4chtige auch Afghane sein k\u00f6nne, wie es aus Sicherheitskreisen zun\u00e4chst hie\u00df, habe wohl einige Ratsuchende abgehalten, in den Verein zu kommen, vermutet Nowzari am Dienstag: \u201eEs ist heute viel leerer als sonst.\u201c Und die wenigen, die zur Beratung k\u00e4men, h\u00e4tten \u201eAngst und Sorge, dass die Leute mit dem Finger auf sie zeigen.\u201c Dabei seien alle geschockt: \u201eEs hat uns alle getroffen\u201c, so der 58-J\u00e4hrige, der vor 36 Jahren selbst als Fl\u00fcchtling nach Deutschland kam.<\/p>\n<p class=\"article even\">Sein Verein verurteile das Attentat \u201eauf das Sch\u00e4rfste\u201c, so Nowzari: \u201eWir k\u00f6nnen nur hoffen, dass Politiker jetzt besonnen bleiben.\u201c Zu erwarten sei aber wohl \u201eeine Schlammschlacht aus dem rechten Lager\u201c: \u201eEs wird gegen Gefl\u00fcchtete und Muslime Stimmung gemacht werden\u201c \u2013 was letztlich nur \u201eden Auftraggebern solcher Terroranschl\u00e4ge Freude\u201c mache: \u201eUnserer Gesellschaft tut man damit keinen Gefallen\u201c, so Nowzari.<\/p>\n<h6>Mahnwache vor Ged\u00e4chtniskirche<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Auch Mohamed Taha Sabri, Imam der Moschee \u201eHaus des Friedens\u201c in Neuk\u00f6lln, bef\u00fcrchtet: \u201eSollte sich die Vermutung best\u00e4tigen, dass ein musimischer Fl\u00fcchtling hinter dem Anschlag steckt, w\u00e4re das schlimm f\u00fcr uns Muslime.\u201c Deutschland biete Sicherheit f\u00fcr viele Gefl\u00fcchtete. Dass darunter auch \u201eschwarze Schafe\u201c seien, d\u00fcrfe nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft f\u00fchren: \u201eWir Muslime stehen zu Deutschland und zu Berlin.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">Dass Rechtspopulisten die Ereignisse nutzen k\u00f6nnten, um \u201eHass und Spaltung zu f\u00f6rdern\u201c, f\u00fcrchtet auch Mohamad Hajjaj, Landesvorsitzender des Zentralrats der Muslime in Berlin. Dabei seien Musliminnen und Muslime wie alle Berliner ersch\u00fcttert und von Abscheu erf\u00fcllt \u00fcber die schreckliche Tat. \u201eIch bin ein Berliner\u201c, hatte der hier geborene Hajjaj bwereits Montagabend auf Facebook gepostet.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Der Zentralrat und andere muslimische Organisationen rufen f\u00fcr Dienstagabend, 17 Uhr, zu einer Mahnwache vor der Ged\u00e4chtniskirche auf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Fluechtlinge-Angst-nach-dem-Anschlag\/!5365168\/\" target=\"_blank\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwar wei\u00df man bislang wenig \u00fcber den T\u00e4ter, doch eines ist klar: F\u00fcr viele BerlinerInnen sind \u201edie Fl\u00fcchtlinge\u201c die Schuldigen. &nbsp; &nbsp; Unter Berliner Fl\u00fcchtlingen und ihren HelferInnen sowie unter den MuslimInnen der Stadt geht am Tag nach dem Anschlag Angst um. 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