{"id":1144,"date":"2016-09-30T16:44:42","date_gmt":"2016-09-30T16:44:42","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1144"},"modified":"2016-09-30T16:44:42","modified_gmt":"2016-09-30T16:44:42","slug":"sexuelle-gewalt-in-notunterkuenften-gefaehrliche-naehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/sexuelle-gewalt-in-notunterkuenften-gefaehrliche-naehe\/","title":{"rendered":"Sexuelle Gewalt in Notunterk\u00fcnften: Gef\u00e4hrliche N\u00e4he"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">Die Polizei erschie\u00dft einen Fl\u00fcchtling, der sich an einem anderen r\u00e4chen wollte: Der Mann hatte offenbar versucht, ein M\u00e4dchen zu missbrauchen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Normalerweise wuseln auf dem Platz vor den zwei wei\u00dfen Traglufthallen in der Kruppstra\u00dfe in Moabit viele Kinder herum, sie spielen und toben. Am Mittwoch Vormittag ist von den M\u00e4dchen und Jungen nichts zu sehen. Nur einige M\u00e4nner sitzen auf B\u00e4nken vor der Notunterkunft zusammen, unterhalten sich leise. Gut m\u00f6glich, dass die Eltern ihren Nachwuchs jetzt lieber nahe bei sich behalten: Am Vorabend soll ein aus Pakistan stammender Heimbewohner versucht haben, ein sechsj\u00e4hriges irakisches M\u00e4dchen zu missbrauchen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Die Hallen liegen in einer Gr\u00fcnanlage. Zwischen B\u00fcschen und B\u00e4umen gelangt man durch einen aufgerissenen Zaun zum benachbarten Supermarkt. Hier soll sich der 27-J\u00e4hrige dem M\u00e4dchen gen\u00e4hert haben. Ein Zeuge sagte gegen\u00fcber Medienvertretern, er habe den \u00dcbergriff gesehen und in letzter Sekunde verhindert. Der mutma\u00dfliche T\u00e4ter wurde noch am Dienstagabend festgenommen. Als sich der Vater des M\u00e4dchens trotzdem mit einem Messer auf den im Polizeiwagen sitzenden Mann st\u00fcrzen wollte, erschossen ihn die Beamten.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\u201eEs ist ein Familienvater gestorben. Die Menschen in der Unterkunft sind unglaublich traurig\u201c, erz\u00e4hlt Heimleiter Mathias Hamann am Mittwoch. \u201eSie sagen, sie seien aus Syrien gekommen, um hier Schutz zu finden.\u201c Die Stadtmission, die die Unterkunft betreibt, versuche die Trauer mithilfe von Psychologen und Sozialarbeitern aufzufangen. Und sie muss weiteren Konflikten vorbeugen: Aus Sorge vor Streit zwischen den ethnischen Gruppen werden erst mal keine neuen Pakistaner in die Kruppstra\u00dfe verlegt.<\/p>\n<h6>Genaue Zahlen fehlen<\/h6>\n<p class=\"article even\">Jenseits dessen wirft der Fall auch eine grundlegende Frage auf: Beg\u00fcnstigt die Unterbringung in Notunterk\u00fcnften sexuelle \u00dcbergriffe und Missbrauch? 22.000 der insgesamt 49.000 Asylbewerber in Berlin leben nach wie vor in den eigentlich als Provisorien gebauten Heimen. Genaue Zahlen zu sexuellem Missbrauch in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften gibt es nicht. Laut Annette Groth, der menschenrechtspolitischen Sprecherin der Linken im Bundestag, wei\u00df man von 128 Missbrauchsf\u00e4llen in Fl\u00fcchtlingsheimen in ganz Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres \u2013 wobei Experten von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\u201eViele Notunterk\u00fcnfte sind regelrechte Angstr\u00e4ume, gerade f\u00fcr Kinder und Frauen\u201c, sagt Katharina M\u00fchlbeyer vom Berliner Fl\u00fcchtlingsrat. Tats\u00e4chlich gibt es in den Unterk\u00fcnften in der Regel keine abschlie\u00dfbaren Schlafzimmer, oft nicht mal sogenannte gesch\u00fctzte R\u00e4ume, etwa Spielzimmer oder Zimmer f\u00fcr Frauen. Sogar Waschr\u00e4ume sind nicht immer abschlie\u00dfbar.<\/p>\n<p class=\"article even\">Und selbst wenn: Der n\u00e4chtliche Gang auf die Toilette sei in einer Massenunterkunft niemals ganz sicher, sagt Christiane Beckmann von \u201eMoabit hilft\u201c. \u201eWenn so viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben m\u00fcssen, potenziert sich die Gefahr nat\u00fcrlich.\u201c Beckmann h\u00f6rt von Fl\u00fcchtlingsfrauen \u201eh\u00e4ufig\u201c Klagen \u00fcber sexuelle \u00dcbergriffe in Heimen. \u201eDas reicht von verbalen Attacken \u00fcber n\u00e4chtliche Besuche in den Schlafbereichen bis hin zu k\u00f6rperlichen Angriffen.\u201c Die T\u00e4ter seien sowohl Security-Mitarbeiter als auch Mitgefl\u00fcchtete \u2013 oder sogar Heimmitarbeiter.<\/p>\n<div class=\"article rack no7\">\n<div id=\"\" class=\"first last odd sect sect_quote \">\n<div class=\"sectbody quote obj\">\n<p>So viele Menschen auf engstem Raum \u2013 da potenziert sich die Gefahr<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p class=\"article odd\">\u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich der Linkspartei-Abgeordnete Hakan Tas: \u201eEine vern\u00fcnftige Unterbringung ist das beste Sicherheitskonzept. Massenunterk\u00fcnfte wie die in der Kruppstra\u00dfe schaffen Probleme.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">In den Traglufthallen in Moabit wohnen derzeit 250 Menschen. Manche sind Heimleiter Hamann zufolge nur einige Tage da, andere mehrere Monate. Sie stammen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan, aber auch aus Ostafrika oder Moldau. Mehrere Sozialarbeiter und Community-Manager k\u00fcmmern sich um die Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p class=\"article odd\">In der einen Halle sind Familien untergebracht, in der anderen alleinreisende M\u00e4nner. Alle Bewohner begegnen sich aber beim Essen und im Aufenthaltsbereich. Es werde kontrolliert, dass kein Fremder die Hallen betritt. \u201eAber die Unterkunft ist offen. Die Bewohner k\u00f6nnen raus- und reingehen, wie sie wollen\u201c, sagt Hamann.<\/p>\n<p class=\"article even\">Der Unabh\u00e4ngige Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm R\u00f6rig, fordert die Bundesregierung nach dem Vorfall erneut auf, schnellstens h\u00f6here gesetzliche Standards zum Schutz vor sexueller Gewalt in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften auf den Weg zu bringen. \u201eNach wie vor h\u00e4ngt es vom Zufall oder Engagement einzelner Betreiber ab, ob Mindeststandards zum Schutz von gefl\u00fcchteten M\u00e4dchen und Jungen in den Unterk\u00fcnften eingehalten werden\u201c, so R\u00f6rig zur taz.<\/p>\n<h6>Nein zu sagen f\u00e4llt schwer<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Auch Bianka Pergande von \u201eSave the Children\u201c fordert verpflichtende Schutzstandards. Das Kinder- und Jugendhilfegesetz mache Betrieben wie Kitas, Schulen und Heimen strenge Auflagen, etwa bez\u00fcglich Personal und Zugang zu den Kindern. F\u00fcr Sammelunterk\u00fcnfte gelte es aber nicht. \u201eDas ist eine Diskriminierung von Gefl\u00fcchteten\u201c, findet sie. Fl\u00fcchtlingskinder seien auch deshalb besonders in Gefahr, Opfer von Missbrauch zu werden, weil ihre innere Widerstandsf\u00e4higkeit wegen ihrer Fluchtgeschichte oft niedriger sei als bei Kindern, die in sicheren Verh\u00e4ltnissen aufwachsen. \u201eSie haben nicht unbedingt gelernt, Nein zu sagen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">Am Mittwoch steht auch Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamts f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten, vor der Unterkunft an der Kruppstra\u00dfe. Er will nichts davon wissen, dass sexuelle Gewalt in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften eher ein Thema sei als anderswo. Missbrauch komme in jeder gesellschaftlichen Schicht und Gruppe vor, so Langenbach. In einer offenen Unterkunft gebe es sogar mehr soziale Kontrolle als anderswo. \u201eUnser aller Pflicht es ist, immer auf Hinweise zu achten.\u201c<\/p>\n<p class=\"article even\">\n<p class=\"article even\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Sexuelle-Gewalt-in-Notunterkuenften\/!5340498\/\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Quelle: taz<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Polizei erschie\u00dft einen Fl\u00fcchtling, der sich an einem anderen r\u00e4chen wollte: Der Mann hatte offenbar versucht, ein M\u00e4dchen zu missbrauchen. &nbsp; Normalerweise wuseln auf dem Platz vor den zwei wei\u00dfen Traglufthallen in der Kruppstra\u00dfe in Moabit viele Kinder herum, sie spielen und toben. 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