{"id":1142,"date":"2016-09-30T16:43:20","date_gmt":"2016-09-30T16:43:20","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1142"},"modified":"2016-09-30T16:43:20","modified_gmt":"2016-09-30T16:43:20","slug":"umgang-mit-fluechtlingen-in-berlin-die-im-dunkeln-sieht-man-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/umgang-mit-fluechtlingen-in-berlin-die-im-dunkeln-sieht-man-nicht\/","title":{"rendered":"Umgang mit Fl\u00fcchtlingen in Berlin: Die im Dunkeln sieht man nicht"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">Die Situation am neuen Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge sei katastrophal, kritisieren die Betreiber von Heimen. Schlimm sei auch die Lage in Notunterk\u00fcnften.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">\u00dcber ein Jahr nach Beginn der \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c hat sich an den katastrophalen Zust\u00e4nden beim Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten (LAF), das bis vor Kurzem noch als Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales (Lageso) firmierte, offenbar wenig bis nichts ge\u00e4ndert. Einziger Unterschied laut Diana Henniges von Moabit hilft: \u201eDie Fl\u00fcchtlinge warten jetzt im ICC, damit keiner das traurige Chaos sieht, das haben sie sch\u00f6n weggefegt aus der Turmstra\u00dfe 21\u201c. Doch weiterhin gebe es lange Wartezeiten, viele Menschen bek\u00e4men die ihnen zustehenden Leistungen nicht.<\/p>\n<p class=\"article even\">Auch Jens Quade, Vorsitzender des Verbands der Berliner Fl\u00fcchtlingsheimbetreiber, kritisiert: \u201eIm neuen LAF l\u00e4uft es derzeit so schlecht wie zu den schlimmsten Zeiten im Lageso.\u201c Es gebe weiterhin keine Transparenz bei den Ausschreibungen f\u00fcr Heime, Auftr\u00e4ge w\u00fcrden noch immer \u201efreih\u00e4ndig\u201c vergeben. Dabei br\u00e4uchte es endlich \u201ePlanungssicherheit f\u00fcr die Betreiber, die seit eineinhalb Jahren ohne Vertr\u00e4ge und damit ohne gesicherte Finanzen und klare Aufgabenbeschreibungen arbeiten\u201c.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Katastrophal sind nach Henniges Darstellung auch die Zust\u00e4nde in vielen Notunterk\u00fcnften, in denen Fl\u00fcchtlinge teilweise nun schon seit einem Jahr hausen m\u00fcssen. Die Enge, der L\u00e4rm, zu wenig und\/oder schlechtes Essen, die mangelnde Hygiene und vor allem die Aussichtslosigkeit setzten den Menschen psychisch und physisch hart zu. \u201eWir haben dokumentierte F\u00e4lle von Unterern\u00e4hrung\u201c, sagt sie. Selbst Frauen kurz vor der Niederkunft m\u00fcssten in Turnhallen leben und wenige Tage nach der Geburt wieder dorthin zur\u00fcck, weil es f\u00fcr sie keine Pl\u00e4tze in regul\u00e4ren Gemeinschaftsunterk\u00fcnften gebe.<\/p>\n<p class=\"article even\">Der Sprecher des neuen Landeamts f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten, Sascha Langenbach, bestreitet die Vorw\u00fcrfe. In seiner Einrichtung des ICC h\u00e4tten sich die Bearbeitungszeiten wesentlich beschleunigt: \u201ePro Tag bearbeiten die MitarbeiterInnen im ICC die Anliegen von 700 bis 1.300 Personen\u201c, so Langenbach. Sollte es in Einzelf\u00e4llen zu Beschwerden in Notunterk\u00fcnften kommen, w\u00fcrde diesen nachgegangen.<\/p>\n<h6>Bis heute sind \u00fcber 40 Turnhallen belegt<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Nach Angaben der Sozialverwaltung leben weiterhin rund 22.000 Menschen in Notunterk\u00fcnften \u2013 das ist fast die H\u00e4lfte aller Asylbewerber (49.000). 13.000 Asylbewerber leben in Wohnungen, 12.000 in Gemeinschaftunterk\u00fcnften, 2.000 in Erstaufnahmeeinrichtungen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Im Unterschied zu Gemeinschaftsunterk\u00fcnften und Erstaufnahmen gibt es f\u00fcr Notunterk\u00fcnfte keine festgelegten Standards im Hinblick auf Raumgr\u00f6\u00dfen, Belegungsdichte, Ausstattung und Personal. Es gibt auch keine K\u00fcchen, wie in Erstaufnahmen bekommen die Fl\u00fcchtlinge in den Notunterk\u00fcnften Vollverpflegung. Vor einem Jahr, zu Beginn der \u201eFl\u00fcchtlingskrise\u201c, gab es knapp 11.000 Pl\u00e4tze in Gemeinschaftsunterk\u00fcnften, 2.000 in Erstaufnahmen und gut 11.000 in Notunterk\u00fcnften.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Neue Pl\u00e4tze sind also vor allem als Notunterk\u00fcnfte entstanden. Neben leer stehenden Kasernen und anderen Gro\u00dfgeb\u00e4uden wurden daf\u00fcr bekanntlich 63 Sporthallen beschlagnahmt, wo zu Spitzenzeiten rund 10.000 Menschen lebten. Bis heute sind \u00fcber 40 Turnhallen mit rund 5.000 Fl\u00fcchtlingen belegt. Auch die anderen 5.000 \u201eTurnhallenbewohner\u201c haben es nicht immer besser getroffen: Zwar konnten sie laut Sozialverwaltung \u201egr\u00f6\u00dftenteils\u201c in Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte umziehen, manche wurden aber auch in eine andere Notunterkunft verfrachtet.<\/p>\n<p class=\"article even\">Vor zwei Wochen k\u00fcndigte der Senat an, f\u00fcr die restlichen 5.000 Turnhallenbewohner bis Jahresende nur noch 18 Containerd\u00f6rfer \u2013 genannt \u201eTempohomes\u201c \u2013 zu bauen. Erst eines davon steht in Altglienicke. Urspr\u00fcnglich sollten 30 Containerd\u00f6rfer als Notunterk\u00fcnfte f\u00fcr rund 15.000 Menschen aufgestellt werden. Mit dem Argument, dass ja kaum noch neue Fl\u00fcchtlinge nach Berlin kommen, war Rot-Schwarz vor zwei Wochen davon abger\u00fcckt.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Diese Entscheidung k\u00f6nne sie aus ihrer praktischen Erfahrung nicht nachvollziehen, kritisiert Henniges. \u201eDer Sozialdienst, der sich um besonders schutzbed\u00fcrftige Menschen k\u00fcmmert, kriecht auf dem Zahnfleisch, weil er nicht wei\u00df, wohin mit den Leuten \u2013 weil es eben nicht genug Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte gibt.\u201c<\/p>\n<h6>Hickhack mit den Bezirken<\/h6>\n<p class=\"article even\">Die Sozialverwaltung will weitere Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte dadurch schaffen, dass einige Notunterk\u00fcnfte in den kommenden Monaten schrittweise zu Gemeinschaftsunterk\u00fcnften umgebaut werden. Welche Standorte das sein werden, konnte die zust\u00e4ndige Sprecherin Regina Kneiding nicht sagen. Henniges Bef\u00fcrchtung, damit w\u00fcrden die Hangars in Tempelhof zur Dauereinrichtung, soll laut Kneiding aber nicht wahr werden.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Es sei geplant, f\u00fcr die Hangar-Bewohner bis Jahresende Tempohomes auf dem Vorfeld zu errichten, in den Hangars solle dann nur noch das \u201eAnkunftszentrum\u201c sein, in dem Fl\u00fcchtlinge wenige Tage bis zur Vermittlung in einer Unterkunft leben m\u00fcssen. Ab Oktober st\u00fcnden zudem knapp 1.000 Erstaufnahmepl\u00e4tze im brandenburgischen W\u00fcnsdorf f\u00fcr Asylbewerber bereit.<\/p>\n<p class=\"article even\">Ungewiss ist auch, wie es mit den Modularen Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften weitergeht. Noch im Fr\u00fchjahr wollte der Senat gut 60 dieser Geb\u00e4ude in Leichtbauweise mit bis zu 500 Pl\u00e4tzen bauen lassen. \u00dcber die Orte aber gibt es bis heute Hickhack mit den Bezirken, erst f\u00fcr rund 30 Mobile Unterk\u00fcnfte konnte man sich auf Standorte einigen \u2013 und erst zwei, in Pankow und Marzahn-Hellersdorf, sind im Bau.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Nun k\u00fcndigte Marzahn-Hellersdorf an, am Standort Buckower Ring werde \u201eangesichts sinkender Fl\u00fcchtlingszahlen und einer schwierigen Lage des Grundst\u00fccks\u201c nicht mehr gebaut. Ein Ersatzgrundst\u00fcck wolle man erst benennen, \u201ewenn auch in den anderen Bezirken f\u00fcnf bis sieben neue Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte errichtet wurden\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Umgang-mit-Fluechtlingen-in-Berlin\/!5339495\/\" target=\"_blank\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Quelle: taz<\/span><\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Situation am neuen Landesamt f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge sei katastrophal, kritisieren die Betreiber von Heimen. 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