{"id":1105,"date":"2016-06-21T21:49:45","date_gmt":"2016-06-21T21:49:45","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1105"},"modified":"2016-06-21T21:49:45","modified_gmt":"2016-06-21T21:49:45","slug":"unterbringung-von-fluechtlingen-wohnen-wie-auf-einer-insel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/unterbringung-von-fluechtlingen-wohnen-wie-auf-einer-insel\/","title":{"rendered":"Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen: Wohnen wie auf einer Insel"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">Der Senat plant 60 Gro\u00dfstandorte in modularer Bauweise f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Ob das Wohnungen werden sollen oder Heime, ist offenbar noch unklar.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Das Grundst\u00fcck im Norden Marzahns ist komplett von einem knapp drei Meter hohen Bretterzaun umgeben. Nur die Einfahrt l\u00e4sst einen Blick auf die Baustelle an der Wittenberger Ecke Fl\u00e4mingstra\u00dfe zu. Dort stehen mehrere Baucontainer und zwei Kr\u00e4ne. Ein Fundament und Stahl- und Betonteile sind zu erkennen. Auf einem Schild informiert der Senat, dass hier modulare Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge entstehen. Das Bild dazu zeigt zwei rechteckige, f\u00fcnfgeschossige Blocks mit einem niedrigeren Quergeb\u00e4ude als Eingangsbereich. Darunter der Hinweis, dass ein Sicherheitsdienst das Gel\u00e4nde bewacht.<\/p>\n<p class=\"article even\">Es ist eine der ersten Baustellen f\u00fcr die sogenannten MUFs \u2013 Wohngeb\u00e4ude aus vorgefertigten Betonbauteilen mit Platz f\u00fcr jeweils rund 500 Menschen, in die Fl\u00fcchtlinge einziehen sollen. \u00c4hnliche Geb\u00e4ude sind an 60 Standorten im Stadtgebiet geplant. Dies hatte der Senat im letzten Herbst beschlossen, um schnell Wohnraum f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge zu schaffen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Das zu bebauende Marzahner Grundst\u00fcck liegt mitten in einer Plattenbausiedlung. Auf der anderen Stra\u00dfenseite: Balkons und breite Fensterfronten an zwei langen, sechs Stockwerke hohen H\u00e4usern. Von hier aus sind es nur wenige Minuten Fu\u00dfweg bis zur S-Bahn-Station, zu Superm\u00e4rkten, Schulen, Kitas, dem Stadtteilzentrum Marzahn Nordwest und zum Park am Seelbuschgraben.<\/p>\n<p class=\"article even\">\u201eAn sich ist das eine Umgebung mit guten Bedingungen\u201c, sagt Stefan Ziller, Gr\u00fcnen-Politiker im Kreisverband Marzahn-Hellersdorf. Es sei alles da, um Fl\u00fcchtlinge zu integrieren. Trotzdem sagt er: \u201eWenn wir entscheiden k\u00f6nnten, w\u00fcrden wir so etwas nicht bauen.\u201c Damit meint er nicht nur den Unmut in der Bev\u00f6lkerung. Anwohner f\u00fchlten sich nicht rechtzeitig und nur unzureichend informiert. W\u00e4hrend einer Anwohnerversammlung war die NPD mit einem Stand vor umliegenden Superm\u00e4rkten pr\u00e4sent. Und auf eine zweite MUF-Baustelle f\u00fcnf Kilometer s\u00fcdlich gab es im Mai einen Brandanschlag.<\/p>\n<h6>Besser w\u00e4ren Wohnungen<\/h6>\n<p class=\"article odd\">Hinzu kommt: Auch wenn die Geb\u00e4ude fertig sind \u2013 ein Zaun drum herum wird bleiben. Das Gel\u00e4nde wird nur f\u00fcr Anwohner zug\u00e4nglich. Die Wohnblocks werden Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte: mit Betreibern, Sozialarbeitern und Sicherheitsdienst, Gemeinschaftsk\u00fcchen und Aufenthaltsr\u00e4umen.<\/p>\n<p class=\"article even\">\u201eUm als Gefl\u00fcchtete wirklich anzukommen, br\u00e4uchten die Menschen eigene Wohnungen\u201c, meint Ziller. \u201eWenn man schon so gro\u00dfe Geb\u00e4ude baut, dann zumindest als Wohngeb\u00e4ude. Und die sollten dann nicht nur Gefl\u00fcchteten offenstehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">Der Bau der MUFs schaffe neue Probleme, meint auch Philipp Kuebart von der Plattform Nachwuchsarchitekten. Es sei nicht sinnvoll, neue Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte zu bauen. Er kritisiert zudem den Grundriss. \u201eEinige Wohn- und Kochbereiche haben keine Fenster.\u201c Denn die MUFs, die nun nach dem offiziellen Entwurf gebaut w\u00fcrden, seien \u00fcber 18 Meter tief, innen liegende R\u00e4ume daher fensterlos. \u201eF\u00fcr Wohngeb\u00e4ude sind 12 Meter \u00fcblich\u201c, sagt Kuebart, deshalb seien die Geb\u00e4ude sp\u00e4ter schwer zu Wohnungen umbaubar.<\/p>\n<p class=\"article even\">Auch stadtpolitisch w\u00fcrden die MUFs \u201eabgeschlossene Inseln\u201c ohne allt\u00e4glichen Kontakt zwischen Gefl\u00fcchteten und Nachbarn, bef\u00fcrchtet Kuebart. \u201eDurch die Gr\u00f6\u00dfe von rund 500 Menschen pro Einrichtung werden die Menschen sozial ausgegrenzt statt integriert\u201c, sagt der Architekt. Es bestehe die Gefahr, dass damit die sozialen Brennpunkte der Zukunft entst\u00fcnden. \u201eMit diesen Bauten werden wir auf Jahrzehnte festlegen, dass Gefl\u00fcchtete in Wohnheimen landen.\u201c N\u00f6tig sei vielmehr eine dezentrale Unterbringung in Wohnungen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Eigene Wohnungen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge \u2013 das ist auch das, was Sozialsenator Mario Czaja (CDU) mit dem Bau der MUFs erreichen m\u00f6chte. \u201eVon den bislang geplanten 60 Unterk\u00fcnften in modularer Bauweise sollen nur zehn als Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte errichtet werden\u201c, sagte er Anfang Juni im Senat. Das w\u00e4ren die zehn MUFs, die direkt von der Senatsverwaltung f\u00fcr Stadtentwicklung gebaut werden sollen.<\/p>\n<h6>Heim oder nicht Heim?<\/h6>\n<p class=\"article even\">Die anderen 50 MUFs, die die sechs st\u00e4dtischen Wohnungsbaugesellschaften und die Berlinovo bauen werden, sollen laut Czaja dagegen g\u00fcnstiger Wohnraum f\u00fcr bleibeberechtigte Fl\u00fcchtlinge werden. Allerdings geht es in der Absichtserkl\u00e4rung, die der Senat mit den Wohnungsbaugesellschaften f\u00fcr die n\u00e4chsten zw\u00f6lf MUFs vereinbart hat und die der taz vorliegt, ausdr\u00fccklich um Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte, also um von Betreibern geleitete Einrichtungen mit Gemeinschaftsr\u00e4umen, deren Gel\u00e4nde nicht frei zug\u00e4nglich sein sollen. Entsprechend erkl\u00e4ren sowohl Gewobag als auch Howoge, sie bauten Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte, die sp\u00e4ter in Wohnungen umgewandelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">\u201eDie Wohnungsbaugesellschaften bauen eine Mischform\u201c, sagt dagegen Czajas Sprecher Sascha Langenbach. Diese kombinierten \u201edie Sicherheit von eigenen vier W\u00e4nden mit Betreibern und Sozialarbeitern vor Ort, die die gefl\u00fcchteten Menschen umfassend informieren k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p class=\"article even\">Wohnungen nach niedrigem Standard, Gemeinschaftsunterk\u00fcnfte oder Mischformen: Besteht hier wirklich ein grundlegender Unterschied oder ist es letztlich nur eine Frage, auf welchen Begriff sich Senat und Wohnungsbaugesellschaften einigen? W\u00e4hrend in Marzahn die Bauarbeiten begonnen haben und Vorbereitungen f\u00fcr weitere Baustellen laufen, wird dies von den einzelnen Parteien unterschiedlich beantwortet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Unterbringung-von-Fluechtlingen\/!5310431\/\" target=\"_blank\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong>Quelle: taz<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Senat plant 60 Gro\u00dfstandorte in modularer Bauweise f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Ob das Wohnungen werden sollen oder Heime, ist offenbar noch unklar. &nbsp; Das Grundst\u00fcck im Norden Marzahns ist komplett von einem knapp drei Meter hohen Bretterzaun umgeben. Nur die Einfahrt l\u00e4sst einen Blick auf die Baustelle an der Wittenberger Ecke Fl\u00e4mingstra\u00dfe zu. 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