{"id":1042,"date":"2016-02-21T12:49:21","date_gmt":"2016-02-21T12:49:21","guid":{"rendered":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/?p=1042"},"modified":"2016-02-21T12:49:21","modified_gmt":"2016-02-21T12:49:21","slug":"neue-unterkunft-fuer-queere-gefluechtete-coming-out-of-the-heim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iprberlin.com\/de\/neue-unterkunft-fuer-queere-gefluechtete-coming-out-of-the-heim\/","title":{"rendered":"Neue Unterkunft f\u00fcr queere Gefl\u00fcchtete: Coming out of the Heim"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"body\">In Fl\u00fcchtlingsheimen werden Homo- und Transsexuelle oft attackiert. Die Berliner Schwulenberatung er\u00f6ffnet nun eine eigene Unterkunft. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"article first odd\">Die Sozialarbeiterin Jouanna Hassoun redet nicht lange um das Problem herum: \u201eIn den vergangenen sechs Monaten kamen mehrere Fl\u00fcchtlinge mit gebrochenen Nasen in unsere Beratungsstelle. Einer hatte auch einen angebrochenen Unterarm.\u201c Hassoun, geb\u00fcrtige Libanesin, kam selbst mit sechs Jahren als Fl\u00fcchtling nach Deutschland. Heute ist sie Mitarbeiterin des Lesben und Schwulenverbands Berlin (LSVD).<\/p>\n<p class=\"article even\">Dort melden sich jetzt immer mehr Fl\u00fcchtlinge, die in den Gemeinschaftsunterk\u00fcnften von ihren Mitbewohnern attackiert werden. Neben k\u00f6rperlicher Gewalt m\u00fcssen sie auch Drohungen und Mobbing \u00fcber sich ergehen lassen. \u201eDie anderen Fl\u00fcchtlinge nehmen ihnen das Essen weg oder zwingen sie, auf dem Fu\u00dfboden zu schlafen\u201c, sagt Hassoun.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Um die Betroffenen aus den engen Gemeinschaftsunterk\u00fcnften herauszuholen, hat die Berliner Schwulenberatung nun eine eigene L\u00f6sung entwickelt: Kommenden Samstag er\u00f6ffnet sie in Treptow Berlins erstes Wohnheim f\u00fcr Homo- und Transsexuelle \u2013 aus Sicherheitsgr\u00fcnden soll die genaue Adresse der Einrichtung noch nicht genannt werden. Das Projekt entsteht in Zusammenarbeit mit dem Landesamt f\u00fcr Gesundheit und Soziales (Lageso). Au\u00dferdem beteiligen sich der LSVD, Quarteera, die russischsprachige LGBT-Gruppe, und Les Migras, eine Organisation f\u00fcr lesbische und bisexuelle Migrantinnen.<\/p>\n<p class=\"article even\">Berlin ist somit die zweite Stadt Deutschlands, in der ein queeres Fl\u00fcchtlingsheim entsteht. In N\u00fcrnberg gibt es ein \u00e4hnliches Projekt seit Anfang des Monats. In dem Projekt werden die Betroffenen von ihren Peinigern getrennt. Geplant sind 25 Wohnungen, in denen 124 queere Fl\u00fcchtlinge leben werden. Neben Gemeinschaftsunterk\u00fcnften entsteht auch eine Notunterkunft, in der Opfer homophober \u00dcbergriffe kurzfristig Schutz finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"article odd\">In der Schwulenszene wird schon seit L\u00e4ngerem \u00fcber Homophobie in den Fl\u00fcchtlingsheimen diskutiert. Den Grund f\u00fcr die Gewalt sieht Hassoun vor allem in der mangelnden Aufkl\u00e4rung vieler Bewohner. \u201eDie T\u00e4ter haben eine sehr traditionelle Vorstellung davon, wie ein Mann oder eine Frau zu sein haben\u201c, erkl\u00e4rt sie. Wer nicht in ihr Geschlechterrollenmodell passe, gerate in den \u00fcberf\u00fcllten Unterk\u00fcnften schnell in die Schusslinie. \u201eGerade in arabischen und t\u00fcrkischen Familien wachsen viele Jugendliche mit Homo- und Transphobie auf\u201c, erkl\u00e4rt Hassoun. Diese konservative Weltsicht gebe es aber auch hierzulande, betont sie weiter.<\/p>\n<h6>Angriffe auch au\u00dferhalb<\/h6>\n<p class=\"article even\">Das Problem ist jedoch nicht ausschlie\u00dflich auf die Heime beschr\u00e4nkt. Hassoun erz\u00e4hlt, dass Fl\u00fcchtlinge auch au\u00dferhalb ihrer Wohnst\u00e4tte attackiert wurden. Dabei habe es in einigen F\u00e4llen Mitt\u00e4ter aus Berlin gegeben, die gar nicht mit ihnen zusammenlebten.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Die Kosten des queeren Fl\u00fcchtlingsheims sollen gr\u00f6\u00dftenteils durch das Lageso \u00fcbernommen werden. Einen festen Vertrag gibt es allerdings noch nicht. Daneben plant die Schwulenberatung einen Teil der Kosten durch Spenden zu decken. Allein f\u00fcr den Aufbau hat sie nach eigenen Angaben etwa 45.000 Euro vorgestreckt.<\/p>\n<p class=\"article even\">Seit einem halben Jahr organisiert die Schwulenberatung zudem einen Gespr\u00e4chskreis f\u00fcr die betroffenen Fl\u00fcchtlinge. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Schwulenberatung, Marcel de Groot, sch\u00e4tzt, dass hier bislang 100 Personen Hilfe gesucht haben. Zus\u00e4tzlich k\u00e4men jeden Tag zwei bis drei E-Mail-Anfragen, einige davon auch aus anderen St\u00e4dten. \u201eWir h\u00f6ren schreckliche Geschichten. Die Vorf\u00e4lle reichen von Diskriminierung und Beschimpfung bis hin zu Gewalt und sogar Vergewaltigung\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p class=\"article odd\">F\u00fcr ganz Berlin rechnet de Groot mit 3.500 bis 7.000 queeren Fl\u00fcchtlingen. Offizielle Zahlen zu homophoben \u00dcbergriffen gibt es nicht. Die Beratungsstellen kennen nur die F\u00e4lle, bei denen sich die Opfer direkt an sie gewandt haben. Auch der LSVD registriert \u00e4hnlich viele \u00dcbergriffe wie die Schwulenberatung. Da nicht alle Vorf\u00e4lle gemeldet werden, rechnet der Verband mit einer hohen Dunkelziffer.<\/p>\n<p class=\"article even\">Im Ernstfall wissen queere Fl\u00fcchtlinge oft nicht, an wen sie sich wenden sollen. \u201eDie Heime sind mit den homophoben Attacken \u00fcberfordert\u201c, erkl\u00e4rt de Groot \u201eIhnen fehlt das Personal und die Erfahrung, um effektiv dagegen vorzugehen.\u201c Er rechnet damit, dass ein \u00fcberdurchschnittlich gro\u00dfer Anteil der queeren Fl\u00fcchtlinge wegen ihrer Erfahrungen traumatisiert sind.<\/p>\n<p class=\"article odd\">Die Unterbringung in dem queeren Wohnheim soll deshalb auch dazu dienen, sie zu stabilisieren. Um speziell auf ihre individuellen Bed\u00fcrfnisse eingehen zu k\u00f6nnen, soll das Personal dort nach M\u00f6glichkeit ebenfalls queer sein. \u201eWir m\u00f6chten unseren Bewohnern kompetente Hilfe anbieten\u201c, erkl\u00e4rt de Groot. \u201eWer selbst nicht schwul ist, kann bestimmte Probleme nicht richtig nachvollziehen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article odd\">\n<p class=\"article odd\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\"><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Neue-Unterkunft-fuer-queere-Gefluechtete\/!5276160\/\" target=\"_blank\">Quelle: taz<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Fl\u00fcchtlingsheimen werden Homo- und Transsexuelle oft attackiert. 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